Das kleine Glück: Motorräder für Einsteiger

Stufenführerschein, Leistung und Leistungsgewicht: Zweirad-Einsteiger müssen einiges beachten. Wir verraten, was genau und welche Modelle empfehlenswert sind.

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BMW G 310 R

(Bild: BMW)

Von
  • Ingo Gach

Es gibt noch immer viele junge Menschen, die gerne Motorrad fahren würden. Im Weg stehen meist die horrenden Kosten für den Führerschein, im Schnitt werden dafür rund 1500 Euro fällig. Doch selbst wer diese finanzielle Hürde genommen hat, kann oft nicht gleich zu seinem Traummotorrad greifen, denn wer zwischen 18 und 24 Jahre alt ist, darf nur den Führerschein A2 machen. Der begrenzt die Motorleistung auf maximal 35 kW (48 PS) und das Leistungsgewicht auf fünf Kilogramm pro Kilowatt. Das heißt, wenn das Motorrad die 48 PS voll ausnutzt, muss es mindestens 175 Kilogramm auf die Waage bringen.

Wer die Klasse A2 bestanden hat, steht vor der Frage, welches Motorrad es nun sein soll. Grundsätzlich gilt es zwischen zwei Varianten zu unterscheiden: Bikes, die serienmäßig nicht mehr als 48 PS leisten und Motorräder, die auf diese Leistung gedrosselt werden. Zur ersten Kategorie zählen inzwischen eine ganze Reihe attraktiver Modelle, hier hat sich die Motorradindustrie auf die Führerscheinvorgaben in der EU eingestellt und bietet für allen Segmenten passende Motorräder an: Naked Bikes, Enduros, Sportler, Tourensportler, Cruiser.

Allerdings gibt es ältere Gebrauchtmotorräder, die zwar weniger als 36 kW in der Zulassungsbescheinigung eingetragen haben, aber wegen ihres zu geringen Gewichts nicht mit der Klasse A2 gefahren werden dürfen. Dazu zählen unter anderem etliche Zweitakter. So mancher Führerscheinneuling guckt nur auf die eingetragene Leistung und nimmt bei weniger als 49 PS automatisch an, er dürfe die Maschine fahren. Wer erwischt wird, ob unwissend oder nicht, macht sich strafbar wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und das kann teuer werden. Vor dem Gebrauchtkauf empfiehlt es sich also unbedingt, das Leistungsgewicht anhand der Fahrzeugpapiere auszurechnen.

Viele Modelle werden von den Herstellern schon beim Neukauf gegen geringen Aufpreis auch auf 35 kW gedrosselt angeboten. Doch auch hier gilt eine Einschränkung, denn die Motorräder dürfen offen höchstens die doppelte Leistung, also maximal 70 kW (95 PS) haben. Früher war es möglich, selbst mehr als 150 PS starke Superbikes auf 48 PS zu drosseln, auch wenn die sich dann fürchterlich fuhren. Wer die Klasse A2 vor dem 26. 12. 2016 erworben hat, darf die von mehr als 70 kW auf 35 KW gedrosselten Motorräder zwar weiterhin in Deutschland fahren, allerdings nicht im Ausland.

Es ist daher kein Zufall, dass viele Modelle von den Herstellern mit 95 PS homologiert werden, obwohl sie technisch zu deutlich mehr in der Lage wären. Der Vorteil für den Käufer liegt darin, dass er nach zwei Jahren mit dem gedrosselten Modell und bestandenem Führerschein Klasse A, die Drosselung wieder relativ günstig entfernen kann und dann mit offener Leistung fahren darf, ohne sich ein neues Motorrad kaufen zu müssen. Aber: Die Mehrleistung muss er natürlich eintragen lassen und der Versicherung melden, die das Motorrad dann in eine teurere Klasse einstufen. Eine Liste empfehlenswerter 48 PS-Motorräder.

(Bild: Benelli)

500 cm3, 35 kW, 6199 Euro

Hinter der altehrwürdigen Marke Benelli, steckt heute der chinesische Quianjiang-Konzern (QJ). Designt werden die Motorräder immer noch in Italien, aber in China gebaut, daher kann sie für vergleichsweise günstige 6199 Euro angeboten werden. Die Reiseenduro ist das meistverkaufte Motorrad in Italien. Ihr Reihenzweizylinder mit 500 cm3 liefert 48 PS und lässt sich sogar halbwegs schaltfaul fahren. Mit 235 kg ist die TRK 502 kein Leichtgewicht, doch ihre Stärke liegt im komfortablen Touren. Dank einer eindrucksvollen Reichweite von über 500 km ist sie prädestiniert für die Langstrecke.

BMW

25 kW, 313 cm3, 5460 Euro

Das Einstiegsmodell von BMW stammt aus einer Kooperation mit TVS in Indien, wo die G 310 R auch gebaut wird. Nach einer Überarbeitung des Designs im vergangenen Jahr wirkt die kleine BMW moderner und cooler. Ihr 313-cm3-Einyzlinder reißt zwar keine Bäume aus, reicht aber zum zügigen Vorwärtskommen, immerhin leistet er 34 PS und die G 310 R wiegt nur 159 kg. Sie bietet sogar eine Anti-Hopping-Kupplung. Ihr großer Vorteil liegen im spielerischen Handling.

(Bild: BMW)

25 kW, 313 cm3, 6370 Euro

Die G 310 GS sieht aus wie eine geschrumpfte R 1250 GS, nur ohne Boxermotor. Sie basiert auf der G 310 R, hat jedoch längere Federwege, eine aufrechte Sitzposition und Windschutz. Eine Gepäckunterbringung ist durch den serienmäßigen Heckträger einfach. Die GS wiegt zwar 175 kg und damit 16 kg mehr als die R, bietet jedoch nur unwesentlich schlechtere Fahrleistungen. Allerdings ist ihr Preis mit 6370 Euro höher. Dennoch: Wer eine günstige Reiseenduro von BMW sucht, ist mit der G 310 GS (Test) gut bedient.

(Bild: Brixton)

486 cm3, 35 kW, 6399 Euro

Die Marke Brixton gehört zur österreichischen KSR-Gruppe, die ein cleveres Geschäftsmodell verfolgt. Entworfen werden die Modelle in Österreich und günstig in China gefertigt. Doch im Falle der Brixton Crossfire 500 kommen qualitativ hochwertige Komponenten zum Einsatz: KYB-Gabel und -Federbein und ein Bosch-ABS. Auffallend ist das scharf hervorstechende "X" am Tank. Optisch kommt die Crossfire 500 im Retro-Look mit hübschen Drahtspeichenrädern. Sie wird von einem 48 PS starken Zweizylinder von Zongshen angetrieben und kostet 6399 Euro.

(Bild: Fantic)

449 cm3, 28 kW, 6990 Euro

Wer ein schickes Motorrad im Retro-Stil sucht, mit der er sich auch abseits befestigter Pfade austoben kann, sollte die Fantic Caballero 500 Scrambler (Test) in Betracht ziehen. Das italienische Bike mit dem Tropfentank, dem Doppelrohrauspuff und der fetten Upside-down-Gabel ist ein echter Hingucker. Angetrieben wird es von einem chinesischen Einzylindermotor, der 40 PS liefert und den 157 kg leichten Scrambler ordentlich vorantreibt. Für 6990 Euro bietet die Fantic viel Spaß. Wahlweise gibt es die Caballero auch noch als Flat Track mit anderen Rädern.

(Bild: Honda)

286 cm3, 20 kW, 6820 Euro

Die Honda CRF 300 L Rally leistet zwar nur 27 PS, aber man sollte sie keinesfalls unterschätzen, denn mit Federwegen von 260 mm vorne und 265 mm hinten ist sie ein ernsthaftes Dirt Bike. Dabei bringt die Honda nur 157 kg mit vollem 13-Liter-Tank auf die Waage, was ihr im Gelände zusätzliche Vorteile verschafft. Dank ihres geringen Verbrauchs schafft die CRF 300 L Rally über 400 km Reichweite, was wiederum die Fernreisenden aufhorchen lässt. Mit 6820 Euro ist die Einzylinder-Honda ein hochinteressantes Angebot einer fast ausgestorbenen Motorradgattung.

(Bild: Honda)

471 cm3, 35 kW, 6599 Euro

Es gibt kaum ein ausgereifteres Motorrad als die Honda CB 500 F. Das Naked Bike mit dem 48 PS starken Reihenzweizylinder hat sich seit dem Start 2013 über 100.000-Mal verkauft. Ihr Ruf als Fahrschulmotorrad darf als Kompliment verstanden werden, kaum ein anderes Motorrad lässt sich so unkompliziert fahren. Für 2022 wurde sie überarbeitet und bekam eine Big-Piston-Gabel von Showa, eine zweite Bremsscheibe vorne, radiale Bremssättel sowie leichtere Felgen und Schwinge. Mit der CB 500 F für 6599 Euro kann niemand etwas falsch machen.

(Bild: Honda)

471 cm3, 35 kW, 7299 Euro

Natürlich bietet der weltgrößte Motorradhersteller auch ein Einsteiger-Bike im dezenten Reiseenduro-Look. Auch wenn die Honda CB 500 X komplett anders wirkt, basiert sie doch auf der CB 500 F, verfügt aber über längere Federwege, hohen Windschild, komfortable Sitzbank, breiten Endurolenker und 19-Zoll-Vorderrad. Sie soll die Tourenfraktion ansprechen und mit ihrem 18-Liter-Tank für ordentlich Reichweite sorgen. Ihre Zuverlässigkeit dürfte über jeden Zweifel erhaben sein, allerdings ist sie mit 199 kg kein Fliegengewicht und mit 7299 Euro auch kein Sonderangebot.

(Bild: Husqvarna )

373 cm3, 44 PS, 5999 Euro

Die Husqvarna Vitpilen 401 stellt die Avantgarde in der Einsteigerklasse dar. Star-Designer Kiska wollte sich hier vom kantigen KTM-Design lösen – die Vitpilen 401 basiert auf der KTM 390 Duke (Test) – und etwas völlig Neues wagen. Der nahtlos in die Sitzbank übergehende Tank mit der seitlichen Erhebung ist gewagt, aber absolut eigenständig. Die Vitpilen 401 leistet wie ihr Schwestermodell 44 PS und zeigt ein superbes Handling. 5999 Euro ruft Husqvarna für seinen modernen Cafe Racer auf.

(Bild: Kawasaki)

399 cm3, 33 kW, lieferbar ab August

Sie ist wieder da! Nach einem Jahr Abwesenheit kehrt die Ninja 400 (Test) wieder ins Programm von Kawasaki zurück, diesmal mit der Abgasnorm Euro 5. Der kleine Sportler verbuchte schon immer hohe Sympathiewerte und entpuppte sich stets als problemloser Kurvenwetzer. Der Zweizylinder holt 45 PS aus 399 cm3 – das reicht für viel Vergnügen auf der Landstraße. Die Ninja 400 soll ab August bei den Händlern stehen, der Preis ist noch nicht bekannt.

(Bild: KTM)

373 cm3, 32 kW, 6050 Euro

Die KTM 390 Duke steht seit Jahren auf der Bestsellerliste und das ist kein Zufall. Die quirlige Österreicherin wuselt wie von allein durch Kurven und bereitet enormen Spaß. Ihr Einzylinder steht mit 44 PS gut im Futter und beschleunigt die 163 kg schwere Duke durchaus flott. Dazu gesellt sich ein cooles Design, was vor allem bei jungen Motorradfahrern sehr gut ankommt. Serienmäßig ist ein TFT-Display an Bord und selbst an einstellbare Handhebel hat KTM gedacht. Mit einem Listenpreis von 6050 Euro wird die 390 Duke auch weiterhin zu den Erfolgsmodellen gehören.

(Bild: KTM)

373 cm3, 32 kW, 6995 Euro

KTM hat seine Wurzeln im Offroad-Sport, da war es Ehrensache, dass der 390 Duke auch eine kleine Adventure zur Seite gestellt wird. Sie glänzt mit längeren Federwegen, einer kleinen Verkleidung und Windschild. Die Federelemente sind in der Dämpfung einstellbar und auch Kurven-ABS ist in der Preisklasse keine Selbstverständlichkeit. Sie bringt rund 170 kg auf die Waage. Dem Abenteurer mit schmalem Geldbeutel kommt die 390 Adventure (Test) für 6995 Euro gerade recht.

(Bild: Mash)

644 cm3, 29 kW, 6386 Euro

Die Mash X-Ride 650 erinnert mit dem weiß lackierten Tank und den goldenen Felgen nicht zufällig an die legendäre Yamaha XT 500. Mash ist eine noch junge, französische Firma und lässt seine Modelle in China fertigen. Der luftgekühlte, 644 cm3 große Einzylindermotor stammt von Shineray und ist ein exakter Nachbau des Honda-Dominator-Motors von 1988. Er passt aber zum Retro-Design der X-Ride 650 (Test), und wenn man von ein paar nicht ganz so toll verarbeiteten Details absieht, ist die 6386 Euro teure Mash ein interessantes Angebot.

(Bild: Royal Enfield)

411 cm3, 18 kW, 5190 Euro

Man mag bei einer fast 200 kg schweren Reiseenduro über 24 PS aus einem luftgekühlten, 411 cm3 großen Einzylinder lächeln. Fakt ist aber, dass die Royal Enfield Himalayan ihren Fahrer stets zuverlässig ans Ziel trägt und auch vor üblen Schotterpisten nicht zurückschreckt. Sie bietet erstaunlich guten Komfort und zudem ist sie mit einer Sitzhöhe von 800 mm auch für eher Kleingewachsene geeignet. Die Himalayan (Test) gibt es bereits ab 5190 Euro.

(Bild: Royal Enfield)

648 cm3, 35 kW, 7090 Euro

Der indische Hersteller Royal Enfield nimmt seit geraumer Zeit auch den europäischen Markt ins Visier. Die Interceptor INT 650 hat einen Zweizylindermotor mit 648 cm3 Hubraum und leistet 48 PS. Zwar muss sie 217 kg beschleunigen, aber wer nicht auf Zeitenjagd geht, wird das Retro-Bike mögen. Sie ist ein Bike zum Cruisen und Genießen, einzig die Sitzbank dürfte besser gepolstert sein. Für 7090 Euro ist sie zu haben.

(Bild: Voge)

471 cm3, 35 kW, 6199 Euro

Der chinesische Loncin-Konzern möchte sich mit seinem Label Voge in Europa etablieren. Die 500 AC ist optisch gelungen, mit einem kurzen Heck, LED-Sheinwerfer und eher knappen Flächen, nur der Endschalldämpfer geriet etwas extravagant. Der rundliche Tank bunkert 19 Liter Benzin und verschafft der Voge ordentlich Reichweite. Ihr flüssigkeitsgekühlter Reihenzweizylinder ist 471 cm3 groß und leistet 48 PS. Die Voge 500 AC gibt es für 6199 Euro.

(Bild: Yamaha)

321 cm3, 31 kW, 6249 Euro

Die Yamaha MT-03 hat mit ihrem 321 cm3 großen Zweizylinder zwar einen kleinen Hubraumteilnachteil gegenüber einigen Konkurrenten, aber für 168 kg Leergewicht reichen die 42 PS aus, allerdings muss der Motor dafür gedreht werden. Ihr großer Vorteil ist das spielerische Handling, die Yamaha lässt sich wie ein Fahrrad durch Kehren scheuchen. Außerdem entpuppt sich das Naked Bike als sehr sparsam im Verbrauch. Yamaha erwartet 6249 Euro für den kleinen Flitzer (Test).

(mfz)