E-Auto auf dem Land: Drei Apps für den Stromer – Teil 8

TR-Redakteurin Jo Schilling berichtet vom Anmeldeprozedere für die Auto-Apps.

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E-Auto auf dem Land: Drei Apps für den Stromer
Von
  • Jo Schilling
E-Auto auf dem Land

(Bild: 

Nissan

)

TR-Redakteurin Jo Schilling wohnt auf dem Land – so richtig "Land". Ein E-Auto scheint sich dort nicht so recht anzubieten, dennoch wagt sie das Experiment. Sie nimmt teil am Forschungsprojekt "i-rEzEPT". Zwei Fraunhofer-Institute, Bosch und Nissan wollen dabei untersuchen, wie gut sich ein Elektroauto als Batteriespeicher für die Solaranlage auf dem heimischen Dach eignet. Hier berichtet sie über ihre Erfahrungen – von der Installation der Anlage bis zum bidirektionalen Laden.

Mit der Ankündigung, dass unser Projekt-Leaf in den nächsten Tagen auf den Hof rollt, kam damals der Hinweis, dass wir uns drei Apps herunterladen sollen, die uns den Umgang mit einem Stromer erleichtern sollen. Eine dieser Apps ist die Bedienungsanleitung zum Fahrzeug. Ob es das klassische Handbuch, wie es normalerweise im Handschuhfach eines jeden Autos liegt, noch gibt, weiß ich nicht – in unserem Projekt-Auto lag jedenfalls keins. Mit der App das Auto zu erkunden, ist allerdings mühsam, die Bedienungsanleitung ist recht dürftig und eigentlich möchte ich auch gar nicht mein Telefon bei mir haben müssen, um etwa den erforderlichen Reifendruck nachzusehen. Aber es ist nur eine Bedienungsanleitung und ich werde sie nach der Eingewöhnungsphase nur noch selten zur Hand nehmen.

Die zweite App ist "Nissan Charge" und soll mich durch den Ladesäulendschungel führen. Damit setze ich mich später auseinander. Der Strom soll ja idealerweise vom Dach kommen.

Die dritte App ist die für den Alltag spannende: "Nissan Connect Services". Sie soll mir verraten, wie weit mein Auto geladen ist und mir Statistiken über die Fahrten zur Verfügung stellen. Mit ihr kann ich theoretisch schon mal die Heizung oder die Klimaanlage vom Bürostuhl aus anschalten oder das Licht auf dem dunklen Parkplatz. Vorheizen oder -kühlen werde ich das Auto sicher nie, aber wenn ich abends vom Sofa aus nachsehen kann, ob das Auto für den nächsten Tag ausreichend geladen ist und ich dann auch gleich den Ladevorgang abbrechen kann, um keinen Netzstrom zu verbrauchen, ist das schon praktisch.

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Also haben mein Mann und ich – da wir beide das Auto fahren – diese App heruntergeladen. Da er das Auto mit Feuereifer erkundet hat und natürlich auch die App ausprobieren wollte, hat er kurzerhand versucht, sie zu aktivieren. Dafür ist eigentlich nur die VIN, also die Fahrzeugnummer in der Frontscheibe des Autos nötig, aber trotz einiger Versuche, konnte er die App nicht starten.

Da bei uns das Mobilfunknetz sehr viel Langmut erfordert und offenbar nicht ausreicht, um das Auto mit Nissan für den Anmeldeprozess zu verbinden, meldete mein Mann sich kurzerhand bei der nächsten Fahrt auf einem Parkplatz mit gutem Funknetz an.

Allerdings dauert es mehrere Tage, bis alle Daten synchronisiert waren und sich ein Spiegelbild der Fahrzeugdaten in der App aufgebaut hat. Erst am dritten Tag verriet der Blick auf das Smartphone den Ladezustand.

Da ich wusste, dass das Aktivieren der App zu Hause nicht funktioniert, habe ich die Anmeldung auf meine nächste Fahrt zur Arbeit vertagt und es nach Dienstschluss auf dem Firmenparkplatz mit ausgezeichnetem Netz ausprobiert. Drei Versuche, drei Mal gescheitert. Da die App mir auch ohne Aktivierung eine Hotline-Nummer anbietet, haben ich kurzerhand dort angerufen. Eine freundliche Dame hat mich nach allen möglichen Nummern gefragt, die auf und in dem Auto stehen, bat mich mehrfach zu warten und ich bereute bereits dort angerufen zu haben – ich wollte irgendwann auch mal nach Hause.

Eine Viertelstunde später eröffnete sie mir das Ergebnis des Nummerntausch-Prozederes. Es sei bereits jemand für das Fahrzeug registriert. Na so was. Damit, dass mein Mann sich schon erfolgreich angemeldet hat und ich exakt so vorgegangen bin wie er – nur eben erfolglos –, hatte ich das Gespräch eröffnet. Die etwas frustrierende Essenz dieses Gesprächs: Für das Auto lässt sich nur ein Account anlegen, ich muss den meines Mannes mitnutzen oder ersetzen, indem ich ihn löschen lasse.

Da das Auto eine Standorterfassung hat, bedeutet das auch, dass ich theoretisch immer wissen kann, wo mein Mann gerade langfährt, wenn er mit dem Leaf unterwegs ist, wo er das Auto parkt und wann er sich wieder in Bewegung setzt. Ein Blick auf den Fahrzeugstandort genügt. Umgekehrt gilt das gleiche für mich, wenn ich das Auto nutze und ich weiß nicht, wer auf diese Daten sonst noch zugreifen kann. Der Gedanke gefällt mir jedenfalls überhaupt nicht und ich frage mich, wie es sein kann, dass einem Auto lediglich eine nutzende Person zugestanden wird. Muss man also seine Privatsphäre abgeben, wenn man sich einen Stromer – zumindest einen Leaf – teilen möchte?


Wie es weitergeht, lesen Sie am nächsten Dienstag, 16.6., an dieser Stelle.

(jle)