Erste Ausfahrt im Elektroauto BMW i4: Ein Kurven-Star?

Die Limousine i4 soll jene BMW-Kunden einsammeln, die elektrisch fahren, aber kein SUV wollen. Das Handling soll den Atem rauben.

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Die Produktion des BMW i4 soll noch in diesem Jahr anlaufen. Unsicher ist, ob die ersten Auslieferungen auch noch 2021 anlaufen.

Von
  • Stefan Grundhoff

Mutig waren sie, die Verantwortlichen, als sie 2013 den technisch spannenden i3 auf den Markt brachten, der so gar nicht ins restliche Sortiment der Bayern passt. Ob das eher zögerliche Interesse der Kundschaft war, das den nächsten Anlauf in Richtung Elektromobilität mit derart viel Vorlaufzeit versah, wissen wir nicht. Fest steht dagegen, dass der neuerliche Versuch nicht nur breiter angelegt ist, sondern auch da ansetzt, wo global betrachtet Stückzahlen gemacht werden. Es wird mutmaßlich eine Menge Menschen geben, die es bedauerlich bis bedenklich finden, dass das eben nicht im Bereich der automobilen Askese stattfindet, sondern in vergleichsweise großen und schweren Modellen.

BMW plant zusätzlich zu inzwischen zahlreichen Plug-in-Hybriden, die schon auf dem Markt sind, eine Reihe von batterieelektrischen Fahrzeugen. IX3 und iX sind SUVs, und um deren globalen Absatz muss sich BMW wohl nicht sorgen. Sie werden durch ihr zeitgenössisch wuchtiges Äußeres ziemlich sicher Abnehmer finden. Eine andere Zielgruppe soll der i4 ansprechen – eine batterieelektrische Limousine, deren Premiere für den Juni geplant ist. Ob es dabei bleibt, ist ungewiss, die Corona-Pandemie hinterlässt auch hier ihre unschönen Spuren. BMW äußert sich nur noch vage: Die Produktion des i4 soll noch in diesem Jahr anlaufen. Das Werk in München wurde schon in der Sommerpause 2020 so umgerüstet, dass der i4 neben 3er und 4er auf einer Strecke gefertigt werden kann.

Aktuell absolviert die Limousine letzte Abstimmungsfahrten, auf denen Kleinigkeiten noch aussortiert werden sollen. Bei einer ersten Mitfahrt in einem seriennahen Prototypen auf einem Testgelände nahe München wird deutlich, dass der i4 klassische BMW-Tugenden mitbringt. Luftfedern hinten sind Serie, ein adaptives Fahrwerk wird es nur gegen Aufpreis geben. Das Entwicklungsteam legt Wert darauf, dass der i4 nicht nur schnell geradeaus fahren kann, sondern ein Handling bietet, das einem den Atem rauben soll.

Vom Beifahrersitz kann man das nur bestätigen, denn der Schub ist aus dem Stand gewaltig, doch erst im Grenzbereich zeigt das gut zwei Tonnen schwere Mittelklassemodell, was es kann. In einer Kurvenkombi hat der i4 vor dem Anbremsen mehr als Tempo 170 drauf. Die Karosserie wankt nicht spürbar, wohl vor allem aufgrund des niedrigen Schwerpunkts. Der erste Eindruck: Diese Limousine dürfte bei der Fahrdynamik ganz vorn mitspielen.

BMW i4 2021 (6 Bilder)

Der i4 soll jene Kunden ansprechen, die das traditionelle Markengefühl suchen und deshalb mit dem Format SUV fremdeln.

Geplant sind zunächst zwei Antriebe. Das Basismodell mit Hinterradantrieb soll schon 200 kW bieten, die größere Ausbaustufe 350 kW. Da dürfte noch nicht Schluss sein, denn ein M-Modell wird ziemlich sicher folgen. Keine Frage, schon mit dem Einstiegsmodell beschleunigt der i4 beeindruckend rasant, die stärkere Version atemberaubend. Als Speicher ist eine Batterie mit 80 kWh Energiegehalt vorgesehen, mit der im WLTP eine Reichweite von rund 600 km zu schaffen sein soll. Gespannt darf man sein, was die maximale Ladeleistung anbelangt. Alles unter 150 kW wäre eine ziemliche Überraschung, mit der wir nicht rechnen. Die Ladekabel finden in einem 38 Liter großen Fach unter dem Kofferraum Platz.

Im Innenraum sind die Überreste früherer Notwendigkeiten schemenhaft noch zu erkennen. Dazu zählt vor allem ein erstaunlich breiter Mitteltunnel. Dort war früher ein vielstufiges Getriebe untergebracht, das in dieser Form im i4 unnötig ist. Hier hätte man sich vorstellen können, den Platz für die Besitzer in der ersten Reihe zu schaffen. Anders als Mercedes bislang winkelt BMW den rechten Teil der Displayfront zum Fahrer hin leicht an. Die Zahl der Knöpfe zur direkten Bedienung wird weiter reduziert. Wer sich mit der immer besseren Sprachsteuerung nicht anfreunden mag, wird es perspektivisch ziemlich schwer haben, auch wenn es weiterhin einen Dreh-Drück-Steller und vermutlich auch weitgehend frei belegbare Favoritentasten geben wird.

BMW i4 Studie (6 Bilder)

Es mag auf manche Menschen verstörend wirken, doch sie müssen ...

BMW verkündet einst die Lehre vom Maßanzug, den man nur so groß wie unbedingt erforderlich wählt. Diese Zeiten sind vorbei und wurden ersetzt durch eine gewisse Großzügigkeit. Auf den Bildern der Studie wirkt das Auto ziemlich weitläufig und luftig, ein Eindruck, der durch eine weiße Auskleidung und ein riesiges Glasdach gefördert wird. Das Serienmodell rückt den Eindruck dann wieder zurecht, doch vier Erwachsene können bequem reisen. Stoffsitze soll es im i4 nicht mehr geben, der Kunde hat die Wahl zwischen (Teil-)Ledersitzen, Alcantara und einem veganen Bezug. Der Laderaum fasst 470 bis 1290 Liter.

BMW i4 Studie Innenraum (7 Bilder)

Auch der Innenraum der Studie dürfte dem Serienmodell grundsätzlich stark ähneln.

Noch ist es viel zu früh, um über Preise zu spekulieren, wobei klar sein dürfte, dass BMW, ganz gemäß des eigenen Anspruchs, sich an eine solvente Zielgruppe wenden wird. Wer das noch aktuelle BMW 4er Gran Coupé mit 185 kW, Leder und großem Infotainment versieht, hat 50.000 Euro bereits deutlich überschritten. Da BMW kaum im Sinn haben wird, sich das Geschäft mit den Verbrennern früher als gedacht zu demolieren, wird der Basis-i4 mit 200 kW, serienmäßigen Ledersitzen und Giga-Infotainment kaum weniger als 60.000 Euro kosten. Anders als beim i3, der keinen direkten Nachfolger bekommt, können die Bayern wohl trotzdem mit einer regen Nachfrage rechnen.

(mfz)