Der Kampf gegen Ebola wird schwierig

Noch gibt es keine ausreichend wirksamen Methoden, die in Westafrika um sich greifende Epidemie zu stoppen. Doch es gibt Hoffnung aus der Forschung.

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Von
  • Alexandra Morris

Noch gibt es keine ausreichend wirksamen Methoden, die in Westafrika um sich greifende Epidemie zu stoppen. Doch es gibt Hoffnung aus der Forschung.

Mit Stand von letzter Woche lag die Mortalität des Ebola-Ausbruchs in Liberia, Sierra Leone und Nigeria bei 88 Prozent unter den mehr als 1000 bestätigten Fällen. Das ist ein schlimmer Wert. Zwar befinden sich bereits einige Ansätze in Entwicklung, die die Ausbreitung des Virus stoppen könnten. Doch die breite Anwendung wird nicht einfach, sagen Forscher.

Die Symptome von Ebola sind anfangs harmlos: Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen. Später kommt es zu Erbrechen und Durchfall und es treten innere wie äußere Blutungen auf und Organe werden in Mitleidenschaft gezogen, was häufig zum Tod führt.

In den USA und anderen westlichen Ländern gibt es derzeit kein einziges von der Gesundheitsaufsicht zugelassenes Medikament. Stattdessen werden Patienten normalerweise nur mit "unterstützender Pflege" bedacht. Ärzte und Schwestern sorgten dafür, dass der Flüssigkeitshaushalt weiter funktioniere, überwachten den Blutdruck, geben Infusionen und stützten wenn nötig Nieren- und Lungenfunktion, erklärt die Epidemiologin Nahid Bhadelia vom Boston Medical Center. Die Direktorin des Bereiches Infektionsbekämpfung am US-National Emerging Infectious Diseases Lab wird in diesem Monat zusammen mit einem Team von Kollegen nach Sierra Leone reisen.

Ebola betraf seit seiner Entdeckung in den 70er Jahren bislang nur eine relativ kleine Population in Afrika. Aus diesem Grund gab es kaum Anreize für die Pharmafirmen, Therapien oder Impfstoffe zu entwickeln. Eine Behandlungsform, die im Tierversuch vielversprechend ist, nennt sich ZMapp – eine Kombination aus zwei monoklonalen Antikörpern, die in Tabakpflanzen hergestellt werden können. Der Entwickler Mapp Biopharmaceuticals in San Diego hat aber noch keine Versuche am Menschen durchführen können.

Die Antikörper ähneln denen, die der Körper natürlicherweise als Immunantwort produziert. Doch diese Abwehr wird vom Ebola-Virus normalerweise ausgeschaltet. Die monoklonalen Antikörper binden sich daher an einen Teil des Virus an und lösen dann doch die gewünschte Immunantwort aus. Dadurch werden die Viruspartikel im Körper neutralisiert, um weiteren Schaden zu vermeiden. Die Organisation Samaritan's Purse, bei der auch einer der beiden amerikanischen Ebola-Patienten angestellt war, gibt zudem an, dass diese in Afrika mit einem experimentellen Serum behandelt wurden.

Verschiedene Impfstoffkandidaten befinden sich parallel in Entwicklung, darunter einer, der am Impfzentrum des National Institute for Allergy and Infectious Diseases erfolgreich an Affen getestet wurde. Im Herbst soll es erste klinische Studien am Menschen geben. Der Impfstoff funktioniert, indem zwei Ebola-Gene in eine Zelle eingesetzt werden, die wiederum eine Immunantwort provoziert. Künftig erkennt der Körper das Virus dann und bekämpft es – zumindest in der Theorie.

Doch selbst wenn die Entwicklung wie erhofft verläuft und der Impfstoff zugelassen wird – es ist unklar, wer überhaupt geimpft werden sollte. "Das wird nicht ganz Afrika sein", sagt Stephen Calderwood, Chef der Abteilung für Infektionskrankheiten am Massachusetts General Hospital. Der Impfstoff werde als Antwort auf einen spezifischen Ausbruch in einer spezifischen Population verwendet, die ein hohes Risiko habe. Dazu zählten auch Pflegekräfte. Es gibt Berichte, wonach Patienten in Westafrika kein oder zu wenig Vertrauen in Ärzte aus dem Westen haben – entsprechend könnten heimische Helfer verstärkt geimpft werden.

Ebola lässt sich schwer erforschen, weil es nur sporadisch in kleinen Menschengruppen ausbricht – ganz anders als etwa Malaria oder HIV. Tiermodelle helfen bei der Untersuchung und legen erste Lösungsmodelle für das Rätsel nahe, warum manche Patienten die Infektion überstehen. Beispielsweise gibt es Unterschiede in der Körperreaktion bei Affen, die Ebola überleben und solchen, die an der Erkrankung sterben. In letzterer Gruppe komme eine hohe Anzahl von Immunzellen aus der Klasse der Neutrophilen vor, sagt John Connor, Juniorprofessor für Mikrobiologie an der Boston University of Medicine. "Ich würde sagen, wir befinden uns gerade Mitten in der Fragestellung, wie relevant das ist und warum es passiert." (bsc)