Der allwissende Chip

Das Halbleiterunternehmen Broadcom hat einen neuartigen Geo-Prozessor entwickelt, der Ortsinformationen besonders genau auswerten können soll.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 4 Beiträge
Von
  • Christopher Mims

Das Halbleiterunternehmen Broadcom hat einen neuartigen Geo-Prozessor entwickelt, der Ortsinformationen besonders genau auswerten können soll.

Die Geodatenerfassung wird immer präziser. Bestimmten ältere GPS-Empfänger in Fahrzeugnavigationssystemen die Position eines Autos mit Glück und gutem Empfang auf zehn Meter genau, soll der neue Smartphone-Geo-Chip 4752 des US-Halbleiterkonzerns Broadcom die Position eines mobilen Geräts auf Zentimeter ermitteln können. Die Genauigkeit ergibt sich aus der großen Anzahl von Sensoren, die der Prozessor gleichzeitig auswerten kann.

Neben Standardmethoden wie der Erfassung des GPS-Signals und der Triangulation von Mobilfunktürmen in der Umgebung nutzt der 4752 auch noch Daten von Kreiselinstrumenten, Beschleunigungssensoren, Schrittzählern und Höhenmessern. Die Ortserfassung soll damit sowohl in Innenräumen als auch in freier Natur funktionieren. Die Verbreiterung der Datengrundlage sei dringend notwendig, um eine zuverlässige Navigation in Bereichen zu ermöglichen, in die GPS-Signale nicht durchdringen, heißt es von Broadcom.

Theoretisch könnte der neue Chip sogar ermitteln, auf welchem Stockwerk man sich befindet – dazu wertet er Mini-Barometer aus, die zunehmend auch in Smartphones stecken. Wenn das alles so funktioniert, wie der Chipkonzern es sich vorstellt, lässt sich ein Konzept der "Überall-Navigation" umsetzen. Dabei ist vorstellbar, dass der Server eines Ladenbetreibers sofort weiß, wenn ein Kunde sein Geschäft betritt und sich ein bestimmtes Produkt ansieht – für die Preisgabe solcher Daten könnte dann beispielsweise mit einem Rabattgutschein "bezahlt" werden.

Broadcom ist schon jetzt der größte Hersteller von GPS-Chips für Smartphone-Anbieter. Der 4752 funktioniert allerdings nur so genau wie beworben, wenn verlässliche Sensoren mit im Handy sitzen – entsprechend hängen die Möglichkeiten sehr vom Gerätetyp ab. Broadcom will mit dem Prozessor auch erstmals eine integrierte Triangulation über WLAN-Basisstationen anbieten. Dazu führt Broadcom eine eigene Datenbank, erlaubt Geräteherstellern aber auch, ihre eigene zu nutzen.

Ted Morgan, Chef von Skyhook, einer Firma, die eine rein Software-basierte Lösung für die WLAN-Triangulation offeriert, ist von der Idee wenig beeindruckt. Es werde dauern, bis Broadcom bei der Innenraumnavigation aufholt. "Die Firma redet heute über das, was wir schon seit sieben oder acht Jahren machen. Da gibt es noch jede Menge Probleme", meint Morgan. Dazu gehört das Batteriemanagement ebenso wie das Herausrechnen mobiler WLAN-Hotspots ("Mifi"), von denen es immer mehr gibt. "Broadcom hat da noch nie ein größeres Projekt durchgeführt."

Scott Pomerantz, Vizepräsident für GPS-Technik bei Broadcom, ist da naturgemäß optimistischer. "Die großen mobilen Betriebssysteme haben alle bereits ihre eigene Strategie, die sie einsetzen." Der größte Broadcom-Kunde, Apple, habe früher Skyhook genutzt und verwende für sein iPhone nun seine eigene Datenbank. Da sei nun auch Platz für Broadcom.

Der 4752 setzt zusätzlich auf eine neue Datenquelle, die bislang noch kein Smartphone-Geo-Chip anzapft: sogenannte Bluetooth-Beacon-Signale. Der Kurzstreckenfunk Bluetooth wird normalerweise verwendet, um Headsets, Tastaturen und andere Peripheriegeräte drahtlos anzubinden, lässt sich aber auch zur Ortsbestimmung nutzen, wie dies bereits mit WLAN-Basisstationen geschieht. Dabei ist die Technik vergleichsweise günstig.

"Eine Verwendungsmöglichkeit für Bluetooth-Beacons wären beispielsweise Einkaufszentren", sagt Broadcam-Manager Pomerantz. "Man könnte die Stationen alle 90 Meter aufstellen. Das würde ausreichen, um eine sehr genaue Innenraumnavigation zu ermöglichen. Die Leute könnten dann beispielsweise sehr genaue Informationen zu Sonderangeboten erhalten." Die Dichte dieser Sensoren erlaubt eine immer genauere Navigation, heißt es von Broadcom. "Da kann ein Laden dem Kunden nicht nur sagen, wo er gerade die Bananen findet, sondern wo das Regal mit einer bestimmten Marke ist." (bsc)