Elektro-Lkw-Startup Nikola soll Investoren getäuscht haben

Nikola kam im Juni 2020 an die Börse. Seit Manipulationsvorwürfen eines Leerverkäufers gibt es Ärger, nun auch mit der Staatsanwaltschaft.

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Das Bild zeigt das Model Nikola Two

(Bild: Nikola Motors)

Von
  • Florian Pillau

Kaum an der Börse, scheint Nikola in größeren Schwierigkeiten und nun auch im Clinch mit der Staatsanwaltschaft. Ein Leerverkäufer macht dem US-Startup-Unternehmen für Elektro- und Wasserstoff-Lkw den Vorwurf, seine Investoren über den Stand der Technik zu täuschen. Nikola droht daraufhin mit einer Anzeige wegen Börsenmanipulation.

Die im Juni 2020 ausgegebene Nikola-Aktie ist bis zuletzt stark gelaufen. Nun brach sie im nachbörslichen US-Handel am Montag um bis zu 20 Prozent ein: Die Investoren beunruhigt ein Bericht des Leerverkäufers Hindenburg Research vom vergangenen Donnerstag, der behauptet, Nikolas Technik sei noch nicht so weit entwickelt, wie es Videos glauben machen wollen: In den Präsentationen des Sattelschleppers Nikola One 2016 und 2018 zeigten die Filme antriebslos rollende Fahrzeuge, das Ganze sei ein "aufwendig inszenierter Betrug". Nikola sagt, der Antrieb funktioniert, sei nur eben noch nicht eingebaut gewesen, darum hätten sie das Auto rollen lassen.

Da Hindenburg selbst ein Akteur an der Börse ist, könnte das der Versuch sein, den Kurs der Nikola-Aktie zu beeinflussen. Nikola droht daher mit rechtlichen Schritten gegen Hindenburg und schaltete einen Anwalt ein, der sich laut Wall Street Journal am Freitag wegen des Berichts an die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) wandte. Nikola beschuldigt Hindenburg Research in seiner Stellungnahme gegenüber der SEC, die Vorwürfe erhoben zu haben, um den Markt in seinem Sinne zu manipulieren. Hindenburg habe zudem den Entwicklungsstand von Nikola "unterschätzt", zitiert die Wirtschaftsagentur Bloomberg das E-Mobilitäts-Startup.

Nun hat sich auch das US-Justizministerium eingeschaltet und eine eigene Untersuchung der Vorwürfe eingeleitet, wonach Nikola Investoren irreführende Behauptungen über seine Technologie vorgelegt haben soll. Wie das Wall Street Journal berichtet, arbeitet das Justizministerium dabei mit der SEC zusammen. Dabei prüfen US-Staatsanwälte in Manhattan Berichte, wonach Nikola seine Fortschritte bei der Entwicklung von Techniken für kommende Modelle falsch dargestellt hat. Sollten sich genügend Beweise für ein Fehlverhalten von Nikola finden, können Staatsanwaltschaft und SEC Strafanzeigen stellen.

Die Vorwürfe von Hindenburg sind nicht neu, einem Bloomberg-Bericht vom Juni zufolge habe Nikola nahegelegt, dass ein Modell des Nikola One fahrbar sei, obwohl das nicht der Fall war. Nikola reagierte daher auch mit rechtlichen Drohungen gegen Bloomberg.

Für General Motors (GM) ist seine Zusage einer 11-prozentigen Beteiligung an Nikola vom 8. September für die Entwicklung des batterieelektrischen Pickup GM Badger und eine Kooperation bei Batterien und Brennstoffzellentechnologie unter diesen Umständen möglicherweise peinlich. Noch steht GM-Chefin Mary Barra zur Entscheidung, mit Nikola zusammenzuarbeiten. Sie sagte dem Wall Street Journal: "Unser Unternehmen hat mit vielen verschiedenen Partnern zusammengearbeitet. Wir sind ein sehr fähiges Team, das die entsprechende Sorgfalt angewendet hat."

Auch bei Bosch wird man den Streit wohl aufmerksam verfolgen, er ist ein Kooperationspartner von Nikola. Heise Online gegenüber (in Technology Review 10/2020 vom 9. September 2020) erklärte Boschs Forschungsleiter Thomas Kropf: "Nikola ist einer unserer Entwicklungspartner, und Bosch wählt seine Partner sehr gewissenhaft aus. Bosch und Nikola haben den Brennstoffzellenantrieb ebenso wie das Fahrzeug-Chassis, in das er integriert ist, gemeinsam entwickelt."

Nikola arbeitet unter anderem an einem Wasserstoff-Brennstoffzellen-Sattelschlepper, der 750 Meilen pro Tankfüllung fahren kann, und einem batterieelektrischen Pritschenwagen mit einer Reichweite von 600 Meilen. Der erfolgreiche Börsengang des Unternehmens im Juni brachte dem Unternehmen eine Marktbewertung von 26,3 Milliarden US-Dollar. (fpi)