E-Auto auf dem Land: Zwischenbilanz – Teil 12

Die bidirektionale Ladebox hat TR-Redakteurin Jo Schilling neben ihrem Nissan Leaf noch gefehlt. Bald soll sie kommen. Zeit für ein Fazit.

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(Bild: Nissan)

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Der Projektleiter von i-Rezept hat sich bei uns gemeldet: Es soll nun tatsächlich losgehen. Die Ladesäule soll in Kürze auf den Weg gebracht werden. Die Digitalisierungsbox – das Herzstück des Forschungsprojektes, das das intelligente Strommanagement zwischen Dach, Auto und Haushalt übernehmen soll – befindet sich zwar immer noch in der Entwicklung.

Aber zumindest sind bei uns schon mal Fragebögen eingegangen, um zu klären, wie wir Digitalisierungsbox und Wechselrichter verbinden können, wie lang die Leitungen zum Router sind, ob wir drei freie Ethernet-Anschlüsse am Router besitzen und wie unser Router konfiguriert ist. Das klingt alles recht konkret und wir sind zuversichtlich, dass unser bislang persönliches E-Auto-Experiment doch noch Teil eines Forschungsprojektes wird.

E-Auto auf dem Land

(Bild: 

Nissan

)

TR-Redakteurin Jo Schilling wohnt auf dem Land – so richtig "Land". Ein E-Auto scheint sich dort nicht so recht anzubieten, dennoch wagt sie das Experiment. Sie nimmt teil am Forschungsprojekt "i-rEzEPT". Zwei Fraunhofer-Institute, Bosch und Nissan wollen dabei untersuchen, wie gut sich ein Elektroauto als Batteriespeicher für die Solaranlage auf dem heimischen Dach eignet. Hier berichtet sie über ihre Erfahrungen – von der Installation der Anlage bis zum bidirektionalen Laden.

Allerdings sind die Angaben zum Projektstart – sprich: der Installation der bidirektionalen Ladestation – noch recht schwammig, so dass ich mit diesem Blog jetzt in die Sommerpause gehe. So lange, bis die Technik steht (beziehungsweise an der Wand hängt). Da wir in diesem Jahr unseren Urlaub zu Hause verbringen werden, kommen wir auch nicht in Versuchung, einen Langstrecken-Urlaubs-Test durchführen.

Vielleicht machen wir das später mal mit unserem eigenen E-Auto. Und das wird wohl kommen, denn eins hat das letzte Vierteljahr gezeigt: Ein E-Auto in Kombination mit einer Solaranlage auf dem Dach, ist auf dem Land auch mit weiten Reisestrecken absolut alltagstauglich.

Da ich mit meinen Pendelstrecken zur Arbeit im Sommer gut und im Winter gerade so hin und zurück komme, ohne zwischenladen zu müssen, empfinde ich keinerlei Einschränkungen. Ich bin zwar, weil ich langsamer fahren muss, um mit einem kleinen Puffer anzukommen, länger unterwegs, dafür sind die Fahrten auch deutlich entspannter.

Die Laderoutine und die Streckenplanung sind bei uns durch das erzwungene "manuelle Lademanagement" ohne Wallbox oder Steuerungselektronik mit elend langen Ladezeiten noch recht aufwändig. Aber daran haben wir uns gewöhnt und empfinden die Absprachen, wer wann wie weit fahren muss nicht als lästig. Und im Notfall haben wir noch einen Verbrenner-Zweitwagen. Wenn die Wallbox installiert ist, wird uns das vermutlich wie der pure Luxus vorkommen.

Alles in allem ist das Experiment E-Auto auf dem Land für uns ein voller Erfolg. Meine anfänglichen Sorgen liegen zu bleiben, habe ich weitgehend abgelegt – mit steigendem Kilometerstand wurde nicht nur mein Gefühl für das Streckenmanagement besser, sondern auch die vom Auto errechneten Rest-Kilometer wurden immer zuverlässiger. Statt Durchschnittsverbrauch in Litern habe ich jetzt eben den Verbrauch in Kilowattstunden im Auge, wenn ich denke, dass es knapp werden könnte. Und im Gegensatz zum Verbrenner bringt langsamer fahren mich im E-Auto deutlich weiter.

Man muss sich auf einen Stromer auch nicht generalstabsmäßig vorbereiten. Ich habe zu Projektbeginn überlegt, wie intensiv ich mich mit Elektromobilität beschäftige und beschlossen, mich nicht vorzubereiten. Ich wollte wissen, ob Stromer fahren auch funktioniert, wenn ich nichts weiter möchte, als elektrisch von A nach B zu kommen. Und bis auf kleine Stolperer, die man auch erleben kann, wenn man vom Käfer auf eine moderne Mittelklasse-Limousine umsteigt, hat elektrisch fahren einfach so funktioniert. Und Spaß macht es obendrein.

(bsc)