Die Verschlüsselung ist nicht schuld

Die Terroranschläge von Paris entfachen erneut Diskussion um das Thema Verschlüsselung von Kommunikation. Diese jedoch abzuschwächen ist keine Lösung. Ein Kommentar von Tom Simonite.

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  • Tom Simonite

Die Terroranschläge von Paris entfachen erneut Diskussion um das Thema Verschlüsselung von Kommunikation. Diese jedoch abzuschwächen ist keine Lösung. Ein Kommentar von Tom Simonite.

Bisher gibt es keine Details darüber, wie die Attentäter miteinander kommuniziert haben. Trotzdem sehen Medien, Politiker und Sicherheitsexperten aus Europa und den Vereinigten Staaten in den tragischen Ereignisse ein Zeichen dafür, dass Verschlüsselung den Terroristen hilft, sich den Ermittlungsbehörden zu entziehen.

Der CIA-Direktor John Brennan klagte am Montag auf einer Veranstaltung in Washington D.C.: "Es gibt eine Vielzahl an technischen Möglichkeiten am Markt, die es den Geheimdiensten – technisch und juristisch – außerordentlich erschweren, die nötige Einsicht in die Kommunikation zu erhalten."

Es wurden Vermutungen geäußert, dass die Attentäter von Paris das Playstation-Netzwerk von Sony zur Kommunikation genutzt haben, weil es ein sehr hohes Maß an Schutz gegen Mitlauscher bietet. Diese Vermutungen basierten auf falschen Tatsachen. Es hat sich nicht bestätigt, dass bei den Hausdurchsuchungen in Frankreich und Belgien am Wochenende Playstations beschlagnahmt wurden. (Belgiens Innenminister sprach in der letzten Woche zwar davon, dass es für die Geheimdienste "sehr, schwer schwierig" sei, die Kommunikation zwischen Playstation-Konsolen zu entschlüsseln, führte diese Behauptung jedoch nicht weiter aus.)

Viele Sicherheits- und Verschlüsselungsexperten schütteln darüber ihre Köpfe. Schon seit mehr als einem Jahr kursieren Aussagen, dass Verschlüsselung die Geheimdienste und Polizeibehörden behindern würde. Sie werden jedoch nie mit belastbaren Beweisen unterfüttert.

Verschlüsslung ist allgegenwärtig. Wir nutzen die Technik täglich, und sie schützt uns und unsere Kommunikation. Wenn nun bestimmte Firmen auf Druck von Regierungen ihre Verschlüsselung schwächen oder ganz abschalten müssten, hätten die feste Entschlossenen keine Probleme, andere Wege zur Absicherung ihrer Kommunikation zu finden. Dies würde jedoch Millionen Menschen ihrer Privatsphäre berauben und neue Schwachstellen eröffnen.

Aus diesem Grund hat das Weiße Haus im letzten Monat von seinen Plänen Abstand genommen, US-Firmen dazu zu zwingen, ihre Verschlüsselung mit Hintertüren zu versehen. Es wäre schön, wenn man den Terrorismus mit seinen komplexen Facetten und den tragischen Folgen einfach in den Griff bekommen würde, indem man einer Handvoll Hitech-Firmen vorschreibt, was sie zu tun hätten. Leider ist es nicht so einfach. (jle)