Eine Karte für alle Fälle

Tasten, Display, Elektronik: Das Start-up Dynamics hat eine neue Kartentechnologie vorgestellt, die das bargeldlose Zahlen flexibler und sicherer machen soll.

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Von
  • Tom Simonite

Tasten, Display, Elektronik: Das Start-up Dynamics hat eine neue Kartentechnologie vorgestellt, die das bargeldlose Zahlen flexibler und sicherer machen soll.

Ob im Restaurant, im Supermarkt oder gar im Freizeitbad: Zahlen mit Karte ist längst selbstverständlich geworden. In den USA werden sogar läppische Beträge wie zwei Dollar für einen Kaffee mit Plastikgeld beglichen. Leider schwillt die Geldbörse an, wenn man für jede Lebenslage die passende Karte mit sich herumtragen will. Und geht sie verloren, ist der potenzielle Schaden größer als beim Verlust von Bargeld. Beide Probleme will nun das Start-up Dynamics aus Pittsburgh mit einer neuen Kartentechnologie lösen, die es auf der DEMO Conference in Santa Clara vorgestellt hat.

Vom Format her unterscheiden sich die „MultiAccount“ Card“ und die „Hidden Card“ nicht von herkömmlichen Kreditkarten. Sie enthalten aber zusätzlich Bedientasten und jede Menge Elektronik, die das Zahlen mit Karte flexibler und sicherer machen sollen. Drei Jahre Entwicklungsarbeit stecken in den neuen Plastikscheiben.

„Mit der MultiAccount Card könnten Sie per Tastendruck zum Beispiel zwischen einer Debitkarte und einer Kreditkarte hin und her wechseln“, erläutert Jeff Mullen, CEO von Dynamics. Die in Europa verbreiteten EC-Karten sind Debitkarten, deren Gebrauch anders als bei einer Kreditkarte zu einer sofortigen Belastung des Kontos führt. Die Elektronik überschreibt beim Kartenwechsel den Inhalt des Magnetstreifens mit den jeweils neuen Daten.

„Die Lithium-Ionen-Batterien halten vier Jahre, auch bei intensiver Nutzung“, versichert Mullen. Die MultiAccount-Karte sei außerdem wasserdicht, so dass auch eine Waschmaschine ihr nicht anhaben könne.

Die Hidden Card hat neben fünf Tasten auch noch ein kleines Schwarz-Weiß-Display. Gibt man über die Tasten den korrekten PIN ein, erscheinen im Anzeigefenster die fehlenden sechs Ziffern der Kartennummer. Zudem werden die Kartendaten in den Magnetstreifen geladen. Nach einiger Zeit leeren sich Display und Streifen wieder automatisch. „Wenn Sie die Karte verlieren, ist sie für jeden, der sie findet, nur wertloses Plastik “, sagt Mullen.

Dynamics hofft, mit der Hidden Card besonders vorsichtige Bankkunden anzusprechen. Aviva Litan, IT-Sicherheitsanalystin bei Gartner, bezweifelt allerdings, ob der Markt für diese Anwendung groß genug ist. „Die meisten Kartendaten werden heute elektronisch und in großen Operationen gestohlen“, gibt sie zu bedenken. Die Hidden Card würde nur einen kleinen Teil aller Betrügereien mit Kreditkarten verhindern. Gemessen daran könnte ihre Einführung vielen Banken zu teuer sein.

Die MultiAccount Card hält sie für erfolgversprechender. „Sie wäre für Finanzdienstleister interessant, die sehr viele Karten ausgeben und dabei viele Kunden sowohl mit Debit- als auch mit Kreditkarte haben“, sagt Litan. Um Banken zu überzeugen, in eine noch nicht erprobte Technologie zu investieren, müsse sich ihr Einsatz aber deutlich rechnen.

Mullen räumt ein, dass die Dynamics-Karten in der Herstellung teurer seien als herkömmliche Karten. Die Zusatzkosten würden aber durch den Nutzen wettgemacht, ist er überzeugt. „Unsere Karten werden erheblichen Umsatz generieren, keine Kosten.“

Banken bieten für verschiedene Zielgruppen schon seit längerem unterschiedliche Karten an. Die Unterschiede beziehen sich aber auf Konditionen wie Versicherungen oder Bonussysteme für häufigen Gebrauch, nicht auf die Kartentechnologie selbst. Karten mit eigener Recheneinheit könnten noch viel mehr Geschäftsmodelle ermöglichen, sagt Mullen. Eine Kreditkarte etwa, die sich auch als Rabattkarte schalten lässt, könnte auch skeptische Kunden ermuntern, sich auf ein bestimmtes Kartenprogramm einer Bank einzulassen.

„In Feldversuchen sind in diesem Jahr bereits größere Mengen dieser neuen Karten getestet worden“, berichtet Mullen. Die Banken, mit denen Dynamics zusammenarbeitet, wollen in den kommenden Monaten ihre Pläne für die neuen Karten vorstellen. Praktisch sei, dass diese in die bestehende Infrastruktur aus Kartenlesegeräten und Bankautomaten passen würden, so Mullen. Das sei der entscheidende Vorteil gegenüber Karten, die mittels RFID-Chip kontaktlos funktionieren.

„Es gibt weltweit 16 Millionen Lesegeräte für Magnetstreifen von Plastikkarten“, betont Mullen. „Die zu ändern, ist nicht leicht, den Karten selbst ein Upgrade zu verpassen, hingegen schon.“

Dynamics experimentiert auch schon mit einem Display, das elektronische Tinte (etwa von E Ink) verwendet. Die Entwickler untersuchen zudem, ob sich auch größere Datenmengen bewegen lassen. Üblicherweise wird nur ein Drittel des Magnetstreifens für die Kartendaten genutzt. „Den Rest könnten Sie dazu verwenden, um zwischen Karte und Lesegerät Nachrichten auszutauschen“, sagt Mullen. (nbo)