Die Kosten der Musik

Alben und einzelne Songs genießt man heute vor allem per Streaming. Doch welche Auswirkungen hat das auf das Klima?

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Immer mehr User entscheiden sich für Streaming-Dienste.

(Bild: dpa, Jens Kalaene)

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Dank Internet muss sich heutzutage niemand mehr mit physischen Datenträgern herumschlagen. Sei es nun das Buch (ersetzt durch E-Books), die CD (ersetzt durch Downloads und Streaming) oder der Film (dito): Nahezu jeder gewünschte Inhalt kommt direkt auf unsere PCs, Smartphones oder Tablets. Da nicht mehr notwendig ist, Medien mit Lkw durch die Gegend zu kutschieren, zudem Presswerke und Druckereien mitsamt ihrer komplexen (und energiefressenden) Infrastruktur wegfallen können, müsste man eigentlich davon ausgehen, dass das gut fürs Klima ist und CO2 spart.

Das gilt aber nicht in jedem Fall. Darauf haben nun Forscher der University of Glasgow hingewiesen, die sich die Umwelteinflüsse der immer populärer werdenden Streamingangebote für Musik angesehen haben. Das Team um den Musikwissenschaftler Matt Brennan, das mit Kollegen an der Universität Oslo zusammengearbeitet hat, beschäftigte sich in ihrer Studie mit dem Titel "Die Kosten der Musik" mit den ökonomischen Auswirkungen des modernen Tonträgervertriebs. Musik ist, sind sich die Forscher einig, deutlich günstiger geworden, seitdem man sie im Abo frei Haus erhält.

Sonderlich ökologisch ist das aber nicht. Kyle Devine, Juniorprofessor für Musik in der norwegischen Hauptstadt, meint zwar, dass der Niedergang von CD und Schallplatte den Plastikmüll durch die Musikindustrie reduziert hat. "Aus der Perspektive der CO2-Emissionen hat der Umstieg auf das Streaming zu mit dem Internet verbundenen Geräten jedoch für einen signifikant höheren Ausstoß geführt." Diese Einschätzung bezieht er auf die gesamte Musikgeschichte.

Grund dafür ist die für das Streaming notwendige Infrastruktur – angefangen bei den Servern der Musikfirmen, den Netzbetreibern bis hin zum Endkundengerät. Dazu haben Brennan & Co. errechnet, dass Speicherung und Verarbeitung digitaler Musik "enorme Leistungs- und Energieressourcen" frisst. Dazu haben sie die für die Herstellung von Tonträgern notwendige Kunststoffproduktion in Klimagaseinheiten umgerechnet und mit den Streaminganforderungen verglichen. Ergebnis: Der CO2-Ausstoß liegt deutlich über dem aus früheren Zeiten – und zwar sogar verglichen mit den Boomphasen des Vinyl- und CD-Verkaufs.

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Natürlich kommt es sehr darauf an, wie die Infrastruktur betrieben wird. Nicht jeder Streaminganbieter ist ein Umweltsünder. So betont etwa Apple, dass seine gesamten eigenen Rechenzentren mit erneuerbaren Energieträgern betrieben werden. Allerdings verwendet der Konzern gleichzeitig Dienstleister wie Amazon Web Services oder Microsoft Azure, weil seine eigenen Kapazitäten nicht ausreichen; hier müssen dann gegebenenfalls Ausgleichszertifikate erworben werden. Klar ist vor allem, dass das Streaming, auch wenn es aufgrund seiner immateriellen Anmutung nicht danach aussieht, einen nicht zu vernachlässigenden Klimaeffekt hat. Da hilft nur eines: Mal wieder zur altbackenen CD greifen, die womöglich schon seit Jahren im Hause ist und ihr Klimabudget längst erwirtschaftet hat.

(bsc)