Das Rennen zum roten Planeten

Die ambitionierten Mars-Pläne von Elon Musk mit seiner jungen Raketenfirma SpaceX sind weiterhin bekannt. Doch ein traditioneller Hersteller kündigt an, er werde schon vorher Menschen auf den Mars bringen.

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  • Jamie Condliffe

Das Rennen zum roten Planeten hat begonnen: Nicht nur Elon Musk möchte die Menschheit auf den Mars bringen, auch Boeing verfolgt Pläne in dieser Richtung ­– und will damit sogar schneller sein als Musk mit seinem Unternehmen SpaceX.

Das erklärte Dennis Muilenberg, CEO des Unternehmens, bei der Technologiekonferenz What's Next in Chicago: "Ich bin überzeugt, dass der erste Mensch, der seinen Fuß auf den Mars setzt, mit einer Rakete von Boeing dort hingekommen sein wird", sagte er.

Vollkommen neu sind die Boeing-Pläne für den Mars nicht. Wie Ars Technica berichtet, arbeitet das Unternehmen bereits an einem Raumschiff für die Reise dorthin, denn es ist der Hauptauftragnehmer für das neue Space Launch System der NASA. Diese Rakete soll einmal stark genug werden, um sechs Astronauten zum Mars zu befördern. Allerdings wird bislang nicht vor Ende der 2030er Jahre mit einer solchen Mission gerechnet.

Jetzt jedoch deutete Muilenburg an, dass Boeing sich auch für Weltraum-Tourismus interessiert. Freizeitreisen in eine erdnahe Umlaufbahn würden "in den nächsten Jahrzehnten zu einem florierenden Markt werden", sagte er. Das könnte bedeuten, dass auch normale Sterbliche irgendwann das Angebot bekommen, zum Mars zu fliegen.

Die Mars-Pläne von SpaceX sind so ambitioniert, wie man es von einem von Elon Musk geleiteten Unternehmen erwarten würde. Das Unternehmen werde nicht weniger als 1000 riesige interplanetare Raumschiffe bauen, jedes davon größer als die alte Saturn V der NASA, um Menschen zum Mars zu bringen, verkündete Musk Ende September beim International Astronautical Congress Ende September in Mexiko. Die Finanzierung dafür ist allerdings noch weitestgehend offen.

SpaceX und Boeing sind nicht die Ersten, die es auf den Mars zieht, doch die anderen Ambitionen scheinen weniger Chancen auf eine Realisierung zu haben. Die nichtkommerzielle Organisation Mars One aus den Niederlanden etwa plant schon für 2026 eine bemannte Einweg-Reise zum Mars. Ihre Pläne und Terminangaben werden von Fachleuten jedoch massiv in Frage gestellt. Auch die Inspiration Mars Foundation hat angekündigt, bis 2018 oder spätestens 2021 Menschen zum Mars zu schicken. Inzwischen aber ist nicht einmal ihre Website erreichbar, was bedeuten dürfte, dass das Projekt ruht.

Einstweilen also sieht es so aus, als würde das Rennen zum Mars zwischen SpaceX und Boeing entschieden. Doch selbst daran gibt es noch nagende Zweifel. Schon den Planeten zu erreichen, ist eine große Herausforderung, noch schwieriger aber wird es, Menschen dort am Leben zu halten. Musk hat bereits sehr deutlich gemacht, dass das nicht sein Problem sein soll. Er vergleicht sein Vorhaben mit der Union Pacific Railroad: SpaceX baue nur das Transportnetz, nicht die eigentliche Kolonie. Marsreisende werden dort also selbst zurechtkommen müssen.

Das lässt einen anderen kritischen Punkt in den Vordergrund rücken: Werden sich überhaupt genügend Menschen finden, die dazu bereit sind?.

(sma)