Ei, Ei, Ei

Die Tage werden länger, die ersten Frühlingsblumen wagen sich ans Licht – Zeit also, mal wieder zu feiern. Gut, dass bald Ostern ist.

Lesezeit: 6 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen
Von
  • Diane Sieger
Inhaltsverzeichnis

Mit den Ostertagen steht für viele ein langes Wochenende vor der Tür. Gefeiert wird an diesem Festtag die Auferstehung Jesu Christi von den Toten – Ostern ist traditionell das wichtigste Fest im christlichen Kirchenjahr. Was genau an welchem Tag der Osterwoche geschah, und warum es für religiöse Menschen von Bedeutung ist, erklärt Was Ist Was anschaulich.

Heutzutage spielen diese Hintergründe häufig nur noch eine untergeordnete Rolle. Vielen Menschen ist gar die Bedeutung von Ostern nicht mehr geläufig, und die Feiertage werden lediglich als willkommene Kurzferien zum Start in den Frühling gesehen. In Familien mit Kindern drehen sich die Geschichten, um die sich das Osterfest rankt, seltener um den christlichen Glauben, als vielmehr um den Osterhasen, der für den Nachwuchs bunt bemalte Eier und Süßigkeiten versteckt.

Eine erste Erwähnung fand der Hase als Überbringer der Ostereier in einer medizinischen Abhandlung, die die negativen Nebeneffekte des übermäßigen Eierverzehrs zur Osterzeit erläutert. Woher der Brauch stammt, erwähnt diese Schrift allerdings nicht. Es gibt einige Hypothesen darüber, seit wann und warum der Osterhase Eier versteckt, allesamt beim Osterportal nachzulesen. Fest steht jedoch nur, dass bis zum 16. Jahrhundert verschiedene Tiere für die Ostereierlieferung zuständig waren; unter anderem Kuckuck, Fuchs, Storch und Hahn.

Doch warum eigentlich ausgerechnet Eier? Eine Erklärung findet sich bei Was ist Ostern. Demnach gibt es wahrscheinlich einen Zusammenhang zwischen den Ostereiern und der 40-tägigen Fastenzeit, die am Karsamstag endet. Eier waren während der Fastenzeit neben Fleisch und Milchprodukten für die Fastenden tabu. Da die Hühner jedoch ihre Produktion nicht zu Ehren der Fastenzeit stoppten, hat man Eier kurzerhand gekocht und eingefärbt, um sie von den frischen unterscheiden zu können.

Sehenswert ist in diesem Zusammenhang der Kurzfilm „Ostern – Eine Geschichte der Hasenzivilisation“, der auf die Beziehung Mensch/Hase und Hase/Huhn anhand alter Illustrationen eingeht. Der Film wurde ursprünglich auf ARTE ausgestrahlt und findet sich heute auf YouTube.

Deutschsprachige Auswanderer haben den Osterhasenbrauch rund um den Globus verteilt, jedoch sind Hasen und Kaninchen in manchen Ländern keine besonders gern gesehenen Gäste. Insbesondere auf Inseln und Kontinenten, auf denen es keine natürliche Kaninchenpopulation gibt, fallen die kuschligen Fellgesellen oftmals in die Kategorie Landplage. Da stellt sich dann die Frage, wie man mit dem Konflikt umgehen soll, dass einerseits ein niedliches Häschen die Ostereier bringen soll, man andererseits aber dessen Verwandten mit dem Schädlingsbekämpfer zu Leibe rückt.

Die Australier haben versucht, dieses Problem zu lösen, indem sie kurzerhand das einheimische Bilby zum Überbringer der Eier erklärt haben. Das Bilby sieht einem Kaninchen dank seiner spitzen Nase zwar nicht sehr ähnlich, hat jedoch vergleichbare Ohren. Inzwischen gibt es sogar Osterbilbys aus Schokolade, und speziell konzipierte Materialien für Lehrer ebnen dem Bilby den Weg in die Klassenräume. Einer der Hauptunterstützer dieser Kampagne ist die Foundation for Rabbit-Free Australia (RFA).

Ostern gehört zu den sogenannten beweglichen Feiertagen, das Datum ist also jedes Jahr ein anderes. Der erste Feiertag fällt immer auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Dieser einheitlichen Regel gingen allerdings heftige Diskussionen voraus. Grund hierfür waren die unterschiedlichen Kalendersysteme, die es seit den in der Bibel geschilderten Ereignissen gab. Der jüdische Kalender zur Zeit Christi, die Osterrechnung der Alexandriner, die Gregorianische Kalenderreform und die Kalenderreform der Ostkirchen machten eine genaue Berechnung des Datums schwierig.

Wer an den Details zur Osterfestdatumsberechnung interessiert ist, sollte unbedingt einen Blick auf Nikolaus A. Bärs Chronologie und Kalender werfen. Auch der Essay Was der Vollmond mit Ostern zu tun hat (PDF) des Evangelisch.de-Redakteurs Bern Buchner ist in diesem Zusammenhang lesenswert. Zusätzlich bietet Das Münchner Astro Archiv eine Liste mit allen Osterfeiertagen (Aschermittwoch, Karfreitag, Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten) von 1901 bis 2078 an. Interessant ist hier besonders die Darstellung des Algorithmus, der zur Berechnung der Daten verwendet wurde. Also unbedingt bis zum Ende der Seite scrollen.

Damit es an Ostern nicht langweilig wird, gibt es viele Aktivitäten die sich rund um den Osterhasen und hartgekochte Eier drehen, allen voran das Eierfärben. Soll das Ei später zur Dekoration dienen, muss man es zunächst ausblasen. Wie das genau geht, erklärt eine bebilderte Anleitung. Wer sich lieber professioneller Hilfsmittel bedient, sollte sich die Anschaffung eines Blas-Fix überlegen – eine Demonstration des Werkzeugs gibt es bei YouTube.

Für das Einfärben hartgekochter Eier bietet der Handel unzählige kommerzielle Produkte an. Ob Tabletten oder Stifte, mit und ohne Aufkleber, im Marmor-Look oder mit Glitter – für jeden gibt es das passende Produkt, um edle Ostereier selbst herzustellen. Etwas schlichter fällt das Ergebnis aus, wenn man natürliche Produkte wie Zwiebelschale, Spinatsud, Rote Beete oder Heidelbeeren zum Kolorieren nutzt. Wie das geht, erklärt das „Zentrum für Natürliches“ im Wiki. Etwas detailliertere Informationen gibt es bei selbstgemacht.org, wo anhand des Beispiels Zwiebel der Vorgang Schritt für Schritt und mithilfe von Bildern erklärt wird.

Zum festlich gedeckten Ostertisch gehören jedoch nicht nur bunte Eier. Anregungen für österliche Dekorationen gibt das Bastelparadies – unter anderem, wie man einen Servietten-Osterhasen für den Frühstückstisch faltet. Auch ein Kresse-Ei eignet sich hervorragend zur Dekoration und bietet nebenbei noch frisches Kraut für das Rühr- oder Spiegelei. Wie man die Kresse in der Eierschale zieht, zeigen die Naturkinder.

Und wer sich auf den Wunsch des Nachwuchses nach spielerischer Betätigung nicht einfach ein hartgekochtes Ei pellen will, findet im Web auch die Regeln zu Spielen, die dem Anlass angemessen sind, etwa die für den Eierwettlauf, das Eierrollen oder das Eierschlagen. Weitere Anregungen für Osterspiele, die auch junggebliebenen Erwachsenen Spaß machen, hält Praxis Jugendarbeit bereit.

All denen, die nicht persönlich zum Osterfrühstück erscheinen und an den Spielen teilnehmen können, kann man zum Trost zumindest eine Grußkarte zukommen lassen – sei es mit religiösem Bezug oder ohne. (ka)