Die Gefahren der Hitze

Durch den Klimawandel dürfte es häufiger zu extremen Temperaturen kommen. Schon heute sterben bei Hitzewellen mehr Menschen als durch andere Naturkatastrophen. Dabei lassen sich viele Todesfälle leicht verhindern.

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Von
  • James Temple

Hitzewellen zählen zu den Naturkatastrophen mit den meisten Todesopfern weltweit – allein in den USA kommen durch sie mehr Menschen ums Leben als durch Hurrikans, Tornados und Erdbeben zusammen. Und weil vom Menschen gemachter Klimawandel ihre Häufigkeit und Intensität steigen lässt, dürften sie in Zukunft noch gefährlicher werden.

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Was also ist zu tun? Die gute Nachricht lautet, dass sowohl Hitze- als auch Kälte-Phasen relativ gut vorhersagbar sind. Ebenso ist jetzt belegt, dass „Systeme für frühe Maßnahmen Leben rund um die Welt retten können“, wie es in einem Anfang Mai in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters veröffentlichten Bericht heißt.

Durch die Analyse von Modellen für Wettervorhersagen fanden die Forscher heraus, dass fast fünf Milliarden Menschen in Regionen wohnen, in denen sich extreme Temperaturen vorhersagen lassen. Damit besteht zumindest die Möglichkeit, Frühwarnsysteme und Maßnahmen-Pläne einzurichten. Während der Hitzewellen können Helfer Trinkwasser zur Verfügung stellen, Unterkünfte zur Abkühlung aufstellen und nach gefährdeten Bürgern wie insbesondere älteren Personen sehen, heißt es in der Studie.

„Wir sind in der Lage, einen großen Teil des Leidens, der Erkrankungen und der Todesfälle durch Hitze- und Kältewellen weltweit zu verhindern“, sagt Erin Coughlan de Perez, Hauptautorin des Berichts und Leiterin des Teams für Klimawissenschaft am Red Cross Red Crescent Climate Centre. „An vielen Orten müsste es möglich sein, aktiv zu werden und Anpassungen vorzunehmen.“

An der Studie haben auch Forscher der Columbia University, der Universität Amsterdam und weiterer Institutionen mitgewirkt. In welchen der untersuchten Regionen es bereits Warnsysteme oder Reaktionspläne gibt, wurde darin nicht berücksichtigt. „Man kann aber davon ausgehen, dass sie an vielen dieser Orte verbessert werden könnten“, sagt Coughlan de Perez.

Nach eigenem Bekunden ist sie zuversichtlich, dass solche Programme eine große Hilfe sein könnten, unter anderem, weil sie gar nicht teuer sein müssen. Ein großer Teil der Arbeit besteht darin, Wasser zu verteilen und mit Menschen zu kommunizieren, damit sie das Problem ernst nehmen. Sich nicht im Freien aufzuhalten und genug zu trinken, kann schon ausreichen.

Ein großes Problem besteht darin, dass vielen Menschen die Gefahren von hohen Temperaturen nicht richtig bewusst sind. Die direkten und unmittelbaren Folgen können Hitzekrämpfe, Hitzekollapse oder Hitzeschläge sein, die ohne Notfall-Behandlung schnell zum Tod führen können. In vielen Städten nehmen die Sterblichkeitsraten bei Hitzewellen um 5 Prozent zu, heißt es in der Studie. Besonders gefährdet sind Kinder, Senioren und schwangere Frauen. Außerdem kann extreme Hitze Dürren und Waldbrände begünstigen, die globale wirtschaftliche Ungleichheit zunehmen lassen, zu mehr Gewalt führen und die lebenslangen Einkommen verringern.

Doch es gibt offensichtliche Grenzen für das, was sich mit Reaktionsplänen für kurzfristige Ereignisse erreichen lässt. Wenn die globalen Temperaturen in den nächsten Jahren weiter ansteigen, wird es breiter angelegte Veränderungen bei Infrastrukturen und Gewohnheiten geben müssen.

Von einem wachsenden Anteil der Weltbevölkerung wird erwartet, dass er Klimaanlagen installieren lässt, sowohl wegen der steigenden Temperaturen als auch aufgrund der Tatsache, dass sie für mehr Menschen bezahlbar werden. Laut dem UN-Weltklimarat wird die Energienachfrage für Klimaanlagen bis zum Jahr 2100 auf mehr als das 30-Fache ansteigen, was andere Bemühungen zur Verringerung der Emission von Treibhausgasen konterkariert.

Viele Städte werden umfangreiche Anpassungen benötigen. Dazu können hitzeabweisende Baumaterialien, das Pflanzen von mehr Bäumen oder die Einrichtung von öffentlichen Abkühl-Zentren zählen, wie es sie in Boston, Chicago und New York schon gibt.

Ob all das ausreichen wird, ist trotzdem fraglich: Laut einer weiteren aktuellen Studie in Environmental Research Letters werden bis Mitte oder Ende dieses Jahrhunderts Temperaturen und Feuchtigkeit vielerorts Niveaus oberhalb von dem erreichen, was für Menschen tolerabel ist. Für einige Teile der Welt besteht also die Gefahr, dass sie unbewohnbar werden.

(sma)