Ein flotter Dreier

Das deutsche Elektro-Auto TW4XP vereint verrückte Ideen mit ernst zu nehmenden Ansprüchen auf eine Serienfertigung. Beim internationalen X-Prize-Wettbewerb um das beste Öko-Auto muss es nun zeigen, was es kann.

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Von
  • Gregor Honsel
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Das deutsche Elektro-Auto TW4XP vereint verrückte Ideen mit ernst zu nehmenden Ansprüchen auf eine Serienfertigung. Beim internationalen X-Prize-Wettbewerb um das beste Öko-Auto muss es nun zeigen, was es kann.

Wer meint, dem Elektro-Auto TW4XP aus der nordhessischen Provinz fehle ein Rad, der irrt. Tatsächlich fehlen ihm zwei, denn auch ein Lenkrad sucht man vergebens. Stattdessen steuert der Fahrer das Gefährt mit zwei seitlich vom Sitz angebrachten Hebeln. Auch das Gaspedal hat seinen Stammplatz verlassen und sitzt nun in Form eines Druckknopfes im Griff des rechten Hebels. Lediglich das Bremspedal befindet sich noch an vertrauter Stelle im Fußraum – allerdings nur, solange dort nicht eine optional erhältliche Tretkurbel eingebaut wird, mit der ein Fahrer seinen eigenen Strom erzeugen kann. Bremsen wird er dann, wie bei einem Fahrrad, per Rücktritt.

Keine Frage: An Mut zu unkonventionellen Lösungen mangelt es den Machern des Zweisitzers nicht. Aber kann so ein exotisches Vehikel auch Grundlage für eine seriös kalkulierte Serienproduktion sein? Auf jeden Fall, meint das TW4XP-Team, und das wurde ihm sogar von einer amerikanischen Jury bestätigt: Das Dreirad ist der einzige verbliebene deutsche Beitrag zum "Automotive X-Prize", einem internationalen Wettbewerb für energiesparende Fahrzeuge. Um die zehn Millionen Dollar Preisgeld zu gewinnen, reicht es nicht, einen konkurrenzfähigen Prototypen zu bauen.

Die Teilnehmer müssen zudem durch Kostenberechnungen und Marktanalysen glaubhaft nachweisen, dass sie ab 2014 jährlich 10000 Stück ihres Wettbewerbsfahrzeugs herstellen und verkaufen können. Rund zwei Drittel der ursprünglich mehr als hundert X-Prize-Kandidaten scheiterten an dieser Hürde – das E-Dreirad blieb aber im Rennen der letzten 40. Vom Mai bis September muss der TW4XP – das Kürzel steht für "Three Wheeler for X-Prize" – nun in den USA auf Straße und Prüfstand zeigen, was er kann.

Der Zeitrahmen für das Projekt war sportlich: Erst Anfang März fand die "Hochzeit" statt, bei der Antrieb und Chassis zusammengebaut wurden. Und die ersten Probefahrten auf winterlichen nordhessischen Landstraßen erfolgten als Cabrio, weil die Verkleidung aus kohlefaserverstärktem Kunststoff noch nicht fertig war. Auf besseres Wetter zu warten kam nicht infrage: Ende April muss der Wagen in die USA verschifft werden.

Das klingt alles etwas nach dem Ergebnis einer Bastelbude, doch der Eindruck täuscht. Hinter dem TW4XP steht einer der erfahrensten deutschen Hersteller von Elektrofahrzeugen, nämlich die Fine Mobile GmbH mit Sitz im nordhessischen Rosenthal. Seit 1998 produzierte sie knapp 1000 Exemplare des "Twike", das damit nach dem "CityEL" das hierzulande am häufigsten verkaufte Elektromobil ist. Die Verwandtschaft zwischen Twike und TW4XP ist nicht zu übersehen: Beide haben drei Räder und eine optionale Tretkurbel. Beim Twike war die Kurbel allerdings ursprünglich der einzige Antrieb – es ging aus einem Projekt Schweizer Studenten hervor, die nur ein vollverkleidetes Liegerad im Sinn hatten, erst später kam der E-Motor hinzu.

Bis heute sind die Fahrrad-Gene beim Twike zu spüren: Es ist zwar mit vier bis acht Kilowattstunden auf hundert Kilometern sehr sparsam, allerdings auch nicht schneller als 85 Stundenkilometer – und das bei einem Preis von mehr als 20000 Euro. Somit kommen nur ökologische Überzeugungstäter als Twike-Kunden infrage. "Aus dieser Nische wollen wir heraus", sagt Fine-Mobile-Geschäftsführer Martin Möscheid. "Bei den Gesprächen mit Twike-Interessenten haben wir gemerkt, dass die Themen Preis, Sicherheit und Komfort doch erhebliche Hemmnisse für einen Kauf darstellen."

Da kam 2007 die Nachricht vom X-Prize gerade recht, um Motivation und Orientierung für einen marktreiferen Twike-Nachfolger zu geben. Um die Risiken der Neuentwicklung vom Stammgeschäft abzukoppeln, hat Möscheid für den TW4XP die eigene Firma E-mobile Motors GmbH gegründet, die er in Personalunion leitet. Finanziert wird die neue GmbH von insgesamt 17 Gesellschaftern, die 550000 Euro Stammkapital zusammengelegt haben.