Der Hype um die Chatbots

Facebook, Google und zahlreiche Start-ups drücken die Textroboter mit Macht in den Markt. Doch sind sie wirklich sinnvoll nutzbar?

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Von
  • Jamie Condliffe

Als Facebook auf seiner Entwicklerkonferenz f8 im Frühjahr die Entwicklung einer Chatbot-Plattform ankündigte, waren Medien und die Internetwelt ganz aus dem Häuschen: Eine Armee automatisierter Textassistenten sollte uns künftig helfen, Alltagsprobleme zu lösen – von der Beantwortung einer Wissensfrage über die Reisebuchung bis hin zur Onlinebestellung. Ziel sei es, so Facebook damals, dass die Menschheit einfacher mit Unternehmen kommunizieren könne.

Noch wurden die vollmundigen Versprechungen allerdings nicht eingelöst. Doch der Hype hält an – und auch die Zahl der Nutzer solcher Chatbots wächst. Das Team hinter der Facebook-Plattform ist mittlerweile aber vorsichtiger und versucht, Erwartungen zu dämpfen. Mitte September sagte David Marcus, Chef der Facebook-Messenger-App, auf der die Chatbots basieren, das Thema sei "wirklich sehr, sehr schnell overhypt" worden. Die Software, die bereits existiert, arbeite noch nicht so, wie er sich das erhofft habe.

Aus Entwicklersicht geht der Boom unterdessen unvermittelt weiter. Laut Zahlen der Citigroup war das Wachstum der auf Facebooks Messenger-Plattform verfügbaren Bots ungefähr 70 Prozent höher als das Wachstum der iPhone-Apps zum Start von Apples App Store. (Der ist allerdings schon acht Jahre her.)

Doch das ist nicht die einzige Parallele zwischen Bots und App-Hype. Laut der "Financial Times" glaubt Phil Libin, Chef des Softwareproduzenten Evernote, dass wir uns in einer Periode befinden, in der Bots kaum mehr darstellen als "Gimmicks". Ähnlich sah es auch beim iPhone mit den ersten Apps im Jahr 2008 aus.

Glücklicherweise dürften Chatbots in den kommenden Jahren immer smarter und nützlicher werden – wenn auch langsam. So können die Automaten in manchen Märkten beispielsweise Geld versenden und entgegennehmen. Und beim Schnellrestaurant Domino's in den USA kann man bereits Pizzen bestellen.

Die einstigen Macher hinter Apples Sprachassistentin Siri werkeln unterdessen an Systemen, mit denen sich die Stimmung eines Benutzers erkennen lassen soll. Mittels maschinellem Lernen kann das System beispielsweise feststellen, wenn der Nutzer etwas nicht in seiner Gänze versteht, und mit ihm verständnisvoller umgehen. Auch das automatische Umschalten der Sprache soll möglich werden. (bsc)