"Ein sehr menschenähnlicher Roboter erscheint uns unheimlich"

Die Roboterforscherin Maren Bennewitz über die Frage, wie menschenähnlich man Automaten bauen kann – und sollte.

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Von
  • Udo Flohr

Die Roboterforscherin Maren Bennewitz über die Frage, wie menschenähnlich man Automaten bauen kann – und sollte.

Bennewitz leitet den Bereich Humanoide Roboter am Institut für Informatik der Universität Freiburg.

Technology Review: Frau Professor Bennewitz, wie menschenähnlich darf man sich humanoide Roboter vorstellen?

Maren Bennewitz: Sie haben einen menschlichen Körperbau – Beine, um Treppen zu steigen, und Arme, um Objekte zu manipulieren.

TR: Wozu ist dieser humanoide Körperbau gut?

Bennewitz: Die meisten Umgebungen sind auf den Menschen zugeschnitten. Daher ist es sinnvoll, dass Roboter ähnlich wie Menschen navigieren, interagieren und falls nötig Gegenstände aus dem Weg räumen können.

TR: Aber exakt wie Menschen sehen Ihre Roboter trotzdem nicht aus. Warum nicht?

Bennewitz: Wir konzentrieren uns auf die Software des Roboters. Unser Forschungsschwerpunkt liegt momentan auf der Navigation. Zur besseren Vergleichbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse benutzen wir als Hardware eine Standardplattform, nämlich den Roboter Nao. Es gibt aber noch einen anderen Grund: Das sogenannte "Uncanny Valley", das "unheimliche Tal". Nach dieser Theorie ruft ein zu menschenähnlicher Roboter Befremden oder sogar Angst hervor. Es gibt trotzdem Forscher, die versuchen, möglichst naturgetreue Abbilder von Menschen herzustellen.

TR: Was bedeutet dieses "unheimliche Tal" für das Verhalten eines Roboters?

Bennewitz: Ein sehr menschenähnlicher Roboter erscheint uns gerade deswegen unheimlich, weil sein Verhalten nicht seinem Aussehen entspricht und diese Diskrepanz merkwürdig ist. Oftmals kommen Maschinen mit einfachen Verhaltensweisen ohnehin besser an als andere, die versuchen, komplexes menschliches Verhalten zu kopieren, aber es eben nicht schaffen. Also macht es gar keinen Sinn, äußerlich möglichst menschenähnliche Roboter zu bauen.

TR: Man erwartet, dass Roboter zukünftig auch im Bereich der häuslichen Pflege auftauchen.

Bennewitz: Ob es tatsächlich dazu kommt, wird sich zeigen. Das Thema des Uncanny Valley hat dabei natürlich große Relevanz. Die Roboter sollten äußerlich schon bis zu einem gewissen Grad menschenähnlich aussehen, weil das ihre Akzeptanz steigert. Jedoch muss man dabei die Diskrepanz zwischen Aussehen und Verhalten minimieren.

TR: Und wie sieht es mit emotionalen Bedürfnissen aus?

Bennewitz: Einige Studien in Japan belegen bereits, dass ältere Menschen aufblühen, wenn sie eine Art Roboter-Kuscheltier betreuen. Dies deutet darauf hin, dass Roboter auch emotionale Bedürfnisse befriedigen könnten, natürlich nur bis zu einem gewissen Grad.

TR: Wird das Uncanny Valley zukünftig überbrückt werden?

Bennewitz: Ich bezweifle, dass es irgendwann Androide gibt, die man nicht mehr von Menschen unterscheiden kann. Dafür ist unser menschliches Verhalten doch zu komplex, wird noch nicht gänzlich verstanden und ist deswegen nicht einfach nachzubilden. (bsc)