Durchbruch bei der TB-Diagnostik

Ein gentechnischer Schnelltest soll die Lungenerkrankung in der Dritten Welt für Ärzte schneller erkennbar machen. Das könnte viele Leben retten.

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 1 Beitrag
Von
  • Erica Westly

Ein gentechnischer Schnelltest soll die Lungenerkrankung in der Dritten Welt für Ärzte schneller erkennbar machen. Das könnte viele Leben retten.

Die Tuberkulose (TB) tötet laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO Jahr für Jahr noch immer fast zwei Millionen Menschen. Gleichzeitig nimmt die Zahl gegen Antibiotika resistenter Erreger bedrohlich zu. Ein neuartiger DNA-basierter Schnelltest, der seit wenigen Wochen verfügbar ist, soll nun die Ausbreitung der TB in Ländern der Dritten Welt reduzieren helfen. Er erlaubt es Medizinern vor Ort, Menschen mit Ansteckungen schneller zu erkennen und gegebenenfalls zu isolieren. "Das könnte die TB-Diagnose völlig verändern", glaubt Madhukar Pai, Tuberkulose-Forscher an der McGill University in Montreal.

Das Verfahren, das von WHO, US-Regierung und der Stiftung des Microsoft-Gründers Bill Gates mitfinanziert wird, wurde in einem Public-Private-Partnership entwickelt. Hersteller ist der Diagnostikspezialist Cepheid. Im Gegensatz zu regulären TB-Diagnosen, bei denen Auswurf unter dem Mikroskop auf Erregerspuren untersucht wird, lassen sich mit dem neuen Test auch mehrere resistente Formen der Erkrankung erkennen. Eine Untersuchung dauert dabei im Schnitt weniger als zwei Stunden. Bislang dauert die Auswertung eines TB-Tests in der Dritten Welt oftmals mehrere Wochen. Wenn TB-Tests so lange dauern, kann eine infizierte Person schon wieder zahllose andere Menschen angesteckt haben, ohne zu wissen, dass sie selbst krank ist. Dieses Risiko soll künftig deutlich verringert werden.

Die Stiftung Foundation for Innovative New Diagnostic (FIND) mit Sitz in der Schweiz hat das Verfahren entwickelt, unterstützt von Forschern aus Industrie, Hochschulbereich und Non-Profit-Organisationen. Die Technik basiert auf einem Mikrofluidiksystem, bei dem die Probe durch kleinste Kanäle geleitet wird. Der Test beginnt mit der Beimischung einer einfachen chemischen Mischung aus Natronlauge und Alkohol. So werden lebende Erreger abgetötet. Der Vorteil: Weitergehende Maßnahmen zur Biosicherheit sind nicht mehr notwendig.

Dann wird die Probe in eine abgeschlossene Kartusche transferiert, in der die DNA isoliert wird. Schließlich werden unterschiedliche Zielsequenzen detektiert - die Standard-TB selbst, aber auch mögliche Typen, die Resistenzen gegen das Antibiotikum Rifampin aufweisen. Das Mikrofluidikverfahren nutzt dabei eine verstärkte Polymerase-Kettenreaktion zur DNA-Erkennung. Der Medizintechniker muss nur noch auf das Ergebnis warten, das aus einem Drucker kommt. Ablesbar ist daraus, ob es sich tatsächlich um eine TB-Infektion handelt. Außerdem werden mögliche Resistenzen genannt, die das System bereits kennt.

In Feldversuchen konnte bereits ermittelt werden, dass Anwender das System wesentlich einfacher finden als die übliche Mikroskopie. "Wir haben von den Nutzern gehört, dass es ein großer Schritt vorwärts ist", sagt Karen Steingart, Tuberkulose-Forscherin an der University of California in San Francisco, die Begleituntersuchungen durchführte. Pro Test soll die Probe 17 Dollar kosten, was zudem billiger als die Nutzung von Zellkulturen wäre. Die Maschine selbst ist für 17.000 Dollar zu haben – ein hoher Preis, der durch Förderungen abgemildert werden soll.

Mark Perkins, wissenschaftlicher Leiter der FIND, glaubt außerdem, dass sie schnell billiger werden wird. "Der Preis wird durch eine hohe Stückzahl sinken. Wir hoffen deshalb, dass wir viele Käufer finden, dann profitieren alle von niedrigeren Kosten." Die Nachfrage scheint bereits gut zu sein: Mehrere Hunderttausend einzelne Tests wurden für 2011 bislang vorbestellt. Die Finanzierungspartner WHO, US-Regierung und Gates-Stiftung dürften wollen dabei helfen, dass die Geräte möglichst schnell in die Dritte Welt gelangen. (bsc)