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Forscher wollen die Meere mit Algen aufforsten

Sargassum-Algen überfluten das Karibische Meer und stürzen den Tourismus in eine Krise. Nun wollen Forscher die Makroalgen als Rohstoffquelle nutzen.

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David Valero will aus der Not eine Tugend machen: Die Algenflut vor der mexikanischen Küste soll zur Rohstoffquelle werden.

(Bild: Tito Herrera)

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Der schicke mexikanische Badeort Puerto Morelos ist noch in Sichtweite, als der Spezial-Katamaran das Seetangfeld erreicht. Es erstreckt sich als riesiger, goldbraunen Fleck bis zum Horizont. Schwefelgeruch schwebt über der dicken Algenmatte. Der Katamaran gehört der Grupo Dakatso, einem Konsortium von fünf Unternehmen, das an einer neuen Technologie zur Sammlung von Meeresalgen arbeitet. Er hat ein breites Förderband am Bug zwischen seinen Rümpfen und zieht damit den frei im Wasser schwimmenden Seetang in große Sammelnetze. Innerhalb weniger Minuten sind die Netze mit je 300 Kilogramm Sargassum-Alge gefüllt.

Seit dem Frühjahr 2018 überflutet diese Seetangart die Karibikküste Mexikos und weiterer 19 Länder. In kleineren Mengen sind die braunen Makroalgen an den karibischen Küsten normal, in den letzten zehn Jahren sind die extremen Blüten jedoch sowohl stärker als auch häufiger geworden. Die Blüte des letzten Jahres gilt als bislang stärkste in der Region. US-Meeresbiologen zufolge handelte es sich sogar um den größten Algenteppich, der jemals beobachtet wurde. Die Braunalgen bedeckten den Atlantik auf einer Länge von 8.850 Kilometern, von der Karibik bis nach Westafrika, berichteten sie im Fachmagazin "Science".

Als eine wichtige Ursache dafür sehen Forscher den Pestizid- und Düngemitteleintrag in die äquatorialen Gewässer zwischen Brasilien und Westafrika. Vor allem die beiden Flüsse Amazonas und Kongo tragen die Substanzen ins Meer. Zusätzlich verstärke der Klimawandel die Blüte, sagt Brigitta van Tussenbroek, Ökologin an der National Autonomous University of Mexico in Puerto Morelos. Steigende Meerestemperaturen helfen den Algen, sich schneller zu vermehren. Die Abholzung des Amazonas-Regenwalds nähre die Blüte zusätzlich – die offenen Böden erhöhen nicht nur den Austrag an Pestiziden und Düngemitteln, sondern tragen selbst massiv zum Klimawandel bei.

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