Fahr, Simulator! E-Motorrad 2Electron Emula

Ein Bike-Darsteller für viele Rollen: Die Grenzen zwischen Realität und Computerspiel verschwimmen beim E-Krad des italienischen Start-ups 2Electron.

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Das italienische E-Bike will durch künstliche Erzeugung (dadurch) falscher Emotionen begeistern. Ihr Name Emula beschönigt nichts.

(Bild: 2Electron)

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Die digitale Revolution hat vieles ermöglicht, nun auch das Drei-in-eins- und bald wohl auch das Unendlich-viel-in-eins-Motorrad. Dass das Start-up 2Electron des italienischen Autozulieferers Zener mit Sitz in Turin ein Elektro-Motorrad auf die Räder gestellt hat, wäre kaum der Rede wert, da Elektromotorräder von bislang völlig unbekannten Marken gerade wie die Pilze aus dem Boden schießen. Doch die Emula verfügt über eine verblüffende Fähigkeit: Sie soll verschiedene Verbrennungsmotoren nahezu perfekt simulieren. Das Emulationssystem für diesen Bluff nennen die italienischen Tüftler „McFly” nach dem Protagonisten aus dem Film „Zurück in die Zukunft“.

Im Grunde genommen ist es simpel: Lautsprecher unter der Sitzbank und der Verkleidung lassen die originale Auspuff- bzw. Motorenakustik erklingen, der Computer ruft im Elektromotor die Leistung in der gewünschten Stärke ab und dazu vibrieren Sitzbank und Fußrasten mittels verschiedener Körperschallwandler (sogenannter „Bass-Shaker”) synchron zum Sound. Das sind die Dinger, die im Heimkino das Sofa wackeln lassen, wenn mal wieder im Actionfilm die Tankstelle explodiert oder ein Asteroid einschlägt.

2Electron Emula (8 Bilder)

Die Emula von 2Electron ist ein Elektro-Motorrad, das verschiedene Verbrennungsmotoren simulieren kann. Das Emulationssystem nennen die italienischen Tüftler McFly nach dem Protagonisten aus „Zurück in die Zukunft“.
(Bild: 2Electron)

2Electron hat zurzeit drei verschiedene Motorentypen parat: einen 58 PS starken 250er-Zweitakter mit spitzer Leistungskurve, ein Viertakt-Zweizylinder mit 77 PS aus 800 Kubikzentimeter Hubraum und einen hochdrehenden 600er-Viertakt-Reihenvierzylinder mit 100 PS. Alle drei Emulationen seien real existierenden Vorbildern genau nachempfunden schreibt 2Electron.

Zwar besitzt die Emula weder Schaltgetriebe noch Kupplung, doch damit dieser Trug mit Drehzahlen und Schaltvorgängen überhaupt funktionieren kann, sind trotzdem Kupplungs- und Schalthebel montiert. Alles wird elektronisch vorgegaukelt, sogar das „backfiring“ eines Rennmotors beim plötzlichen Schließen des Gasgriffs oder das Krachen, wenn der Gang nicht sauber eingelegt wird.

Im Cockpit sitzt ein acht Zoll großer Touchscreen, von dem per Fingertipp die gewünschte Motorensimulation abgerufen werden kann. Lautstärke und Vibrationen lassen sich in ihrer Intensität einstellen. Sogar Tuningmaßnahmen wie ein Racing-Auspuff, Sport-Luftfilter oder ähnliche Optionen lassen sich problemlos vortäuschen.

Selbst das Leistungsgewicht soll von der Emula so realistisch wie möglich wiedergegeben werden: Der Prototyp wiegt – laut Hersteller – knapp unter 200 Kilogramm, ein 250er-Zweitakter aber nur rund 150 Kilogramm. Das berücksichtigt der Computer und ruft entsprechend mehr Kraft ab, um auf die Fahrleistungen des Originals zu kommen. Der Elektromotor soll bis zu 250 Nm Drehmoment leisten und könnte damit sogar die 221 Nm Drehmoment aus dem 2,5 Liter großen Dreizylinder der aktuellen Triumph Rocket 3 darstellen, ohne dass ihm die Puste ausgeht.