Ethische Säulen einer verantwortungsvollen digitalen Transformation

Die Digitalisierung führt zu großen Veränderungen der Gesellschaft. Zertifizierungen und Standards können dabei helfen, wertebasierte Technologien zu fördern.

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(Bild: Adobe Stock; Montage iX; Lisa Hemmerling)

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Wenn heute zur digitalen Ethik Stellung bezogen wird, so besteht die Quintessenz oft in einer mehr oder weniger langen Liste von Forderungen an die Entwicklung und den Betrieb der IT. Auf diesen Wertprinzipienlisten und in den dazugehörigen Manifesten stehen Einhaltung von Datenschutz, Sicherheit und Privatsphäre beim Bau und Betrieb von IT, Sicherstellung von Transparenz der Datenverarbeitung, Fairness und Abwesenheit von Vorurteilen bei KI.

In einem 2019 in der Fachzeitschrift Nature Machine Intelligence erschienenen Artikel mit dem Titel "The global landscape of AI ethics guidelines" fanden die Autoren tatsächlich 84 nationale und internationale Institutionen, die in den letzten zwei bis drei Jahren eine solche oder ähnliche Liste erstellt haben. Dieses Nachdenken über die Ethik der Technik ist sehr wertvoll, vor allem wenn man bedenkt, wie mühsam und langwierig es war, auch nur einen dieser Werte auf die Straße zu bringen: den Datenschutz. Die neuen Wertelisten sind also ein großer Fortschritt im Denken. Die Frage ist, ob solche Wertelisten den großen ethischen Herausforderungen des digitalen Zeitalters gerecht werden.

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Es ist äußerst fragwürdig, dass ein Abhaken von Ethiklisten allein erfolgreich sein kann. Dazu sollte man sich zunächst vor Augen führen, mit welch einschneidenden Veränderungen es die Gesellschaft durch die Digitalisierung zu tun hat. Innerhalb von knapp 20 Jahren erfuhr sie eine Transformation von fast allem, was ihr lieb und teuer ist. Beispielhaft seien hier genannt die Art, wie Menschen arbeiten und ob sie das in Anbetracht der Digitalisierung überhaupt noch tun, die damit verbundene Entfaltung oder Nichtentfaltung am Arbeitsplatz, der Umbau von Unternehmen in gigantische digitale Workflowsysteme, die Art, wie Menschen miteinander kommunizieren, Beziehungen pflegen oder Urlaube planen. Des Weiteren die Freizeitgestaltung in virtuellen Umgebungen mit neuen Formen von Freude und Sucht, Sexualität und Partnersuche; wie Menschen Informationen und Wahrheiten beziehen, verbunden mit einem Zusammenbruch von Medienhoheit, Polarisierung und Tribalisierung von Bürgern in Onlineforen und über Landesgrenzen hinweg; eine Verschiebung von Kriegsführung hin zu Cyberwar und autonomen Waffensystemen, Wahlmanipulation und Demokratieuntergrabung beziehungsweise Bedrohung der öffentlichen Ordnung.

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