Digitales Lernen: Wie Schule ohne Klassenzimmer funktioniert

In der Corona-Krise zeigt sich: Für erfolgreiches digitales Lernen muss sich viel ­verändern – es fehlt weit mehr als eine funktionierende Technik.

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Digitale Schule – noch vor Corona.

(Bild: dpa, Julian Stratenschulte)

Von
  • Eva Wolfangel
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Als im März die Schulen schlossen, hat sich ein weltweites Experiment für digitales Lernen abgespielt. In Deutschland hat es vor allem eines gezeigt: Nach oben ist noch sehr viel Luft. Schulen und Lehrer müssen sich verändern. Aber weil die Krise mehr Schulen als je zuvor dazu gebracht hat, sich mit dem Thema zu beschäftigen, ist nun deutlich klarer, was gut funktioniert – und was nicht so gut. Rückschlüsse werden möglich, wie digitales Lernen in Zukunft funktionieren kann, was auf die Bildungspolitik zukommt – und warum es nicht nur die Hausaufgaben, sondern auch das Lernen vor Ort verändern wird.

„Digitale Lernumgebung“ (DiLer) nennen ihre Lehrer das, was Filia an diesem Morgen im Juni auf ihrem Tablet-Computer öffnet. „Liebe Filia, du stehst in Ethik auf 1,3 – das ist toll!“, schreibt ihr ein Lehrer. Eine Lehrerin hingegen mahnt: „Ich habe am Freitag 15 Minuten auf dich für das Coaching gewartet. Du hast sicherlich das schöne Wetter genossen...“ Filia möge sich doch bitte für einen neuen Termin melden. Das Tool, mit dem Filias Gemeinschaftsschule in Wutöschingen im Schwarzwald arbeitet, hat die Schule mangels Alternativen selbst entwickelt. Es hat etwas von Facebook, nur übersichtlicher. Für jedes Fach hat die Zehntklässlerin einen Reiter mit Timeline. Darin stehen Aufgaben und Vorschläge der Lehrer, wie sie weiter lernen könnte. Filia scrollt entlang und kann genau sehen, was sie schon erledigt hat und wo sie noch aktiv werden muss. „Bitte melde dich für den digitalen Kurs ,Nathan der Weise‘ an“, schreibt ihre Deutsch-Lehrerin. Filia zeichnet ein Netzwerk der Charaktere und lädt es in ihre Lern-App, damit es ihre Lehrerin sehen und die Klasse gemeinsam diskutieren kann.

Für jedes Fach ist aufgelistet, was sie am Ende des Schuljahres können sollte, in vielen kleinen Schritten. Es ist eine Art zu arbeiten, die sie auch aus dem analogen Unterricht in der Schule kennt. Den Anstoß gab ein Ereignis weit vor der Corona-Krise: 2009 sah der Schulentwicklungsplan keinen Bedarf mehr für eine Hauptschule in Wutöschigen vor. Leiter Stefan Ruppaner stand vor der Wahl, seine Schule zu schließen oder ein innovatives Konzept als Gemeinschaftsschule zu wagen, in der Haupt- und Realschüler sowie Gymnasiasten bis zur zehnten Klasse gemeinsam lernen. Er hat sich für einen radikalen Umbau entschieden.

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