Elektro-SUV BMW iX: Serienmodell mit reichlich Leistung und riesiger Batterie

Nach unzähligen Studien zeigt BMW das Serienmodell des iX - ein großes E-SUV mit reichlich Leistung und riesiger Batterie, was zu einem üppigen Gewicht führt.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 1027 Beiträge

Der BMW iX wird ein großes, schweres, leistungsstarkes und weitreichendes SUV.

(Bild: BMW)

Von
  • Martin Franz

Klappern in eigener Sache gehört bekanntermaßen zum Handwerk. BMW war diesbezüglich bislang keiner der Lautesten, doch beim geplanten Elektro-SUV iNext ist alles anders. Seit geraumer Zeit werden informelle Häppchen in Form von technischen Details und Studien gereicht, die einen Vorgeschmack auf das Serienmodell liefern sollen. Nun wird das Tuch vom finalen BMW iX gezogen – und dennoch bleibt die Marke zurückhaltend. Das hat taktische Gründe.

Der wichtigste liegt auf der Hand. Obwohl heute das endgültige Design des Serienmodells gezeigt wird, soll das Auto erst in rund einem Jahr auf den Markt kommen. Das ist, zumindest für BMW-Verhältnisse, eine ungewöhnliche lange Frist. Warum die BMW-Leute die statische Premiere so weit vorgezogen haben, wissen wir nicht. Fest steht dagegen, dass die technische Entwicklung längst nicht abgeschlossen ist. Das wäre auch verwunderlich, denn in den Bereichen Batterie und autonomes Fahren gibt es derzeit rasanten Fortschritt. Was momentan aktuell ist, würde schon zum geplanten Marktstart des BMW iX nicht mehr so recht frisch wirken.

BMW iX Elektro SUV - Innenausstattung (Herstellervideo) (Quelle: BMW)

Ein Beispiel dafür benennt BMW ganz konkret. Das vom ehemaligen Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich lautstark ausgerufene hoch automatisierte Fahren der Stufe drei bleibt ebenso wie bei der Mercedes S-Klasse zunächst einmal außen vor. „Technisch verfügt der BMW iX über alle Möglichkeiten für Stufe drei“, erläutert Fröhlichs Nachfolger Frank Weber. Doch zum Marktstart im Herbst 2021 gibt es voraussichtlich erst einmal nur das, was aktuell die meisten Fahrzeuge können.

Die Hersteller sind allgemein mit ihren Vorhersagen bei diesem Thema zurückhaltender als noch vor ein paar Jahren. Der Aufwand steigt mit jeder Stufe des autonomen Fahrens ganz enorm, und nicht jeder ist sich sicher, ob er sich die Investitionen auf dem Markt zurückholen kann. Diese Technik wird kein Selbstläufer.

Deutlich forscher geht BMW die Bereiche Materialmix und Design an. Die Karosseriestruktur des iX besteht aus Karbon, der beim Öffnen der Türen sichtbar zur Schau gestellt wird. Dazu gibt es im Vorderwagen und dem Rahmen des Akkupakets einen Alu-Spaceframe für maximalen Insassenschutz. Man darf sich angesichts des Aufwandes, den die Bayern diesbezüglich betreiben, schon fragen, was der iX mit einem konventionellen Materialmix auf die Waage gebracht hätte. Denn trotz der kostspieligen Zusammenstellung bleibt ein Leergewicht von 2,5 Tonnen.

Der Ressourceneinsatz ist also gewaltig und wischt mit einem Zug die Vorstellung vom Tisch, hier könnte es sich um einen wirksamen Beitrag des Individualverkehrs handeln, die Umwelt möglichst wenig zu schädigen. BMW darf sich aber sicher sein, dass dieser Punkt für die anvisierte Kundschaft nur eine nachrangige Rolle spielt. Andernfalls hätte sie sich mit dem Kauf eines Fünf-Meter-SUVs vermutlich eher nicht beschäftigt.

BMW ist in gestalterischer Hinsicht in der jüngeren Vergangenheit den Weg der Polarisierung gegangen. Zeitlose, zierliche oder gar zurückhaltende Formen haben bei der Marke gerade keine Majorität, die gewaltigen Nüstern an 7er und 4er belegen das, nun ja, eindrucksvoll. Auch der iX ist keiner, der spontan Mehrheiten hinter sich versammeln wird. Die Front mit ihren schmalen Scheinwerfern wirkt aggressiv, was natürlich kein Zufall ist. Sanfte Kanten an den Radläufen fallen erst auf den zweiten Blick auf, ganz anders also als beim neuen Hyundai Tucson. Als erster BMW hat der iX keine konventionellen Türgriffe mehr. Wer etwas Versöhnliches sucht: Das Heck hat deutlich weniger Falten als viele andere aktuelle BMW-Modelle.

BMW iX Karosserie (8 Bilder)

Nach vielen Studien enthüllt BMW nun das finale Design des iX.

Einst pries BMW die Vorzüge eines fahrerorientierten Armaturenbretts, doch das ist lange vorbei. Wohin die Reise geht, zeigt der kantig-kühle Innenraum des iX. Auf den mit Alcantara bezogenen Träger setzt BMW ein breites Display-Brett. Was vor ein paar Jahren noch Rundinstrumente waren, sind nun nach außen weisende Pfeile. Das Zweispeichen-Lenkrad ist nicht mehr nur unten abgeflacht, sondern auch oben. Vor der Mittelarmlehne findet sich eine schwebende Bedieneinheit mit virtuellen Tasten in offenporigem Holz – ganz ähnlich dem, was Honda auch im Kleinwagen e gezeigt hat.

BMW iX Innenraum (7 Bilder)

Das BMW-typische, fahrerorientierte Armaturenbrett ist schon länger Geschichte. Der iX ist innen kühl gestaltet.

Getrennt haben sich die Gestalter von den frei belegbaren Favoritentasten, mit denen sich die Wege zu häufig genutzten Funktionen so wunderbar abkürzen ließen. Wie andere Marken setzt auch BMW darauf, dass sich die Kundschaft mit der Sprachsteuerung durch den Alltag kämpft. Da auch in diesem Bereich stetige Fortschritte zu vermelden sind, wird der Verlust so perspektivisch möglicherweise weniger schmerzlich als es aktuell scheint.

Noch recht bedeckt gibt sich BMW bei den technischen Details zum Antrieb, was der langen Vorlaufphase bis zum Verkaufsstart geschuldet sein dürfte. Fest stehen nur einige wenige Eckdaten, und selbst bei denen bleibt BMW im Ungefähren. Die Antriebsleistung soll bei 370 kW liegen, Allradantrieb ist Serie. Die Batterie soll etwas mehr als 100 kWh bieten, die maximale Ladeleistung liegt bei mehr als 200 kW. BMW rechnet mit einem Normverbrauch von rund 21 kWh/100 km, als Reichweite werden mehr als 600 km versprochen. Zur Erinnerung: Vom Verbrauch im WLTP lässt sich bei Elektroautos nicht einfach auf die Reichweite hochrechnen – warum, hat Christoph M. Schwarzer in folgendem Beitrag ausführlich erklärt:

Lesen Sie dazu auch

BMW hat mit dem iX natürlich nicht den Massenmarkt im Visier. Das Auto wird etwas voluminöser als ein gewiss nicht zierlicher BMW X5, er dürfte dem BMW X7 nahekommen. Gerade die solvente Käuferschaft in Asien und Amerika wird die Größe als Vorteil erachten. In Deutschland darf mit einem Einstiegspreis von rund 100.000 Euro gerechnet werden. Damit hält der iX einen gehörigen Abstand zum iX3, der aktuell ab knapp 65.000 Euro zu haben ist. Ins Gehege werden sie sich aber auch abseits der finanziellen Belange eher nicht kommen. Denn der iX3 ist in jeder Hinsicht ein aktuelles Auto – und keines, das versucht, wie aus der Zukunft zu wirken.

(mfz)