Das etwas andere Forschungsschiff

Ein junges Team ist um die Welt gesegelt, um die besten Lowtech-Ideen zu sammeln und zu verbreiten. Nun kann sie jeder nachbauen.

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Das etwas andere Forschungsschiff

(Bild: Verlag)

Von
  • Gregor Honsel

Von außen sieht die "Nomade des Mers" aus wie eine normale ­Segeljacht. Innen aber gleicht der 14 Meter lange Katamaran einer Mischung aus Werkstatt und Bauernhof, bewohnt von allerlei Pflanzen, Mehlwürmern und Federvieh. Es ist keine Lustreise, zu der Corentin de Chatelperron im Februar 2016 mit ­einer kleinen Crew in See sticht. Es ist eine Mission. Er will um die Welt segeln und sich dabei mit möglichst einfachen Mitteln selbst versorgen.

Ein paar Jahre zuvor hatte der französische Ingenieur, Jahrgang 1983, dies schon einmal mit einer selbst gebauten Jacht aus Jutefaser-Kunststoff auf dem Indischen Ozean versucht. Aber die Kartoffeln wuchsen nicht, die Hühner legten keine Eier. "Rückblickend gehört diese Erfahrung in die Kategorie ,konstruktives Scheitern'", schreibt er.

Mit der "Nomade des Mers" wollte er die Sache systematischer angehen und auf der ganzen Welt Lowtech-Lösungen sammeln, ausprobieren und weiterverbreiten. "Überall erfinden Menschen Neues, um es mit den großen Herausforderungen des Alltags aufzunehmen: Zugang zu Wasser, Nahrung und Energie. Sie entwickeln lokale Wirtschaft, Arbeitsplätze, Kompetenzen."

In Marokko verbessert das Team etwa mit Einheimischen einen solaren Meerwasserentsalzer aus Holz, Spiegeln, Folie und Stoff. Sie können die Ausbeute von 2,5 Litern pro Quadratmeter und Tag verdoppeln. Allerdings hat die Bastelei viel Zeit gekostet. "Überdies konnte unser Produkt nie der Bewährungsprobe durch die Nutznießer vor Ort unterzogen werden", schreibt er. "Bei der Abfahrt beschließen wir, uns ab jetzt nur mit Lowtech zu beschäftigen, die schon erfunden ist und sich lokal bewährt hat."

Es geht weiter über Senegal, Brasilien, Südafrika, die Seychellen, Indien und Thailand bis nach Indonesien. Unterwegs lernt die Crew unter anderem, wie man aus einem alten Druckermotor ein 20-Watt-Windrad baut, aus organischen Abfällen Gas, Diesel, Biokohle oder Dünger herstellt, aus Plastikflaschen eine feste Kordel schneidet, wie man Algen und Grillen kultiviert und zubereitet, wie man Essen mit einem Solartrockner haltbar macht.

Dokumentiert wurde die dreijährige Reise mit YouTube-Tutorials und einer 15-teiligen Fernsehserie, die auf Arte lief. Nun ist das Buch dazu auf Deutsch erschienen. Die Reiseerlebnisse werden darin knapp, aber pointiert abgehandelt. Mehr Raum nehmen die Porträts der Menschen vor Ort ein sowie die ausführlichen Baupläne ihrer Erfindungen. So zeigt das Buch, dass Innovationen nicht immer Hightech bedeuten müssen.

Buch: Sailing for Future
Autoren: Corentin de Chatelperron, Nina Fasciaux
Preis: 24,90

(grh)