Digitaler Konzertsaal

Mit ihrer „Digital Concert Hall“ haben die Berliner Philharmoniker ihr Publikum vom Start weg verdoppelt. Damit geben sie den Takt an für andere Orchester.

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  • NILS SCHIFFHAUER

Es war Musikgenuss pur: Die Klänge von Dvoraks Slawischem Tanz und Brahms’ Erster Symphonie perlten direkt ins Ohr, kein Räuspern und Rascheln von den hinteren Reihen war zu hören, dafür herrschte eine fantastische Sicht auf Dirigent und Orchester. Was bei der Klassik-Gala am 6. Januar in der ersten Reihe der Berliner Philharmonie 80 Euro gekostet hätte, gab es überall auf der Welt, live und authentisch, für 9,90 Euro via Internet.

Das Konzert markierte die feierliche Premiere für eine Revolution, die konservativen Fans der Berliner Philharmoniker vermutlich die Haare sträubt. Von nun an wird jedes Konzert aus der Philharmonie zeitgleich im Internet zu hören und zu sehen sein, und das in höchster Qualität. Was kein Platz in der ersten Reihe zu bieten hat – für Internetzuschauer ist es nun Standard: Sie sehen den Dirigenten Sir Simon Rattle bei der Arbeit sogar von vorn, quasi aus Bratschistensicht – seine Gesten beim Dirigieren, sein Mienenspiel und jedes einzelne Haar seines charakteristischen Lockenschopfs.

„In Kanada, Indien oder Neuseeland – überall auf der Welt genießen Musikbegeisterte diesen Eindruck jetzt live im Internet“, freut sich Tonmeister Christoph Franke, der mit den Berliner Philharmonikern das erste Orchester von Weltruf in dieser Qualität ins Web brachte. Die Idee dazu kam vor etwa drei Jahren aus dem Ensemble, vom Solo-Cellisten Olaf Maninger. Der überzeugte seine Kolleginnen und Kollegen davon, mit einer Digital Concert Hall den Konzertsaal ins Virtuelle und damit auf die ganze Welt auszudehnen.

„Dabei haben wir Pionierarbeit geleistet“, erinnert sich Franke, auf dessen Visitenkarte „Creative Producer“ steht. Gleichermaßen bewandert in den Schwierigkeiten, Klassikaufnahmen in Audio und Video hochwertig zu komprimieren und darin, Konzepte für die ruckelfreie Wiedergabe via Internet zu entwickeln, machte er sich damals an die Arbeit – mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bank... (kd)