Ei ohne Huhn: Start-up erzeugt Proteine aus Hefe-Vergärung

Anders als andere Ei-Ersatzstoffe soll gentechnisch erzeugtes Eiklar genau dieselben Eigenschaften haben wie sein natürliches Pendant.

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Macarons: gebacken mit genetisch nachgebautem Ei-Ersatz.

(Bild: The Every Company)

Von
  • Gregor Honsel

Satte 28 Dollar kostet eine Schachtel mit französischem Süßgebäck im Online-Shop von Chantal Guillon. Und trotzdem ist sie schon ausverkauft. Die sechs darin befindlichen Macarons stehen nämlich für die "Kronjuwelen der Lebensmittelindustrie", wie das US-Start-up The Every Company jubelt: Eiklar ohne den Umweg über Huhn und Ei.

Eiklar kommt unter anderem bei Gebäck, Nudeln, Saucen und Cocktails zum Einsatz. Es sei "bekannt für seine einzigartigen funktionalen Eigenschaften, die beinahe unmöglich zu ersetzen sind – bis heute", so CEO Arturo Elizondo. Das 2014 gegründete Start-up mit Sitz in San Francisco hat es nun nach eigenen Angaben erstmals geschafft, diese Ei-Proteine ohne Beteiligung eines Tieres zu erzeugen und auf den Markt zu bringen.

Das Herstellungsverfahren nennt sich "Precision Fermentation", also "präzise Vergärung". Dazu hat sich das Start-up die DNA-Sequenz von Hühnern genau angeschaut und daraus das Rezept für die Protein-Herstellung gewonnen. Die entsprechenden Erbinformationen hat es dann gentechnisch auf Hefezellen übertragen. Mit Zucker gefüttert, produzieren sie nun in einem Fermenter das gewünschte Protein – ähnlich wie bei der Herstellung von Bier. Das Verfahren braucht nach Angaben von The Every Company deutlich weniger Wasser, Land und Energie als die Aufzucht von Hühnern.

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Anders als pflanzenbasierte Ei-Ersatzstoffe seien die von Hefe erzeugten Proteine nicht von ihren natürlichen Pendants zu unterscheiden. Sie lassen sich genauso backen, gelieren oder aufschäumen. Das bedeutet allerdings auch: Sie verursachen die gleichen allergischen Reaktionen. "Diejenigen mit einer Eier-Allergie sollten unsere Eier-Proteine nicht konsumieren", heißt es in den FAQs.

Da keine gentechnisch veränderten Bestandteile im Endprodukt landen, muss es nach US-Recht auch nicht entsprechend gekennzeichnet werden.

Das hühnerfreie Ei-Weiß ist bereits das dritte Produkt, das The Every Company auf den Markt gebracht hat. Die anderen beiden sind Pepsin – ein Enzym, das unter anderem in Arzneimittelkapseln vorkommt –, sowie ein geschmacksneutrales, gut lösliches Protein für Getränke. An Eigelb arbeitet das Start-up bereits.

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(jle)