Daimler-Chef Källenius: Plug-in-Hybrid nicht kaputtreden

Källenius verteidigt den derzeit stark geförderten Plug-in-Hybrid vehement gegen Kritik. Er plant Anreize zum möglichst häufigen Aufladen.

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Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, hat gute Gründe, den Plug-in-Hybrid zu verteidigen. Denn er gehört zum Plan, den Flottenverbrauch zu senken. Im Bild lehnt er an der neuen Mercedes S-Klasse, die es auch als Plug-in-Hybrid geben soll.

(Bild: Daimler)

Von
  • Martin Franz
  • mit Material der dpa

Daimler-Chef Ola Källenius hat Plug-in-Hybride vehement verteidigt. "Mit steigender E-Reichweite nutzen die Kunden eher das Produkt, so wie es im Sinne des Erfinders ist", sagte Källenius im Gespräch mit Frankfurter Journalisten. "Da haben wir ziemlich viel gelernt in den vergangenen zwei, drei Jahren." Mercedes sei derzeit in der dritten Generation von Plug-in-Hybriden, die bei mittleren und größeren Autos eine elektrische Reichweite (laut WLTP) von 100 Kilometern biete. In der kompakten A-Klasse seien es rund 70 Kilometer. "Mit einer solchen Reichweite können fast alle Kunden Montag bis Freitag CO2-frei fahren. Und das tun auch viele."

Kritik an Plug-in-Hybriden kommt seit einiger Zeit verstärkt von Umweltschützern. "Für die erste Generation, in der die Reichweiten niedriger waren, gibt es jetzt Studien. Sie sagen: Na ja, die laden zu wenig", ging Källenius auf die Kritik ein. Mercedes will die Kunden nun stärker dazu bringen, den Elektroantrieb auch zu nutzen. "Wir werden auch eine Art Punktesystem einführen, wo wir unsere Kunden dafür belohnen werden, wenn die so laden, wie sie laden sollten." Mit den entsprechenden Punkten könnten diese dann etwa Zubehör erwerben. BMW hatte ein ähnliches Programm angekündigt. "Wir werden das Konzept Plugin-Hybride als Technologie-Minimum dieses Jahrzehnt brauchen, also sollten wir es nicht jetzt kaputtreden", sagte Källenius.

Derzeit wird der Kauf von Neuwagen mit Plug-in-Hybrid stark gefördert – der staatliche Anteil an der "Innovationsprämie" liegt bei bis zu 4500 Euro, hinzu kommt die Mehrwertsteuer auf den Anteil, den der Hersteller beitragen muss.

Mercedes hat im Juni die Erfahrung gemacht, was das für Auswirkungen haben kann. Innerhalb von zwei Wochen hat Daimler rund 15.000 Bestellungen für den Mercedes A 250e eingesammelt – dieser Plug-in-Hybrid kostet dank des Zuschusses nur etwa so viel wie ein A 180. Von dem Ansturm vollkommen überrascht, hat Mercedes einen Bestellstopp verhängt.

Naheliegenderweise profitiert die Umwelt von einem PHEV nur, wenn statt des Verbrenners möglichst häufig der elektrische Teil des Antriebs genutzt wird – und der Hersteller im Idealfall konstruktiv im Sinne einer maximalen Effizienz vorgesorgt hat. Denn für den Stromverbrauch ist es unter anderem wichtig, wo der E-Motor eingebaut ist. Die vergleichsweise preiswerte Unterbringung im Getriebe ist platzsparend, aber nicht so effizient wie eine elektrische Sekundärachse.

Ein Vorteil des Plug-in-Hybrids bleibt allerdings: Da der Strommix einen zunehmenden Anteil erneuerbarer Energien in sich trägt, wird der elektrisch zurückgelegte Streckenanteil Stück für Stück weniger umweltschädlich. Die Bundesregierung plant unterdessen derzeit nicht, die Prämie für Plug-in-Hybride anzupassen.

Plug-in-Hybride

(mfz)