Das Ende aller Tage

In den USA wurde erstmals eine Anti-Baby-Pille zugelassen, die gleichzeitig auch die Menstruation verhindert. Die Reaktionen gehen allerdings weit auseinander.

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Von
  • Ben Schwan
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Dass man durch die dauerhafte Einnahme oraler Kontrazeptiva das Auftreten der Periode unterbinden kann, wissen viele Frauen seit Langem. Die Methode wird zur Verhinderung des prämenstruellen Syndroms (PMS) oder auch aus Bequemlichkeitsgründen von einer Minderheit regelmäßig eingesetzt – bislang jedoch nicht immer unter ärztlicher Kontrolle und mit Medikamenten, die dafür eigentlich nicht gedacht waren.

Der US-Pharmahersteller Wyeth hat mit Lybrel nun eine Anti-Baby-Pille entwickelt, die speziell damit beworben wird, dass der Zyklus ausbleibt. Angestrebt wird der Zustand der so genannten Amenorrhoe, dem Ausbleiben der Menstruation ohne Schwangerschaft. Bei regulären oralen Kontrazeptiva wird die Regelblutung dadurch ausgelöst, dass die Hormontherapie nach normalerweise 21 Tagen jeweils sieben Tage unterbrochen wird – entweder durch ein Absetzen in dieser Zeit oder die Einnahme von Placebos.

Wirklich notwendig wäre dies nicht, schließlich kommt es erst gar nicht zum Eisprung, da die Pille dem Körper hormonmäßig vorgaukelt, "schwanger" zu sein. Die Blutung schwemmt also gar kein Ei aus. Die Erfinder der Pille wollten einst vor allem die natürliche Periode nachbilden und die Akzeptanz der neuen Verhütungsmethode dadurch erhöhen. Gleichzeitig sollte die Blutung signalisieren, dass keine Schwangerschaft vorliegt, was man heute jedoch durch Verwendung überall erhältlicher, kostengünstiger Tests selbst überprüfen kann.

So verwundert es nicht, dass es bereits seit Längerem orale Kontrazeptiva gibt, die die Menstruation zumindest nach hinten schieben: Das US-Produkt Seasonale vom Hersteller Duramed Pharmaceuticals reduziert sie beispielsweise auf ganze vier Mal im Jahr. Doch die gänzliche Abschaffung des Zyklus wagte offiziell bis Lybrel noch niemand mit einem eigenen Produkt.

In einer Zeit, in der viele Frauen sowohl PMS als auch die Regelblutung an sich mit all ihren Begleiterscheinungen (auch psychischer Natur) als äußerst lästig bis sehr belastend empfinden, wachse nun die Nachfrage nach einer Pille, die eine Amenorrhoe einschließt, meint man bei Wyeth. Man sieht einen großen Markt: Satte 250 Millionen Dollar Umsatz will man im Jahr mit seinem Produkt erreichen.

Lybrel ist eine so genannte Langzyklustherapie. Die enthaltenen Hormon-Wirkstoffe sind leidlich bekannt: Das Östrogen Ethinylestradiol und das Progestin Levonorgestrel. Beide werden auch bei herkömmlichen Anti-Baby-Pillen verwendet. Der Hauptunterschied bei Lybrel liegt in der Anwendung: Das Präparat wird ohne Pause jeden Tag eingenommen. Damit ergibt sich die Wirkung eines Schutzes vor unerwünschten Schwangerschaften kombiniert mit einem Ausbleiben der Periode.

In den USA ist Lybrel in der vergangenen Woche offiziell von der zuständigen Aufsichtsbehörde Food and Drug Administration (FDA) zugelassen worden. Eine große Wahl hatten die Beamten allerdings nicht: Durch die Verwendung bekannter Wirkstoffe, die als sicher gelten, wurde das Produkt recht schnell genehmigt.