Eine neue US-Computerchip-Fabrik ist nur vermeintlich ein Gewinn für Trump

Die USA versuchen, ihre globale Tech-Lieferkette zu entwirren und Huawei vom Zugriff auf moderne Siliziumchips auszuschließen. Das könnte nach hinten losgehen.

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(Bild: Taiwan Semiconductor Manufacturing Co., Ltd.)

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Am 15. Mai gab Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC), der weltweit größte Auftrags-Chiphersteller, bekannt, dass er in Arizona ein 12-Milliarden-Dollar-Werk errichten wird. Das voraussichtlich 2024 öffnende Werk soll 1.600 Mitarbeiter beschäftigen und indirekt Tausende weitere Arbeitsplätze schaffen.

Auf den ersten Blick scheint die Ankündigung ein Sieg für die Trump-Regierung zu sein, die versucht, ihre Technologie-Lieferkette von China unabhängig zu machen. Zum einen, indem sie ihre Hightech-Produktionskapazität aus Asien zurückholt, und zum anderen, indem sie chinesische Technologiegiganten wie Huawei von Fertigungsausrüstung und geistigem Eigentum aus den USA abschneidet. Stattdessen zeigt der TSMC-Deal, wie eng die Lieferketten der Länder tatsächlich miteinander verflochten sind.

TSMC ist einer von weltweit nur drei Herstellern, die die fortschrittlichsten Computerchips mit Transistoren von zehn Nanometern Größe oder weniger herstellen können. Die beiden anderen sind Samsung Electronics in Südkorea und Intel in den USA, wobei Intel seine Chips größtenteils für eigene Produkte reserviert. Chinas größter inländischer Chiphersteller, Semiconductor Manufacturing International Corp. (SMIC), schafft hingegen keine Chips mit kleineren Transistoren als 14 Nanometer.

Zu den größten Kunden von TSMC zählt neben Apple auch Huawei. Doch 2019 landete das chinesische Unternehmen mit 114 Tochter-Unternehmen auf der sogenannten Entity-Liste des US-Handelsministeriums. Damit dürfen US-Unternehmen ihre Technologie ohne spezielle Lizenz nicht diese Firmen verkaufen. Weil TSMC aber kein US-Unternehmen ist, hatte Huawei durch diese Regelungslücke weiter Zugriff auf die neuesten Chips für Smartphones, KI-Projekte und 5G-Netzwerke.

Doch schon wenige Stunden nach der Ankündigung des TSMC-Werks in Arizona versuchte das US-Handelsministerium, die Lücke durch eine Aktualisierung seiner Exportregeln zu schließen. Alle Nicht-US-Chiphersteller, die mit US-Herstellungsgeräten produzieren, brauchen nun ebenfalls eine spezielle Lizenz, um an Huawei verkaufen zu können. Da die USA eines der wenigen Länder sind, die das Design und die Produktion dieser hochpräzisen und teuren Fertigungsanlagen dominieren, waren TSMC und andere fortschrittliche Chiphersteller auf einmal doch von den Embargos betroffen. Das US-Handelsministerium hatte Huaweis Chipzufuhr effektiv unter seine Kontrolle gestellt. Wie der Nikkei Asian Review berichtet, nahm TSMC bereits am 18. Mai keine Huawei-Bestellungen mehr an.

"Ausrüstung für die Halbleiterfertigung ist die Schwachstelle der chinesischen Lieferkette", sagt Neil Thomas, Senior Research Associate bei der Denkfabrik Macro Polo. "Huawei kann zwar ebenso hochmoderne Chips entwerfen wie Apple. Aber China kann diese Chips nicht selbst fertigen."

In diesem Zusammenhang erhält das geplante Werk in Arizona zusätzliche Bedeutung. Denn als der für Huawei vorgesehene Schlag versehentlich auch TSMC traf, fiel dessen Aktienkurs zusammen mit dem anderer Huawei-Zulieferer um 2,5 Prozent. Einige Analysten gehen nun davon aus, dass das US-Handelsministerium TMSC doch eine Verkaufslizenz für Huawei gewähren wird, um das Unternehmen für die Durchführung seines 12-Milliarden-Dollar-Deals bei Laune zu halten.

Unklar ist, ob TSMC seine Bau-Ankündigung mit Kenntnis der bevorstehenden Änderung des Exportverbots machte. Doch die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dass die Entscheidung, das Werk in den USA anzusiedeln, im US-Handelsministerium bereits für gutes Wetter gesorgt hat.

Tatsächlich wird die geplante Chip-Anlage wenig dazu beitragen, die Abhängigkeit der USA von der Fertigung in Asien zu verringern. Mit 20.000 Wafern pro Monat wird sie nur einen kleinen Teil der 12 Millionen Wafer produzieren, die TSMC im letzten Jahr insgesamt hergestellt hat. Zudem werden bei ihrer Eröffnung die Fünf-Nanometer-Chips, die sie herstellen soll, nicht mehr der neueste Stand der Technik sein. TMSC plant bereits, in seinen Werken in Taiwan auf Drei-Nanometer- und noch kleinere Chips umzusteigen. Angesichts der Kapitalkosten und des Zeitaufwands für eine entsprechende Umrüstung des Arizona-Werks müssten sich die USA weiterhin auf Chip-Lieferungen aus Übersee verlassen, wenn sie die neuesten Entwicklungen wollen.

Das erweiterte Exportverbot könnte darüber hinaus weitere ungünstige Folgen für die USA haben. China sorgt bei einer Reihe von US-Halbleiterunternehmen für einen Löwenanteil des Umsatzes. Qualcomm etwa bezieht zwei Drittel seines Einkommens auf dem asiatischen Land. So könnten die ausfallenden Verkaufserlöse von Huawei und möglicherweise dem breiteren chinesischen Markt Innovationen bei den US-Chipherstellern verlangsamen.

Zudem hat der Handelskrieg China dazu veranlasst, mehr in seine Halbleiterindustrie zu investieren. Der größte inländische Chiphersteller SMIC erhielt etwa eine Finanzspritze in Höhe von 2,2 Milliarden Dollar.

China hofft, dass seine Chiphersteller innerhalb weniger Jahre den Stand der Technik einholen und eine eigene Lieferkette für modernste Computerhardware aufbauen kann. In der Zwischenzeit wird sich Huawei auf die TSMC-Chips verlassen, die es in Erwartung weiterer US-Beschränkungen seit einem Jahr einlagert. (vsz)