Deutschland als leuchtendes Vorbild im Solarmarkt

Eine US-Untersuchung zeigt, dass amerikanische Unternehmen deutlich ineffizienter bei der Montage von Photovoltaik sind.

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  • Kevin Bullis

Eine US-Untersuchung zeigt, dass amerikanische Unternehmen deutlich ineffizienter bei der Montage von Photovoltaik sind.

Eine neue Studie des Lawrence Berkeley National Laboratory hat den US-Solarmarkt mit dem deutschen verglichen. Ergebnis: Die Amerikaner sind viel zu teuer – und könnten von Deutschland lernen, wie man Solaranlagen kostengünstig installiert. In den USA sind Photovoltaik-Anlagen pro installiertem Watt drei Dollar teurer als in Deutschland. Das Lawrence Berkeley National Laboratory (LBNL) hat untersucht, warum das so ist. An den Modulen selbst liegt es jedenfalls nicht: 2011 kosteten sie mit rund 1,80 Dollar pro Watt in beiden Ländern etwa gleich viel. Allerdings fallen in Deutschland nur noch weitere 1,20 Dollar pro Watt für die Installation an. In den USA sind es 4,36 Dollar – mehr als dreimal so viel.

Für die LBNL-Forscher liegt das nur zum Teil daran, dass in Deutschland fünfmal so viel photovoltaische Leistung installiert ist wie in den USA und der Markt entsprechend weiter fortgeschritten ist. Etwa die Hälfte der amerikanischen Mehrkosten führen sie auf andere Faktoren zurück. Einer der größten Unterschiede bestehe in den Ausgaben für die Kundenakquise. Während Solarfirmen in Deutschland pro Watt rund sieben US-Cent für Marketing ausgeben, wenden US-Firmen das Zehnfache auf. Genehmigungen und Netzanschlüsse schlagen in Deutschland mit drei US-Cent pro Watt zu Buche – in den USA sind es 20 US-Cent.

Schuld seien umständlichere Genehmigungsprozeduren in den Staaten sowie die Tatsache, dass Solarfirmen dort Gebühren für eine Genehmigung zahlen müssten, so die LBNL-Studie. Weiterer Kostentreiber in den USA: höhere Arbeitskosten während des Aufbaus und eine höhere Umsatzsteuer. Weil die Skalen-effekte in der amerikanischen Solarbranche noch nicht so groß sind wie in Deutschland, wirken sich ihre Verwaltungskosten noch stärker auf den Endpreis aus.

Damit nicht genug, müssen Solarbetreiber auch noch mehr Geld für die Wechselrichter ausgeben, die den Gleichstrom der Solarzellen in netzkompatiblen Wechselstrom umwandeln. Nimmt man all diese Kostenfaktoren zusammen, bleibt aber immer noch eine Preisdifferenz von 1,30 Dollar pro Watt, welche die LBNL-Forscher nicht recht erklären können. Sie vermuten, dass US-Solarfirmen schlicht einen höheren Profit einstreichen als deutsche.

Das US-Energieministerium hat bereits Maßnahmen ergriffen, um die Kosten zu senken. Eine ist die SunShot-Initiative, die sich alle Kosten jenseits der Solar-Hardware vorknöpft. Zwölf Millionen Dollar sind allein für den Bürokratieabbau vorgesehen. Das Ministerium hat auch einen Preis über zehn Millionen Dollar für die Firma ausgelobt, der es zuerst gelingt, ihre Nicht-Hardwarekosten unter einen Dollar pro Watt zu drücken. Im Dezember setzte es dann noch ein 21 Millionen Dollar schweres Förderprogramm an, um ein "Plug-and-Play"-System für Solarmodule zu entwickeln.

Ryan Wiser, eine der Autoren der LBNL-Studie, ist sich sicher, dass die Amerikaner eine Menge vom deutschen Solarmarkt lernen können: "Es wird substanzielle Verbesserungen geben, selbst wenn wir nur das Vorgehen in Deutschland kopieren." (bsc)