Das nördlichste Passivhaus der Welt

Auch in kälteren Gebieten lassen sich energiesparende Behausungen bauen, wie ein Beispiel aus Skandinavien zeigt.

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  • Hanns-J. Neubert

Auch in kälteren Gebieten lassen sich energiesparende Behausungen bauen, wie ein Beispiel aus Skandinavien zeigt.

Im schwedischen Kiruna, 140 Kilometer nördlich des Polarkreises, entsteht gerade das nördlichste Passivhaus der Welt. Anfang September soll das Doppelhaus fertig sein. Eine echte Herausforderung in einem fast arktischen Klima, wo ein halbes Jahr lang keine Sonne scheint, die Temperaturen im Winter auf minus 30 Grad fallen, im Sommer aber auch plus 30 Grad erreichen.

Weil die Stadt einer riesigen Eisenerzmine weichen muss, wollen die Stadtverwaltung, deren Technikamt und der Baukonzern NCC mit dem Musterhaus ein Beispiel geben: Das neue Kiruna soll klimafreundlich werden. Da viele Familien aus dem zerfallenden Zentrum sowieso neue Häuser errichten müssen, soll das Passivhaus sie animieren, von vornherein energieeffizient zu bauen.

Die schwedischen Richtlinien für Passivhäuser sind teilweise noch strenger als die deutschen. Während der Primärenergieverbrauch hierzulande 120 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter und Jahr nicht übersteigen darf, liegt die Grenze in Nordschweden bei 68 kWh. Das Musterhaus soll sogar nur mit 52 kWh auskommen.

Körperwärme der Bewohner und Abwärme aus Haushaltsgeräten und Duschen werden den Löwenanteil zur Raumwärme beisteuern. Im harten Winter aber reicht das nicht. Die Stadt setzt daher zusätzlich auf Fernwärme, die auch Waschmaschinen und Geschirrspüler beheizen soll.

Als Quelle dient neben der Energie aus der Müllverbrennung vor allem Industrieabwärme – etwa aus der Erdwärme der 1350 Meter tiefen Erzmine. Im Sommer aber, wenn die Sonne 24 Stunden auf die geplanten 14 Quadratmeter Solarzellen pro Haushälfte strahlt, dürfte der Strom sogar noch für den Betrieb von Elektrofahrzeugen reichen. (bsc)