E-Auto auf dem Land: Das moderne Abenteuer beginnt – Teil 1

Über eine Solaranlage hat TR-Redakteurin Jo Schilling schon seit Jahren nachgedacht – über ein E-Auto nie so recht. Doch das ändert sich nun.

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E-Auto auf dem Land: Das moderne Abenteuer beginnt

Der Nissan Leaf rollt an.

(Bild: Jo Schilling)

Von
  • Jo Schilling

In einer Themenkonferenz im November 2019 tauchte die Frage auf, ob jemand aus unserer Redaktion an einem Forschungsprojekt teilnehmen wollen würde. Es gehe darum, bidirektionales Laden zu erproben: Solaranlage auf dem Dach, E-Auto in der Garage und eine intelligente Elektronik in der Wallbox, die den Strom zwischen Dach, Waschmaschine, Stromversorger und Auto managt. Das Auto und die Wallbox würden für ein Jahr gestellt – die Box bleibt danach, das Auto geht.

E-Auto auf dem Land

(Bild: 

Nissan

)

TR-Redakteurin Jo Schilling wohnt auf dem Land – so richtig "Land". Ein E-Auto scheint sich dort nicht so recht anzubieten, dennoch wagt sie das Experiment. Sie nimmt teil am Forschungsprojekt "i-rEzEPT". Zwei Fraunhofer-Institute, Bosch und Nissan wollen dabei untersuchen, wie gut sich ein Elektroauto als Batteriespeicher für die Solaranlage auf dem heimischen Dach eignet. Hier berichtet sie über ihre Erfahrungen – von der Installation der Anlage bis zum bidirektionalen Laden.

Die Idee, Autos als intelligente Stromspeicher zu nutzen ist längst überfällig, so ein Projekt aus erster Hand zu begleiten ist spannend – nur fahren die meisten Kolleginnen und Kollegen bei Technology Review Rad, Bahn oder Motorrad. Und eine Solaranlage auf dem Eigenheim hat schon gar niemand von uns.

Aber manchmal sind Ideen wie Flohbisse. Sie jucken penetrant und zwingen einen, immer wieder darüber nachzudenken. Über ein Solardach haben wir zu Hause schon seit Jahren nachgedacht. Immer wieder mal. Aber stets war etwas anderes wichtiger und schließlich war mit der Photovoltaik-Novelle des EEG die Einspeisevergütung so weit im Keller, dass es sich für unsere Computer, die Waschmaschine und das bisschen Licht aus LED-Lampen schlicht nicht mehr lohnte, eine Solaranlage auf das Dach zu montieren.

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Aber das Auto mit eigenem Strom zu versorgen, statt fossile Energieträger zu tanken? Das war eine neue Rechnung. Zudem sind unsere Autos in die Jahre gekommen. Auf dem Land ohne Zwang und ohne besonders ausgeprägtes Geltungsbedürfnis über ein E-Auto nachzudenken – mit einer faktisch nicht existierenden Ladeinfrastruktrur – ist absurd. E-Mobilität ein Jahr lang unverbindlich zu testen und dann fundiert zu beurteilen, wie sich weite Distanzen, eine Solaranlage als wichtigste Energiequelle für die Alltagsmobilität und ein Stromer vertragen, hingegen spannend.

Also fix gerechnet und festgestellt: Auch wenn E-Autos in der Anschaffung noch sehr kostspielig sind, rechnet sich das Modell "Tanke auf dem Dach" mittelfristig. Ein sehr wichtiger Faktor bei der Entscheidung, ob eine Projektteilnahme sinnvoll ist, war jedoch die Reichweite des Autos. Ganz klar: Ich muss mit dem Auto zur Arbeit und wieder nach Hause kommen, ohne mir zwischendrin Gedanken über Lademöglichkeiten machen zu müssen. Das von Nissan für das Projekt vorgesehene Auto – ein Leaf – hätte mich zumindest im Winter nicht sicher hin und zurück gebracht. Aber da E-Mobilität auf dem Land offenbar auch ein Thema für den Autohersteller ist, ein Leaf+ sogar noch einen kleinen Umweg bei Staus ermöglicht und Nissan diese größere Variante völlig unkompliziert in das Projekt aufgenommen hat, stand fest: Ich starte das Abenteuer Stromer auf dem Land mit Energie vom eigenen Dach.

Fehlt nur noch die Kleinigkeit einer Solaranlage, die ein Auto volltanken kann. Wie lange die Installation gedauert hat und mit welchen Hindernissen man rechnen muss, berichte ich in der nächsten Folge. Von nun an werde ich jede Woche an dieser Stelle erzählen, wie der Autofahrer-Alltag mit einem E-Auto aussieht, ob die Idealvorstellung eines Elektroautos als Batteriespeicher für Solarstrom auch praktisch ist, ob ich damit wirklich Haus und Fahrzeug mit genügend Strom versorgen kann und was nach dem Sommer passiert, wenn die grauen und kalten Tage kommen.


Wie es weitergeht, lesen Sie nächsten Dienstag, am 28.4., an dieser Stelle.

(jle)