"Die größte Lüge im Internet"

Hugo Roy, 22, bewertet die AGBs von Firmen wie PayPal, Facebook, Twitter und anderen Online-Unternehmen.

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Von
  • Jens Lubbadeh

Hugo Roy, 22, bewertet die AGBs von Firmen wie PayPal, Facebook, Twitter und anderen Online-Unternehmen.

Technology Review: Herr Roy, Sie sagen, dass der Satz "Ich akzeptiere die AGBs" die größte Lüge im Netz ist.

Hugo Roy: Ja, niemand liest lange Textblöcke in Kleinschrift durch. Es würde viel Zeit in Anspruch nehmen, sich da durchzukämpfen. In diesen Bleiwüsten sind aber oft unfaire Bedingungen versteckt – und die Leute nehmen sie mit einem Klick einfach an.

TR: Sie analysieren die AGBs, fassen Sie auf Ihrer Webseite www.tos-dr.info in Stichpunkten zusammen und vergeben Noten. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Roy: Immer wieder gibt es Protest und Meldungen in den Medien, wenn eine Firma wie Facebook ihre AGBs ändert. Erst dann wird den Leuten bewusst, wie schlecht zum Teil die Bedingungen sind. Mich ärgert, dass die Leute diese Dienste nutzen und keinerlei Kontrolle darüber haben, was ihnen in den unleserlichen AGBs untergejubelt wird. Sie müssen das ganze Paket akzeptieren und haben danach keine Möglichkeit mehr, daran etwas zu ändern.

TR: Wie lange brauchen Sie, um eine AGB zu analysieren?

Roy: Im Schnitt haben AGBs einen Umfang von acht Taschenbuchseiten. Für eine brauchen wir etwa 3,5 Stunden. Aber es kommt auf die Art der Firma an. Manche konzentrieren sich nur auf eine Anwendung, beispielsweise Fotoveröffentlichung. PayPal ist viel komplizierter. Für Facebook haben wir bislang zehn Stunden benötigt und sind immer noch nicht fertig.

TR: Sie sagen "wir". Sie nutzen Crowdsourcing für Ihre Analysen?

Roy: Ja, etwa 400 Leute helfen mit.

TR: Jedes Land hat unterschiedliche Gesetze. Worauf basieren Ihre Einschätzungen?

Roy: Das ist ein Problem. Ich schaue nicht nur darauf, was legal oder illegal ist. Mir ist auch sehr wichtig, welche Passagen fair für den Nutzer sind und welche nicht.

TR: Welche Firma hat denn die unfairsten AGBs?

Roy: Ich möchte hier nicht eine einzige herauspicken. Wir haben ein Bewertungssystem in Klassen von A bis E. Bisher hat nur ein Dienst die schlechteste Note E bekommen: Twitpic. Wer dort Bilder hochlädt, tritt vermutlich alle Rechte daran an den Dienst ab. Deren AGBs sind sehr widersprüchlich.

TR: Was könnten Firmen besser machen?

Roy: Mir scheint, als ob Juristen die AGB-Seiten entworfen hätten. Es wäre sehr einfach, die Seiten nutzerfreundlicherer zu gestalten. Außerdem sollten die Firmen ihre Kunden mehr einbeziehen, bevor sie ihre Konditionen ändern, anstatt nur eine E-Mail zu versenden und zu sagen: "Sie haben fünf Tage Zeit, die Änderungen zu akzeptieren." Sie sollten endlich eine Beziehung zu ihren Kunden aufbauen. (jlu)