Deutschland ist Spitze bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen

Gute Nachrichten von der Digitalisierungsfront: Bei der digitalen Wettbewerbsfähigkeit im Gesundheitssektor liegt Deutschland knapp hinter den USA auf Rang 2.

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(Bild: Photo by National Cancer Institute on Unsplash)

Von
  • Bernd Müller

Die Bundesrepublik ist zudem weit vor Ländern wie der Schweiz, Frankreich oder Großbritannien platziert. Zu diesem Ergebnis kommt der Report „Healthcare Movers 2020“. Für diese Mammutstudie hat die Schweizer Strategieberatung ConCeplus in Kooperation mit den Healthcare Shapers, einem Netzwerk von Beratern in der Gesundheitswirtschaft, mehr als 2000 Unternehmen in Deutschland sowie 7800 weltweit unter die Lupe genommen. „Knapp ein Drittel der einheimischen Akteure sind Healthcare Movers“, lobt Beatus Hofrichter, Geschäftsführer von ConCeplus und Autor der Studie. Die Avantgarde unter diesen Unternehmen sorge für die deutsche Spitzenposition im internationalen Wettbewerb.

Healthcare Movers sind laut Definition der Autoren besonders innovative Unternehmen, die Daten entlang der Versorgungskette im Gesundheitswesen erheben und nutzen, diese mit innovativen Technologien wie KI und maschinellem Lernen verarbeiten und zusammen mit agilen Geschäftsmodellen neue Märkte effizienter erschließen. Erfreulich: Unter den Healthcare Movers finden sich nicht nur die allseits bekannten Pharma- und Medtech-Konzerne, sondern viele junge Unternehmen wie zum Beispiel Ada Health mit seiner gleichnamigen Gesundheits-App oder Innoplexus mit seiner Suchmaschine für klinische Publikationen in der Onkologie.

Viele Healthcare Movers sitzen in Baden-Württemberg, gefolgt von Hessen, und dem Ballungsraum München – dort wo die Pharma-, Biotech- und Medtech-Branche ohnehin stark ist. Ansonsten gibt es viele weiße Flecken auf der Landkarte, aber immer wieder auch Startups, die sich nahe einer Universität ansiedeln, wie in Bielefeld, wo Semalytix seinen Sitz hat.

Wo viel Licht ist, ist auch ein wenig Schatten. So sind deutsche Unternehmen stark bei der Nutzung von Daten aus bildgebenden Großgeräten in der klinischen Anwendung, die in den Wiedervergütungsbereich der Krankenkassen fallen. Nicht so gut sind sie dagegen bei der Verwertung so genannter öffentlicher beziehungsweise mobiler Daten. Damit sind Gesundheitsinformationen aus Smartwatches, Smartphones oder Fitness-Apps gemeint, die bisher in der medizinischen Diagnostik eher eine untergeordnete Rolle spielen.

Beatus Hofrichter fordert eine bessere Durchgängigkeit für solche öffentlichen Daten. „Warum muss der Arzt bei der Aufnahme im Krankenhaus alle Fragen nochmal stellen, wenn ich sie vorher schon in der Ada-App beantwortet habe?“ Auch sieht Hofrichter ungenutzte Chancen bei etablierten Unternehmen. So kommen die besten künstlichen Kniegelenke oder chirugischen Instrumente zwar aus dem schwäbischen Tuttlingen, die seien aber völlig undigital. Interessant wären hier zum Beispiel eingebaute Sensoren, die die Qualität der Implantation, den Heilungsverlauf und den Langzeitverschleiß der Prothese dokumentieren und die Zahl von Zweitoperationen reduzieren.

Die Studie versteht sich nicht bloß als Bestandsaufnahme des Digitalisierungsgrads im Gesundheitswesen, sondern enthält auch Empfehlungen, wo Wirtschaft, Politik und Verbände den Hebel ansetzen müssen, um die sehr gute Ausgangslage in Deutschland nicht zu verspielen. Die Politik, die sonst meist der Buhmann ist, bekommt von Günther Illert, Gründer des Healthcare Shapers Netzwerks, ein Extralob: „Seit Jens Spahn Gesundheitsminister ist, hat sich das Tempo bei der Digitalisierung erhöht.“

Der Report wird am 8. Dezember in einem Online-Event vorgestellt, mit Technology Review als exklusivem Medienpartner. Geplant sind Vorträge von ausgewählten Healthcare Movers, darunter Prof. Martin Hirsch (Philipps-Universität Marburg/Ada Health), Gunjan Bhardwaj (Innoplexus), Michael Diebold (midge medical), Thomas Kleine (Pfizer Deutschland) und anderen. Die Teilnahme ist kostenlos, den Anmeldelink finden Sie hier.

(bsc)