Die unsichtbare Gefahr

Mikrosievert, Millisievert, Sievert - wie schlimm ist die Strahlendosis, der die Arbeiter in und um Fukushima bisher ausgesetzt waren? Welche Gefahr besteht für die Bevölkerung im umliegenden Gebiet? Welchen Schutz und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Technology Review ordnet die Problematik ein.

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Mikrosievert, Millisievert, Sievert – wie schlimm ist die Strahlendosis, der die Arbeiter in und um Fukushima bisher ausgesetzt waren? Welche Gefahr besteht für die Bevölkerung im umliegenden Gebiet? Welchen Schutz und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Technology Review ordnet die Problematik ein.

Alle Welt blickt dieser Tage auf die "Fukushima 50", jene Techniker und Ingenieure, die unter Einsatz ihres Lebens im japanischen Atomkraftwerk Fukushima eine vollständige Kernschmelze zu verhindern suchen. Dabei waren sie offenbar zwischenzeitlich stark erhöhten Strahlendosen von 400 bis 1000 Millisievert (also 0,4 bis 1,0 Sievert) pro Stunde ausgesetzt. Das liegt so stark über dem, was üblicherweise im Verlauf eines Jahres durch die natürliche Strahlung aus der Umwelt auf sie einwirkt, dass Experten bei ihnen mit dem Auftreten der akuten Strahlenkrankheit rechnen. Dabei ist zu bedenken, dass es auch auf die Dauer des Strahlenbelastung ankommt, die Dosen addieren sich nämlich: jemand, der etwa drei Stunden lang jeweils 400 Millisievert pro Stunde ausgesetzt war, hat nach dieser Zeit eine Gesamtdosis von 1,2 Sievert abbekommen. Welcher Gesamtdosis die Fukushima-Techniker insgesamt ausgesetzt waren haben, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.

Die Angabe dazu, wie hoch die Strahlungswerte in der näheren und größeren Entfernung um das Atomkraftwerk sind, variieren stündlich. So wurden etwa Agenturmeldungen zufolge in der Präfektur Fukushima Jod- und Cäsium-Isotope im Trinkwasser gemessen, die Behörden stuften die Werte aber noch nicht als gesundheitsschädlich ein. In Tokio wurden zuletzt in der Luft Strahlungshöchstwerte von 0,8 Mikrosievert gemessen, die selbst auf das Jahr hochgerechnet noch nicht kritisch wären.

Welche Strahlendosis ist nun aber problematisch? Gemessen wird sie in der Einheit "Sievert". Diese gibt an, welche Energiemenge pro Kilogramm Körpergewicht aufgenommen wurde und berücksichtigt – gegenüber der Einheit Gray – bereits die biologische Wirkung der vorherrschenden Strahlungsarten. Die sind unterschiedlich schädlich.

Die übliche Strahlungsmenge, der jeder im Schnitt pro Jahr ausgesetzt ist, liegt insgesamt bei etwa 2,0 bis 4,0 Millisievert. Das beinhaltet sowohl die regional leicht unterschiedliche natürliche Strahlung aus der Umwelt – aus dem Boden und als Höhenstrahlung – als einen durchschnittlichen Wert von 1,5 Millisievert durch künstliche Quellen wie Röntgenaufnahmen. Bei Computertomographien liegt die Dosis höher und kann je nach Aufnahme zwischen vier und zehn Millisievert variieren. Wer längere Strecken mit dem Flugzeug reist, ist durch die Höhenstrahlung – die je nach Flughöhe unterschiedlich ist – zum Beispiel auf der Strecke von Frankfurt nach New York einer Strahlendosis von 30 bis 75 Mikrosievert ausgesetzt.