Der GLA mit Elektroantrieb: Elektrisches Kompakt-SUV Mercedes EQA 250

Der Mercedes EQA hatte einen langen Vorlauf, nun folgt endlich das Serienmodell. Es basiert – wenig überraschend – auf dem erfolgreichen GLA.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 450 Beiträge
Mercedes EQA

Der EQA unterscheidet sich äußerlich nur in Details vom konventionell angetriebenen GLA.

(Bild: Mercedes)

Von
  • Clemens Gleich

Mercedes-Benz stellt den EQA vor, ein elektrisches Kompakt-SUV. Außer der hohen Nachfrage nach solchen Autos gibt es noch einen weiteren Grund für die Bauform: Es ist bei einem ohnehin schon hohen Aufbau einfacher, Platz für die Batterie zu finden. Wie der EQC 400 (Test) vom GLC abstammt, teilt sich der EQA die Plattform mit dem GLA. Die Ingenieursarbeit dieses Autos in Sachen Dämmung und Aero-Effizienz kommt dem EQA zugute: ein cW-Wert von 0,28 hilft, den Mehrverbrauch der größeren SUV-Stirnfläche von 2,47 m² in Grenzen zu halten.

Zusätzlich zur in der Simulation optimierten Aero helfen akustisch entkoppelnde Lager von Motor und Fahrwerk (Abrollgeräusche!), die Kabine leise zu halten. Wolfgang Gomoll von Press-Inform ist einen Vorserienwagen des EQA bereits gefahren und berichtet von einer "selbst für ein Elektromobil beeindruckenden" Stille während der Fahrt.

Die erste Variante "EQA 250 Edition 1" für ab 47.541 Euro kommt mit 66,5 kWh nutzbarer Batteriekapazität, was für 426 km WLTP-Reichweite genügen soll. [Korrektur] Die Bruttokapazität liegt wahrscheinlich im Bereich 70 kWh. Die Maximalspannung beträgt 420 V, die Nennkapazität 190 Ah. [/Korrektur] Im kombinierten WLTP-Verbrauch sollen es 17,7 kWh/100 km sein. Die veralteten NEFZ-Werte zur Vergleichbarkeit: 486 km und 15,7 kWh/100 km. Aus der Erfahrung extrapoliert: Wahrscheinlich schafft der EQA Autobahn-Etappen mit maximal 130 km/h von 250 bis 300 km auf Zielspannungen an der Ladesäule von 10+ Prozent State of Charge (SoC).

Mercedes EQA 250 – außen (14 Bilder)

Die Edition 1 in "digitalweiß" mit viel Bling.
(Bild: Daimler)

Wie üblich hilft ein Eco-Assistent, die größte Reichweite herauszuholen. Eine Wärmepumpe gehört zur Serienausstattung. Sie kann unter anderem die Abwärme des Motors als Wärmequelle nutzen. Wie bei Hyundais E-GMP oder Porsche sorgt eine gekühlte/beheizte Schottplatte unter den Batteriezellen für Temperierung und thermische Isolation. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h. Der EQA 250 hat Frontantrieb mit 140 kW maximaler Boost-Leistung und 375 Nm Maximaldrehmoment aus einem Asynchronmotor. Eine Allrad-Variante mit über 200 kW Boost-Leistung ist in Planung.

Im Innenraum bietet der EQA die in der Edition 1 serienmäßige, große Ausbaustufe des MBUX, wie sie schon aus der aktuellen A-Klasse bekannt ist: zwei Breitbildschirme hinter einer durchgängigen Glasscheibe als Tacho- und Infotainment-Anzeige; klassenbeste Sprachbedienung. Gnade der späteren Geburt: Das Navi des EQA enthält eine dynamische, adaptive Ladeplanung in der Routenplanung. Das System bezieht dabei außer Topografie und aktuelle Fahrdaten auch Verkehr und Wetter in die Planung ein. Wie bei Tesla soll das Navi dabei Tipps geben à la "wenn du dein Ziel ohne Zwischenladen erreichen willst, musst du jetzt 110 km/h fahren".

Mercedes EQA 250 – innen (16 Bilder)

MBUX serienmäßig in der ersten, in der A-Klasse vorgestellten Version: zwei breite Bildschirme nebeneinander unter einer Glasscheibe.
(Bild: Daimler)

Als Ladedienst bietet sich Neukunden Mercedes "Me Charge" an, das Strom von Ionity-Säulen auf 29 Cent/kWh subventioniert. Die optimale DC-Ladezeit von 10 bis 80 Prozent SoC liegt bei 30 Minuten, die maximale Ladeleistung bei 100 kW. Die technischen Unterlagen lassen auf eine maximal mögliche Ladeleistung von 120 kW schließen – vielleicht als kurze Leistungsspitze, die Daimler nicht als Ladeleistung angeben wollte, um Verwirrung oder Enttäuschung zu vermeiden.

Bei aktivierter Zielführung mit Ladeplanung temperiert das Batteriemanagementsystem (BMS) den Akku vor, damit er schnell geladen werden kann, siehe Porsche, siehe Tesla. Obendrein hat Mercedes jedoch auch eine Lösung für Schnellladestopps ohne Routenplanung: Das BMS heizt mit Ladesäulenstrom den Akku auf, damit der Ladestopp insgesamt schneller wird. Beide Strategien haben einen erheblichen Einfluss auf die Praxis-Ladeleistung im Winter. Fürs AC-Laden hat der EQA serienmäßig einen Dreiphasenlader mit 11 kW Leistung.

Mercedes EQA 250 – die Maße (8 Bilder)

Auch dieser Mercedes wurde recht breit. Zum Vergleich: Der aktuelle Porsche 911 ist nur 3 mm breiter (beide ohne Spiegel).
(Bild: Daimler)

Mercedes-typisch gibt es eine umfassende Sicherheitsausstattung, aktiv wie passiv, mit vielen Neuheiten anderer Modelle wie etwa automatische Bildung einer Rettungsgasse beim Staupiloten. Die Batterie enthält eine ganze Menge Sicherheitstechnik mit frühzeitiger Abschaltung/Trennung, Räumschild vorne und Crash-Rahmen außen herum.

Erfreulich: Daimler verkauft als Option eine elektrisch ausklappbare Anhängerkupplung für den EQA 250, immerhin für 750 kg Anhängelast und Freigabe für einen Fahrradträger. Die kommenden Allrad-Varianten sollen "noch mehr" Anhängelast bieten. Zusätzlich hilft ein Anhänger-ESP-Programm der Sicherheit.

Die kommenden Allrad-Modelle erhalten zusätzlich zur Asynchronmaschine der Vorderachse einen permanenterregten Synchronmotor in der hinteren E-Achse. Der spart Bauraum und erhöht die Effizienz. Ziel ist es beim Allradler dann, zwecks optimierter Verbräuche bevorzugt die Hinterachse anzutreiben und vorne mitzuschleppen.

(cgl)