Ethereum: Ohne Gründer besser dran

Vitalik Buterin, der die populäre Kryptowährung erfunden hat, meint, dass sie künftig nicht mehr von ihm abhängen sollte. Nur dann sei ein echt dezentrales Digitalgeld möglich.

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(Bild: PD)

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Wenn man den erst 24jährigen Kryptowährungsspezialist fragt, welche Herausforderungen das Blockchain-System, dass er vor fünf Jahren gegründet hat, als nächstes bewältigne muss, bekommt man als erstes ein minutenlanges Seminar zu hören, das gespickt ist mit Jargon-Begriffen. Man merkt, wie begeistert Vitalik Buterin von seiner Kreation auch heute noch ist. Spricht man den Ethereum-Gründer jedoch darauf an, welche Rolle er für sich selbst bei der Weiterentwicklung der Technik sieht, wird er eher einsilbig und vor allem vorsichtig.

Der junge Mann ist noch immer der Leuchtturm in einer idealistischen Gemeinde von Kryptoexperten, die sich weltweit um Ethereum gescharrt hat. Zu sehen war dies zuletzt in Prag, als es zu einer Art Familientreffen der Community kam: Diesen Herbst trafen sich Tausende Entwickler, Investoren und Unternehmen zur "Devcon", einer Konferenz, die von der gemeinnützigen Ethereum Foundation veranstaltet wird.

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Das populärste Diskussionsthema war "Ethereum 2.0", eine zukünftige Version der hinter der Währung stehenden Software, die auch dann noch ausreichend effizient arbeiten soll, wenn es deutlich mehr Nutzer und zu verarbeitende Transaktionen gibt. Am Rande der Devcon sagte Buterin gegenüber Technology Review außerdem, dass es für ihn selbst Zeit werde, sich langsam in den Hintergrund zu verabschieden. "Das ist ein notwendiger Vorgang im Rahmen des Wachstums der Community."

Warum? Ganz einfach, erklärt Buterin. Ein echtes dezentrales System hat keinen "Single Point of Failure", der zum Zusammenbruch führen kann. Doch der große Einfluss, den Buterin traditionell über die Entscheidungsprozesse bei Ethereum hat, könnte als ein solcher gelten. Das soll sich nun ändern: Teilweise wegen des natürlichen Wachstums der Gemeinde, teilweise durch die bewusste Entscheidung des Ethereum-Gründers, seine Wichtigkeit zu reduzieren.

"Ich glaube, die Leute merken das wirklich", sagt er mit Blick auf die Twitter-Diskussion zum Thema, die am ersten Tag der Devcon die Smartphones der Teilnehmer beherrschte. "Es gab sogar einen Kommentar, der explizit sagte, dass die Community es mittlerweile schaffen kann, zusammenzuarbeiten, ohne dass nur ein paar Leute an der Spitze stehen."

Buterin selbst habe sich bereits "in vielen Bereichen" aus den Entscheidungsprozessen herausgezogen. Das meint auch Hudson Jameson von der Ethereum Foundation, die die Entwicklung des Ethereum-Protokolls unterstützt. Bei einem Panel zum Thema kollektive Entscheidungsfindung der Community sagte er, dies sei etwas, das für das Ökosystem "wirklich wichtig" sei. Nur so könne die gewünschte Dezentralisierung von Ethereum funktionieren.

Die Veränderung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Bei Ethereum müssen eine komplexe technische Hürden genommen werden, die aktuell noch eine breite Anwendung der Kryptowährung und ihrer Möglichkeiten zu verhindern scheinen. Ganz oben auf der Liste steht eine ambitionierte Wegentwicklung vom sogenannten Proof-of-Work-Verfahren – jenem energieintensiven (und umweltschädlichen) Prozess, der von Ethereum, Bitcoin und anderen Blockchain-System verwendet wird, um sicherzustellen, dass Informationen, die Teilnehmer in ihren Blockchains speichern, wirklich valide sind.

Seit Jahren forscht Buterin schon daran, eine bessere Alternative zu Proof-of-Work-Verfahren zu finden. Dabei soll ein neuer Algorithmus verwendet werden, der das sogenannte Proof-of-Stake-Konzept verwendet, das wesentlich energieeffizienter arbeitet.

Buterin ist außerdem zentrale Figur bei der Entwicklung neuer Methode wie dem Sharding oder von Plasma, beides Ideen, die es dem Netzwerk erlauben sollen, größere Transaktionsvolumina zu verarbeitet, indem Nutzer bestimmte Transaktionen ausführen können, ohne dass jede einzelne in der Blockchain landen muss. Derzeit kann Ethereum nur ungefähr 15 Transaktionen pro Sekunde verarbeiten, was sehr wenig ist. Kreditkartensysteme wie Visa kommen mit 2000 Transaktionen pro Sekunde klar, könnten jedoch auch zehntausende unterstützen.

All diese Verbesserungen sollen in Ethereum 2.0 vorhanden sein. Noch ist Buterin hier zentrale Figur bei der Aufstellung der Spezifikation und ihrer Umsetzung. Doch er meint, seine Involvierung in dem Projekt repräsentiere mittlerweile einen deutlich kleineren Anteil der Arbeit, die ich vor zwei oder drei Jahren erledigt habe. "Bei der Reduktion meines Einflusses machen wir also sehr große Fortschritte", meint er.

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