Ersatzteile selber basteln

Eine große Netzsammlung an Dateien für 3D-Drucker soll Nutzer anleiten, defekte Produkte nicht einfach wegzuwerfen.

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Ersatzteile selber basteln

(Bild: 3D-Druck & Reparatur)

Von
  • Ben Schwan

Der Trend geht bekanntermaßen zu mehr Nachhaltigkeit. Kunden wollen die von ihnen erworbenen Produkte nicht mehr einfach wegwerfen, nur weil ein kleines Teil defekt ist oder verloren wurde. Das schont das Klima und die Umwelt und sorgt für weniger Plastikmüll.

Doch der Wunsch, lieber zu reparieren statt zu ersetzen, scheitert gerade bei elektronischen Geräten häufig an fehlenden Ersatzteilen – die Hersteller bieten sie nicht (mehr) an oder sie sind zu teuer. Das Sustainable Design Center e.V. aus Berlin, das sich nachhaltiger Gestaltung widmet, stellt mit dem Projekt 3D-Druck & Reparatur eine kostenlose Datenbank mit 3D-Druckdaten zur Verfügung, die das Problem angehen soll.

Die Idee: Ist ein Montagewinkel defekt, fehlt eine Rohrmanschette oder ist die Klemme des Fotostativs angeknackst, soll die Datenbank die Druckdaten für das passende Zubehör liefern. Das Ersatzteil kann dann auf dem heimischen 3D-Drucker hergestellt werden.

Die Auswahl wächst.

(Bild: 3D-Druck & Reparatur)

Das Forschungsvorhaben ist inzwischen abgeschlossen, die Datenbank ist aber weiter verfügbar – und Interessierte sind eingeladen, eigene 3D-Druck-Daten zu produzieren. Im Rahmen des Projekts sind außerdem Unterlagen für einen Workshop entstanden, mit dem sich Menschen selbst beibringen können, wie sie mit ihrem 3D-Drucker zum Selbstreparateur werden.

3D-Drucker sind allerdings noch immer keine Alltagsgeräte, obwohl sie im Preis stetig sinken. Die Geschwindigkeit des Drucks ist bei günstigerer Hardware noch vergleichsweise gering, der Umgang mit den notwendigen Materialien und der Software nicht für jedermann geeignet.

Ein 3D-Drucker ist eine praktische Sache.

(Bild: 3D-Druck & Reparatur)

Dennoch ziehen die Macher von 3D-Druck & Reparatur insbesondere zu den von ihnen veranstalteten Workshops ein positives Fazit. "Es wurden 3D-Drucker gemeinschaftlich genutzt und Know-how geteilt, um 3D-gedruckte Ersatzteile herzustellen", schreiben sie, "durch das Mitverfolgen der Abläufe der Reparatur mit Hilfe des 3D-Drucks und das Ausprobieren wurden Zweifel gegenüber den Potentialen der 3D-Drucktechnik größtenteils abgebaut".

Was weniger gut geklappt hat, war die Vernetzung von Reparaturbetrieben im Rahmen des Projekts – mit Ausnahme von "Überzeugungstätern", die ein eigenes Interesse an Ressourcenschonung haben, so die Macher. "Viele Betriebe waren aus Zeitmangel oder weil sie keinen direkten finanziellen Vorteil in der Reparatur mit Hilfe des 3D-Druck sahen, nicht interessiert."

Fertige Bauteile, hier für ein Hifi-Gerät.

(Bild: 3D-Druck & Reparatur)

Auch die Hersteller von Elektrogeräten seien schwer zugänglich gewesen. "Viele Unternehmen haben sich schon mit dem Thema 3D-Druck, vereinzelt auch 3D-gedruckter Ersatzteile auseinandergesetzt, sich jedoch, was beispielsweise den offenen Zugang ihrer Ersatzteildateien oder den Nachdruck ihrer Teile angeht, eher skeptisch geäußert." Als ein Grund seien hier auch rechtliche Fragen wie zur Haftung für die 3D-gedruckten Ersatzteile genannt worden. "Trotzdem bestand vereinzelt Interesse an der Zielgruppe aus der Do-it-yourself-Bewegung."

(bsc)