Elektroautos im Alltagstest: Kein Umsteiger will zurück zum Verbrenner

Elektroautos wachsen rasant aus ihrer Nische in den Massenmarkt. Welche Erfahrungen machen Autofahrer, die vom Verbrenner in ein Elektromodell wechseln?

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Seat Mii electric

(Bild: Jessica Franz-von Ahn)

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  • Jessica Franz-von Ahn
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Über viele Jahre waren Elektroautos in einer Nische für Nerds, die sich mit dem Thema intensiv beschäftigt haben. Sie waren vielfach Idealisten und bereit, alle Begleiterscheinungen mitzutragen, die der Betrieb eines Autos abseits der Massenbewegung eben mit sich bringt. Das ist vorbei. Die Zulassungszahlen von elektrifizierten Autos schnellen in die Höhe, befeuert von Subventionen, bei denen sich nicht nur Kritiker fragen, wie lange sich das in dieser Höhe wohl durchhalten lässt.

Soll ein Konzept die Außenseite verlassen und sich an die Masse der Autonutzer wenden, muss es zwangsläufig auch jene ansprechen, die nicht mit Feuer und Flamme für das Thema brennen, sondern einfach nur mit dem Auto von A nach B kommen wollen. In dieser Hinsicht hat sich eine Menge getan, sowohl bei den Elektrofahrzeugen selbst wie auch bei der Infrastruktur. Wie empfinden die Fahrer das? Heise/Autos hat sich darüber mit zwei Neueinsteigern und einem langjährigen E-Autofahrer unterhalten.

Als Vater von zwei Kindergartenkindern und einem Grundschüler fährt Felix seit ein paar Monaten einen Seat Mii electric. Christin lebt alleine und hat ein Auto-Abo abgeschlossen: Für 13 Monate fährt sie einen Fiat 500e Icon. Auch Bernhard wohnt für sich in einem Haus. Er besitzt gleich zwei E-Autos: einen VW e-Golf von 2014 und ein Tesla Model 3, Baujahr 2019.

Sie eint, dass die Voraussetzungen für sie nicht besser sein können. Dazu gehört vor allem die Möglichkeit, zu Hause laden zu können. Gleichzeitig ist das Auto für die drei Dorfbewohner weitgehend alternativlos: Der öffentliche Nahverkehr streift ihren Wohnort selten. Alle nutzen ihre Fahrzeuge, um zur Arbeit zu kommen. Längere Strecken am Stück fährt nur Bernhard. Felix und Christin nutzen ihr Auto lediglich auf kurzen Distanzen.

Felix, du fährst seit April 2021 einen Seat Mii electric mit 61 kW. Warum hast du dir ein E-Fahrzeug gekauft?

Felix: Für mich hatte es ökologische Gründe. Außerdem war der finanzielle Anreiz aufgrund der Förderung ausschlaggebend für den Kauf. Die Möglichkeit, Strom vom eigenen Dach zu tanken, fasziniert mich immer noch.

Du hast drei Kinder. Warum hast du den kleinen Mii electric gewählt?

Felix: Ich fahre täglich 17 Kilometer zur Arbeit und zurück. Zwei meiner Kinder kann ich mit dem Auto problemlos in den Kindergarten bringen, der Große fährt mit dem Schulbus und braucht mich als Chauffeur nicht mehr. Für meine Bedürfnisse an Größe und Ausstattung genügt der Mii vollkommen.

Der Seat Mii electric ist inzwischen ausverkauft. Alle zum geplanten Produktionsende gebauten Autos sind schon geordert.

Der Mii hat sich so ergeben; er war gerade verfügbar. Das ist bei Autos dieser Klasse ja nicht selbstverständlich. Ich hatte vorher einen Skoda Fabia, Baujahr 2007, der fast 200.000 Kilometer runter hatte. TÜV hatte er noch für ein Jahr, aber zunehmend mussten wir Kleinigkeiten reparieren lassen, was ins Geld ging. Akut suchten wir kein neues Fahrzeug. Aber weil sich der Mii gerade angeboten hatte, haben meine Frau und ich es angenommen.

Christin, für welches Modell hast du dich entschieden? Und warum?

Christin: Ich fahre einen Fiat 500e Icon mit 87 kW. Und das erst seit dem 7. Juli 2021. Davor hatte ich einen Opel Corsa, Baujahr 2002. Er war schon ziemlich verrostet und hätte keine neue TÜV-Plakette mehr bekommen. Ihn für zwei weitere Jahre fit zu machen, lohnte nicht mehr.

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Bernhard, du hast gleich zwei E-Autos. Welche sind das genau?

Bernhard: Ich habe seit sieben Jahren einen e-Golf der ersten Generation. 2019 kam dann noch ein Tesla Model 3 Long Range hinzu. Vom elektrischen Fahren war ich vom ersten Tag an begeistert.

Du gehörtest ja mit dem e-Golf zu den Ersten, die ein Elektrofahrzeug fahren. Warum hast du ihn genommen?

Bernhard: Ja, ich war wohl einer der ersten privaten e-Golf-Besitzer in Südostbayern und die Dame auf der Zulassungsstelle sagte mir, es sei für sie bei der Anmeldung das erste Elektrofahrzeug überhaupt. Ich hatte mich 2011 zunächst für einen Elektro-Smart interessiert. Dann zogen doch noch einige Jahre dahin und es wurde der e-Golf. Er ist etwas größer und komfortabler.

Ich wollte immer schon ein Auto besitzen, das mit Strom von der Photovoltaik-Anlage fahren kann. Ich hatte zunächst nur eine auf meinem Hausdach und anfangs habe ich von meinem Haus ein Verlängerungskabel zum Auto gelegt, um es zu laden. Das haben manches Mal die Sicherungen nicht mitgemacht. Ein Jahr später habe ich dann ein Carport mit Solardach und Wallbox gebaut.

2019 hast du dir den Tesla Model 3 gekauft. Warum den?

Bernhard: Das Tesla Model 3 hatte ich schon 2017 vorbestellt, es dauerte aber noch zwei Jahre länger bis es auch in Europa lieferbar war. Bis zu dieser Zeit hatte ich noch einen VW Bus als Zweitfahrzeug und zum Betrieb mit einem Anhänger. Da der Tesla eine Anhängerkupplung hat, habe ich den Bus verkauft und fahre nun rein elektrisch. Das hat auch mit meinem Lebenskonzept zu tun: Es macht mir Freude, möglichst autark zu leben. So wie es mir Spaß macht, aus dem eigenen Garten Lebensmittel zu ernten oder das Regenwasser zu sammeln, so gefällt mir, die Energie für meine Mobilität selbst herzustellen.

Bernhard fährt seit Jahren elektrisch. Die Jahresfahrleistung liegt insgesamt bei rund 50.000 Kilometern.

Wie es aussieht, sind die Fahrzeugbatterien auch recht langlebig. Nach 170.000 gefahrenen Kilometern liegt die Reichweite beim e-Golf inzwischen bei 100 bis 140 Kilometern, ursprünglich waren es 130 bis 190. Das ist für meine kurzen Strecken zum Einkaufen und zur Arbeit ausreichend. Der Tesla hat eine Reichweite von über 400 Kilometern und aufgrund der großen Akkukapazität ist hier wohl eine Laufleistung von mehr als einer halben Million Kilometern zu erwarten.

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Bist du zufrieden mit deinen Elektrofahrzeugen?

Bernhard: Ja. Die Autos sind sehr zuverlässig und weitgehend wartungsfrei. Auch deshalb würde ich mich wieder für ein Elektroauto entscheiden. Beim e-Golf hatte ich im Lauf der vergangenen sieben Jahre lediglich einige kleinere Reparaturen: ein defektes Radlager, eine gebrochene Feder und das Schloss der Heckklappe. Einmal brauchte er neue Bremsscheiben, die alten waren einfach verrostet. Das Rekuperieren führt dazu, dass die Bremsen wenig benutzt werden.