Die Evolution lokaler Netze: So vernetzte sich die c’t-Redaktion

Wann das erste lokale Netzwerk der c’t in Betrieb ging, weiß niemand mehr genau. Zuerst kam das Turnschuhnetz, dann das CheaperNet und irgendwann auch WLAN.

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(Bild: Rudolf A. Blaha)

Von
  • Dusan Zivadinovic
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Verglichen mit den Pioniertagen der Vernetzung sind das heutige verlagsweite WLAN- und Gigabit-Ethernet-Netzwerk fast langweilig: Beide funktionieren dank der vollberuflichen Fürsorge unserer Admin-Kollegen ebenso reibungslos wie die Gigabit-Glasfaseranbindung ans Internet, über die alle Medien unseres Hauses – c’t, heise online, iX, Mac & I, Technology Review, Make und wie sie alle heißen – den Weg in die Öffentlichkeit finden.

Es war schon 1983, im Gründungsjahr der c’t klar, dass eine Netzwerk-Infrastruktur aufgebaut werden musste. Jedoch war damals der Begriff vom Profi-Admin noch nicht einmal gedacht worden. So mussten die ersten drei Redaktionskollegen, Chefredakteur Christian Persson, sein Vertreter Detlef Grell und erster Redakteur Andreas Stiller, das Netzwerk parallel zur redaktionellen Arbeit konzipieren und auch selbst aufbauen.

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Einen gemeinsamen Drucker brauchte man, um Manuskripte auszudrucken und korrekturzulesen, und das Datei-Sharing war erforderlich, um die Beiträge von der damaligen MS-DOS-Plattform auf Macs hinüberzubekommen. Auf den Macs erzeugte die DTP-Abteilung mit der Layout-Software Quark XPress die Druckunterlagen. Es war schnell klar, dass Printer- und Filesharing-Dienste die Arbeit erheblich beschleunigen würden.

Gedacht, getan. So entstand die erste Netzwerkspezifikation namens Turnschuhnetz: Der einzige Drucker der Redaktion thronte auf einem fahrbaren Untersatz in Form eines Teewagens, der bedarfsgemäß von Schreibtisch zu Schreibtisch rollte. Die Manuskriptdateien wurden auf Disketten geschrieben und die einige Meter große Distanz zwischen Redaktion und DTP unter Turnschuheinsatz überwunden. Auf den Macs schnappte sich ein Konverterprogramm die Manuskripte und wandelte die DOS-Umlaute, -Anführungen und -Zeilenumbrüche zu den Mac-Gegenstücken.

Die anfänglich eingesetzten Disketten hatten eine Kapazität von 360 Kilobyte und die maximale Übertragungsgeschwindigkeit des Turnschuhnetzes betrug etwa 6 kByte pro Sekunde. Jedoch schöpften die Redakteure die Kapazität kaum jemals aus, die Manuskripte belegten oft nur wenige kByte auf der Diskette. Fachleute schätzen die effektive Übertragungsgeschwindigkeit auf etwa 0,05 kByte/s. Das änderte sich auch später nicht, als sich die Kapazität der Disketten verdoppelte.

Die Ablösung des Turnschuhnetzes deutete sich an, als sich zur wachsenden Redaktion Ende der 1980er Jahre erste Redakteure mit Mac-Spezialisierung hinzugesellten – mangels Platz bezogen die "Macies" einen Nebenraum im östlichen Gebäudeteil und gründeten selbstironisch ein AppleTalk-Segment namens Ostzone.

Dieses erste Redaktionsnetz nötigte so viel Respekt ab, wie es Spott herausforderte: Mit allenfalls 230,4 kBit/s war AppleTalk nämlich schneckenlangsam. Schon die ersten Generationen der ARCNET- oder Ethernet-Netze erreichten ja Megabit-Niveau. ARCnet brachte es auf maximal 2,5 MBit/s, Ethernet auf bis zu 10 MBit/s.

Am Anfang der Ära der lokalen Netze muss das Wort "Kompatibilität" in den Leitlinien von Apple- und Microsoft-Entwicklern gefehlt haben, jedenfalls konnten Macs von Haus aus nicht mit PCs reden. Dafür war teure Zusatz-Software wie etwa DAVE für MacOS erforderlich.

Aber jeder Mac enthielt den Großteil der Netzwerkhardware ab Werk. Zur tatsächlichen Vernetzung brauchte man nur eine Adapterbox, die Apple in den USA für gerade mal 50 US-Dollar – inflationsbereinigt heute rund 90 Euro – anbot. Für andere Netzwerk-Technik musste man ein Mehrfaches davon berappen. Ein AppleTalk-Segment durfte bis zu 300 Meter lang sein und bis zu 32 Nodes (Macs und Drucker) verbinden. Und Apple zeigte schon damals auch mit AppleTalk, was sich die Firma unter Benutzerkomfort vorstellte: Ein AppleTalk-Netz erforderte Nullkommanull Wartung. Es genügte, das Netzwerkkabel in eine freie Adapterbuchse einzustöpseln. Der Mac erhielt automatisch eine Adresse und war bereit zur Datenübertragung.

Praktische Bedeutung für die Redaktion erlangte Apples hübsche Idee aber nicht. Das Turnschuhnetz wurde erst Ende 1992 abgelöst und zwar durch 10Base2, eine der ersten Ethernet-Generationen.