Der Gaskrieg

Wenn es nach der US-Energiewirtschaft geht, soll das in Amerika gewonnene billige Schiefergas bald auch nach Europa exportiert werden, um russisches Gas abzulösen.

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Wenn es nach der US-Energiewirtschaft geht, soll das in Amerika gewonnene billige Schiefergas bald auch nach Europa exportiert werden, um russisches Gas abzulösen.

Die Krise auf der Krim hat Auswirkungen auf die Energiepolitik. In den USA werden Forderungen nach einer verstärkten Erdgas-Produktion lauter, um auch Europa zu beliefern. Dazu müssten möglichst schnell neue Anlagen zur Verflüssigung genehmigt und gebaut werden, damit der Energieträger in Form des sogenannten Liquified Natural Gas (LNG) auf Tanker verladen werden kann. Dann, so die Idee, ließe sich die Abhängigkeit der Europäer von russischem Gas reduzieren – und Russland würde als Nebeneffekt an Macht einbüßen.

Allerdings zeigen schon die nackten Zahlen, dass dies eine eher naive Ansicht ist. Russland dominiert den europäischen Gasmarkt und egal wie schnell die Zulassung der LNG-Anlagen in den USA auch erfolgt – es wird mehrere Jahre dauern und Milliarden Dollar kosten bis Amerika eine Chance hätte Russland einzuholen.

Das Land lieferte 2012 rund 34 Prozent des gesamten aus Nicht-EU-Ländern in die EU importierten Erdgases. Verschiedene Länder wie Bulgarien, Litauen oder die Tschechische Republik hängen gar mit über 80 Prozent am russischen Gastropf. Und 80 Prozent des gesamten Erdgases kommt über Pipelines nach Europa, nur der Rest in Form von LNG.

Vor dem Export nach Europa müsste das US-Gas, das mittlerweile zunehmend aus kostengünstigen Schieferlagerstätten stammt und per Fracking aus dem Boden geholt wird, wie erwähnt zuerst verflüssigt werden. Der Prozess, bei dem der Energieträger stark heruntergekühlt wird, ist kostspielig.

Momentan existiert nur ein funktionsfähiges LNG-Exportterminal in den USA. Es sitzt in Alaska, wo Gas verflüssigt wird, bevor es nach Japan geht. Nur eine geringe Menge LNG geht bereits nach Europa – 2012 waren es 0,1 Milliarden Kubikmeter.

Firmen, die LNG exportieren wollen, müssen vom US-Energieministerium und der Federal Energy Regulatory Commission erst eine Genehmigung erhalten. Will man an Länder verkaufen, die kein Freihandelsabkommen mit den USA haben, wie dies bei vielen europäischen Ländern der Fall ist, dauert das Verfahren noch länger.

Bereits genehmigt wurden fünf verschiedene Verflüssigungsanlagen, die zusammen 240 Millionen Kubikmeter pro Tag exportieren könnten. Doch nur eine davon, am Golf von Mexiko, befindet sich tatsächlich im Bau. Die Firma dahinter will bis 2015 rund 78 Millionen Kubikmeter pro Tag verschiffen. Das hilft aber wenig, um mit den gigantischen russischen Gasexporten per Pipeline zu konkurrieren – hier gingen Anfang März an einem Tag 505 Millionen Kubikmeter durch die Leitungen.

25 weitere Anträge auf LNG-Anlagen befinden sich derzeit im Genehmigungsverfahren. Sollten alle durchgewunken und tatsächlich gebaut werden, würde die US-Exportkapazität auf fast 850 Millionen Kubikmeter pro Tag steigen. Doch eine Zulassung bedingt nicht zwingend auch den Bau, denn der muss sich lohnen.

Acht der vorgeschlagenen Projekte sollen bestehende LNG-Importterminals – in den USA gibt es derzeit 12 – mit einer Verflüssigung zum Export kombinieren. Jede dieser Anlagen dürfte zwischen 6 und 10 Milliarden Dollar kosten. Die restlichen Vorhaben sehen ganz neue Terminals vor, die bis zu 20 Milliarden pro Stück verschlingen könnten. ()