Die ökonomischen Vorteile von User-Experience-Design

Eine positive User Experience erreicht niemand auf Anhieb. Doch es lassen sich schon durch wenige einfache Maßnahmen enorme ökonomische Vorteile erzielen.

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(Bild: Zapp2Photo/Shutterstock.com)

Von
  • Andreas Maier
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Der Markterfolg eines interaktiven Softwareprodukts hängt nicht von dessen Zweckmäßigkeit, Gebrauchstauglichkeit, Qualität und Preis ab. Vielmehr ist ein Produkt dann erfolgreich, wenn es eine möglichst positive Nutzungserfahrung, User Experience (UX), erzeugt. Positiv ist diese dann, wenn das zugrunde liegende Produkt die Bedürfnisse der Nutzer befriedigt. Dann verwenden Menschen Software gern und nachhaltig, integrieren sie in ihren Alltag und empfehlen sie anderen. So trägt UX zu einem positiven Image eines Unternehmens bei und ist eine lohnende Investition, durch die es Kosten einspart, Kunden hält, neue gewinnt und somit den Kundenkreis erweitert.

Entwickler von Software glauben allerdings hin und wieder, die Bedürfnisse der Nutzer von vornherein genau zu kennen – und ergründen sie daher nicht weiter. Dabei sind den Nutzern die eigenen Bedürfnisse in den meisten Fällen selbst nicht bewusst. Diejenigen, die entscheiden, ob die Umsetzung der Annahmen der Entwickler und Entwicklerinnen gut ist oder nicht, haben keine Ahnung, warum sie das tun; diejenigen, die nicht darüber entscheiden, glauben Ahnung zu haben. Und so entwickeln Unternehmen Software auf Grundlage von Annahmen und nicht auf der Basis validierter Fakten. Mit diesem Vorgehen geben Unternehmen Millionen Euro für die Entwicklung von Features aus, die Nutzer vielleicht niemals verwenden.

Die größte Hürde, um das Vorgehen hin zu einer bedürfniszentrierten Perspektive zu ändern, ist sicherlich die Notwendigkeit, interdisziplinäre Teams für die Softwareentwicklung zu bilden und potenzielle Endnutzer in diese Teams zu integrieren. Denn die Bewertung der UX nehmen einzig und allein die Nutzer eines Produkts vor.

Sicherlich müssen Softwareentwickler neben bedürfniszentrierten Nutzeranforderungen weiterhin unternehmenszentrierte Anforderungen erfüllen: Kosteneinsparungen, Effizienzsteigerungen, Einhaltung rechtlicher Vorgaben oder der Vereinheitlichung von Geschäftsprozessen können zu Nutzerbedürfnissen komplexe Querbeziehungen aufweisen, die wiederum zu Anforderungskonflikten führen können. Allein wenn Unternehmen nicht nur anstreben, eigene Vorstellungen zu realisieren, sondern das Erlebnis ihrer Nutzer möglichst positiv zu gestalten, allein wenn sie nicht davor zurückschrecken, früh zu scheitern und sich auf dem Weg ständig zu überprüfen und zu korrigieren, allein dann können sie Kosten sparen und Produkte entwickeln, die Nutzer begeistern.

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"Users do not care about what is inside the box, as long as the box does what they need done." (Jef Raskin)

UX-Design ist in Zeiten zunehmend steigender Zahlen konkurrierender Anwendungen und Erwartungen von Nutzern an ein Softwareprodukt eine essenzielle, zugleich aber auch eine der komplexesten Disziplinen der Softwareentwicklung. Schließlich orientiert sich das UX-Design ausschließlich an den Bedürfnissen der potenziellen Endnutzer des zu entwickelnden Softwaresystems. Bedürfnisse zu identifizieren und zu erfüllen ist allerdings deutlich aufwendiger und schwieriger, als man vermuten könnte. Eine einheitliche Definition von UX existiert nicht, ein Standardvorgehen ebenso wenig. Letzteres wäre auch verwunderlich, ist UX doch dynamisch, kontextabhängig und subjektiv [1].

Auch umfasst die UX eines Produkts nicht nur die eingesetzte Software, sondern das gesamte System, in dem das Produkt angesiedelt ist. So müssen Produktentwickler neben dem Nutzungskontext, der Darstellung und der Funktionalität die Umgebung und den ökologischen Fußabdruck des Produkts die Risiken für die Nutzer und das Marken-Image beachten. Weiterhin muss das Produkt die individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Nutzer möglichst abdecken. Auch die mentalen Zustände und Persönlichkeiten der Nutzer sowie deren Erwartungen und Einstellungen muss es berücksichtigen. Schließlich umfasst die UX auch die Kundenbetreuung, die Wartung des Produkts, dessen Schulung, seine Verpackung, den ersten Eindruck, seine Entsorgung und Werbung. Trotz der zunächst aufwendig wirkenden Aspekte lohnt es sich, darin zu investieren. Die Investitionen in die UX stellen sich schließlich als gering im Verhältnis zu den damit gewonnenen Vorteilen heraus.