Drohnenpilot im Crashkurs

Wer größere Drohnen steuern will, braucht einen Drohnenführerschein. TR hat einen Kurs besucht.

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Drohnenpilot im Crashkurs
Von
  • Hans Dorsch

Ein Wochenende in einem Landhotel bei Köln. Gleich beginnt die Prüfung zum Drohnenführerschein: 60 Fragen in 60 Minuten. Einen solchen "Kenntnisnachweis" muss seit dem 1. Oktober 2017 jeder erbringen, der über zwei Kilogramm schwere Drohnen steuern will. Darunter fallen die meisten Profigeräte. Die Prüfung muss vor Ort bei einem zertifizierten Anbieter abgelegt werden. Ich finde ein Angebot in der Nähe von Köln.

Die Prüfung allein gibt's für 125 Euro. Ich melde mich zusätzlich noch zu einem halbtägigen Crashkurs für 298 Euro an. Zur Vorbereitung bekomme ich Zugang zu einem Online-Quiz mit allen Prüfungsfragen – und einen guten Tipp: Ich solle auf die Fragen zur Meteorologie achten. Deren Gesamtanteil an der Prüfung sei zwar gering, dennoch müssen 75 Prozent der Fragen richtig beantwortet werden, genau wie in den Bereichen Luftrecht sowie Flugbetrieb/Navigation.

Aber das Quiz ist ein Witz: Ich muss Fragen beantworten, die ich nicht verstehe. Nehmen wir gleich Meteorologie: "Wann entsteht Advektionsnebel?" Der angekündigte Lernbereich ist noch leer, stattdessen wird auf zwei Bücher verwiesen: den Flieger-Taschenkalender und ein Buch über Luftbildaufnahmen mit Multicoptern. Letzteres finde ich digital in der Ausleihe meiner Stadtbibliothek. Aber die Themen werden darin nur angerissen. Für das Quiz reicht das nicht.

So komme ich nicht weiter. Surfe ziellos im Web, während die Prüfung näherrückt. Schließlich stelle ich mir selbst eine Lernumgebung auf dem iPad zusammen: links der Browser für das Quiz und die Google-Suche, rechts eine Notizen-App mit den Ergebnissen von Recherchen. So lerne ich die letzte Woche vor der Prüfung jeden Abend. Außerdem stoße ich unter safe-drone.com auf einen kostenlosen, gut strukturierten Online-Kurs der Lufthansa mit verständlichen Erklärungen. Am Samstagmorgen schaffe ich mehrere Quizrunden mit 80 Prozent und fahre einigermaßen beruhigt zum Kurs. Die 14 Teilnehmer sind bunt gewürfelt.

Klaus verleiht Veranstaltungstechnik und will für Kunden größere Multicopter fliegen. Niklas und Malte sind selbstständige Videofilmer, und Hajo ist Baugutachter. Er nutzt Drohnen schon lange, um Baustellen oder Solar-dächer zu inspizieren.

Unter Anleitung von Kursleiter Tarek – hier wird jeder geduzt – gehen wir alle Themen durch. Fast vier Stunden lang wiederhole ich Stoff, frage nach und schreibe ein ganzes Notizheft voll. Schon die Aufteilung des Luftraums ist kompliziert: Drohnen dürfen nur im unteren Bereich G ("Golf") fliegen, der wiederum unterbrochen wird vom genehmigungspflichtigen Raum um Flughäfen ("Delta") sowie von zeitlich begrenzten Sperrgebieten, etwa über Truppenübungsplätzen oder Volksfesten ("ED-R"). Außerdem erfahre ich endlich, wie Advektionsnebel entsteht: Wenn Luft über eine kalte Fläche streicht.

Ganz schön viel will das Luftfahrtbundesamt da von Drohnenpiloten wissen, aber das ist auch gut so. Die meisten Regelungen der neuen Verordnung erscheinen mir sinnvoll, und die Prüfung stellt sicher, dass man sie auch kennt. Durchdachte Onlineangebote wie safe-drone.com bringen einen schon im Selbststudium ziemlich weit. Kurse schaffen zusätzliche Sicherheit.

Und die Prüfung? Ich habe die volle Zeit gebraucht. Und bestanden, wie fast alle. Hajo, der Ingenieur, hat es nicht geschafft. Die Meteorologie wurde ihm zum Verhängnis.

Produkt: Drohnenführerschein
Anbieter: verschiedene
Kosten: ab 125 Euro

(bsc)