Die Pflanzenlampen kommen

Forscher in Peru haben eine neue Methode entwickelt, mit der sich Energie auf ungewöhnliche Art gewinnen lässt. Das soll Menschen helfen, die im Regenwald leben.

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Von
  • Kenrick Vezina

Forscher in Peru haben eine neue Methode entwickelt, mit der sich Energie auf ungewöhnliche Art gewinnen lässt. Das soll Menschen helfen, die im Regenwald leben.

Ein Wissenschaftlerteam an der Universidad de Ingenieria y Tecnologia (UTEC) in Peru arbeitet an einem Verfahren, mit dem Energie aus Pflanzen und dem Erdbakterium Geobacter generiert wird. Wie sich zeigte, werden beim Zusammentreffen von Nährstoffen aus den Gewächsen mit den Mikroorganismen Elektronen frei, die sich über Elektroden im Boden auffangen lassen. Ein Stromkreislauf transferiert die Energie in eine Standardbatterie.

UTEC arbeitet mit der weltweit agierenden Werbeagentur FCB zusammen, um zehn tragbare Prototypsysteme zu produzieren und sie dann an Häuser im Regenwalddorf Nuevo Saposoa zu verteilen. Jede der Schachteln besteht aus einem Elektrodenstromkreis, der in der Erde steckt, auf der eine einzelne Pflanze wächst. Der Strom wird an eine Batterie abgegeben – die wiederum eine große LED-Lampe antreibt, die an einem beweglichen Arm hängt, der aus der Kiste hervorsteht. In einem Video sieht man die Geräte in Aktion.

Für Nuevo Saposoa und andere Regionen mit schlechter Infrastruktur ist die Idee mehr als nur eine biotechnologische Spielerei. Strom und insbesondere eine funktionierende Beleuchtung werden hier dringend benötigt.

Zwar gibt es in Nuevo Saposoa und Pucallpa in Peru eigentlich ein Stromnetz, doch seit Überschwemmungen im vergangenen Frühjahr ist es beschädigt – defekte Kabel wurden bislang noch nicht repariert. 42 Prozent der Dörfer im Regenwald haben nicht einmal das. Geht die Sonne unter, gibt es kein Licht – außer über ungesunde und gefährliche Petroleumlampen. Für Familien mit kleinen Kindern oder Schüler, die lernen müssen, ist die Situation besonders schlimm.

Am UTEC arbeitet man schon länger an solchen humanitären Innovationen. So wurde dort unter anderem eine Pflanzenzuchtanlage entwickelt, die saubere Feuchtigkeit aus der Luft holt, statt möglicherweise verdrecktes Grundwasser verwenden zu müssen.

Sollte das Pflanzenlampen-Projekt erfolgreich sein, könnte die Technik nicht mehr nur im Regenwald eingesetzt werden. Selbst in Regionen, wo es ein zuverlässiges Stromnetz gibt, sind die Systeme eine interessante Idee. Wer würde sich nicht gerne eine Pflanze auf den Nachttisch stellen, die nicht nur schön aussieht und für gute Luft sorgt, sondern auch die Stromrechnung reduziert?

Die praktischen Eigenschaften von Geobacter werden indes nicht zum ersten Mal ausgenutzt. Die Bakterienart gilt als eine der interessantesten Mikroorganismen im Biotechnologiebereich. 2009 nannte das Magazin "Time" die "elektrische Mikrobe" eine der 50 besten Erfindungen des Jahres. Neuere Studien zeigen, dass das Bakterium zudem elektrisch leitfähig ist und als eine Art biologischer Nanodraht arbeiten könnte, um Strom zu übertragen. Außerdem ist das Wunderbakterium in der Lage, Schadstoffe zu verstoffwechseln, darunter sogar radioaktives Material.

Doch so elegant die Pflanzenlampen auch sind – sie sind eine eher simple Anwendung. Wie viel Strom würde beispielsweise ein ganzer Garten generieren? Und ließen sich die dekontaminierenden Eigenschaften mit der Stromerzeugung kombinieren? Das könnten die peruanischen Forscher als Nächstes ausprobieren. (bsc)