Elektroauto Toyota bZ4X: Konservativ auf Höhe der Konkurrenz

Das erste Elektroauto von Toyota wird vergleichsweise zurückhaltend angepriesen, was die Daten angeht. Doch der bZ4X ist nicht zu unterschätzen.

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Die Serienversion des Toyota bZ4X weicht kaum von der im April gezeigten Studie ab. Das batterieelektrische SUV kommt Mitte 2022 auf alle wichtigen Weltmärkte und konkurriert mit Tesla Model Y, Volkswagen ID.4 und Hyundai Ioniq 5.

(Bild: Toyota)

Von
  • Christoph M. Schwarzer
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Toyota hat technische Details zum batterieelektrischen bZ4X veröffentlicht. Ab Mitte 2022 soll das SUV auf allen relevanten Weltmärkten angeboten werden. Der bZ4X ist das elektrische Pendant zum RAV4, einem der meistverkauften Autos überhaupt. Er konkurriert in Deutschland mit dem VW ID.4 und dessen Derivaten bei Audi und Skoda, mit dem Tesla Model Y und dem Hyundai Ioniq 5.

Dem bZ4X sollen bis 2025 sechs weitere batterieelektrische Autos folgen. Der Riese ist erwacht. Wie immer bei Toyota stehen Verlässlichkeit, Sicherheit und Dauerhaltbarkeit mehr im Vordergrund als maximale Performance: Peace of mind, der Seelenfriede des Kunden, ist traditionell ein elementares Ziel der japanischen Marke.

So garantiert Toyota für die Batterie 90 Prozent der Ausgangskapazität über zehn Jahre oder 240.000 Kilometer. Zum Vergleich: Bei den meisten Wettbewerbern sind es 70 Prozent über acht Jahre und 160.000 km. Das ist ein wesentlicher Unterschied für Käufer, die eine Haltedauer über den üblichen Leasingzeitraum hinaus planen. Auch der Wertverlust könnte geringer ausfallen. Toyota hat im Joint-Venture mit Panasonic jahrzehntelange Erfahrung im Batteriemanagement. Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Betriebsstrategie vorsichtig ausfällt, um die NCM-Zellen zu schonen. Die vereinbarte Kooperation mit BYD wiederum deutet darauf hin, dass kommende bZ-Modelle mit preisgünstigen LFP-Zellen ausgerüstet werden.

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Für den bZ4X nennt Toyota einen Energiegehalt von 71,4 kWh (Hyundai Ioniq 5: 72,6 kWh, VW ID.4: 77 kWh). Die Spannung des Batteriesystems liegt mit 355 Volt vergleichsweise niedrig. Die Ladeleistung bei Gleichstrom beträgt bis zu 150 kW. Mit Wechselstrom sind es lediglich 6,6 kW. Ob Toyota für den europäischen Markt ein dreiphasiges AC-Ladegerät als Option anbieten wird, ist unklar. Auch der Ladestandard wird nicht konkret genannt; es ist allerdings davon auszugehen, dass der Konzern aller Staatsraison zum Trotz vom japanischen Chademo abweicht und den hier üblichen CCS einsetzt: Die Pressefotos zeigen eine CCS-Buchse. Wäre das nicht der Fall, müsste man wie beim Lexus UX300e von einem Abwehrangebot sprechen. Mit Chademo wäre der bZ4X praktisch unverkäuflich.

Toyota bZ4X (7 Bilder)

Der bZ4X ist nur der Anfang: Bis 2025 werden sechs weitere batterieelektrische Autos eingeführt. Toyota profitiert dabei von der millionenfachen Erfahrung mit Hybridautos sowie dem gewachsenen Joint-Venture mit Panasonic. Auch eine Kooperation mit BYD aus China ist vereinbart.

Toyota reklamiert eine praxistaugliche Reichweite auch im Winter, wozu unter anderem eine serienmäßige Wärmepumpe beitragen soll. Im Sommer kann ein optionales Solardach Strom für "bis zu 1800 km im Jahr" produzieren (Hyundai beim Ioniq 5: "2000 km").

Beim Antrieb gibt es zwei Varianten: Eine mit Frontantrieb und 150 kW starkem Synchron-Elektromotor und eine mit Allradantrieb vom Partner Subaru, wo der bZ4X baugleich als Solterra vertrieben wird. Beim AWD leisten die beiden Elektromotoren an der Vorder- und Hinterachse je 80 kW, woraus sich in Summe 160 kW ergeben. Die Beschleunigung auf 100 km/h beträgt beim Fronttriebler 8,4 Sekunden und beim AWD 7,7 Sekunden. Mit diesen Werten dürfte sich der Toyota auf dem Drag Strip ganz hinten einordnen – Seelenfrieden ist wichtiger als Performance, siehe oben.