Fake-Rapper auf Streaming-Diensten

Auf Musikplattformen gibt es ein zunehmendes Problem mit geklauten Inhalten. Das hat Konsequenzen für den "Streaming-Traum".

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Spotify gehört zu den betroffenen Diensten.

(Bild: dpa, Daniel Bockwoldt)

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Die Musikindustrie darf Spotify, Apple Music, Tidal & Co. dankbar sein: Ohne die Streamingdienste fielen enorme Einnahmen weg, denn der moderne Mensch kauft mittlerweile immer seltener Musik, egal ob als Download oder physischen Datenträger. Er hört sie lieber per Internet mittels Flatrate. Dadurch ändert sich natürlich auch das Geschäftsmodell radikal: Die Anzahl der Wiedergaben (Plays) wird enorm wichtig.

Sogar die Art, wie einzelne Songs produziert werden, verändert das. Da oft erst dann Geld fließt, wenn ein Stück mindestens 30 Sekunden lang gehört wird, fallen langatmige Intros weg, die Nutzer zum Wegklicken nötigen könnten. Zudem, so aktuelle Untersuchungen, werden die Stücke moderner Künstler wieder kürzer – damit die Nutzer nicht nur einen sondern gleich mehrere Songs in der gleichen Zeitperiode hören können, was wiederum mehr Geld (mittels Plays) in die Kasse bringt.

Hinzu kommt, dass mittlerweile nahezu jeder seine Musik bei den Streamingdiensten platzieren und dann damit verdienen kann – Musikdienstleister machen es möglich. Auf Spotify führt dies zu seltsamen Blüten, wie das Musikmagazin "Pitchfork" recherchiert hat. Es fand dort einen nahezu unbekannten Rapper, der satte zwei Millionen Streams für einen Track auf sich vereinen konnte.

Das Problem: Der Künstler ist gar nicht existent, bei seinem Track handelt es sich um eine in der Tonhöhe angepasste Aufnahme, die vom bekannten Hiphop-Künstler Playboi Carti stammt. Warum die so oft abgespielt – und dem Dieb Geld eingebracht – hat, erklärt sich ebenfalls einfach: Der minimal veränderte Song ist ein Stück, das noch gar nicht offiziell angeboten wird.

Das half mächtig: Der im April erfolgte Upload wurde in Windeseile bekannt und schaffte es in die "Viral 50"-Hitliste von Spotify in den USA. Der Fake-Rapper hat zudem nicht zum ersten Mal zugeschlagen: Auch seine zwei anderen bei Spotify gelisteten Songs sind geklaut – Leaks des Stars Lil Uzi Vert.

Dass illegale Kopien direkt bei Streamingdiensten auftauchen, ist eine erstaunliche Entwicklung. Nutzer gehen davon aus, dass die Inhalte, die sie im Rahmen ihrer Flatrate zum Anhören bekommen, legales Material sind, bei dem alle Rechte korrekt eingeholt wurden.

Die Plattformen sind dank externer Musikdienstleister aber mittlerweile für Amateure durchlässig geworden und bei der Menge an neuer Musik scheint meistens kein Mitarbeiter mehr nachzuschauen, um was für Tracks es sich da überhaupt handelt – alles wird durchgereicht. Auch Uploadfilter hätten in diesem Fall nicht gegriffen, schließlich handelte es sich bei den geklauten Tracks um Leaks, die noch in keiner Datenbank stehen. Wer das Geld für die Kopien abkassiert, ist unklar.

Spotify ist auch nicht der einzige Dienst, der das Problem hat. Eine Suche bei Apple Music soll den Fake-Rapper laut "Pitchfork" ebenfalls nach oben spülen. Bei Spotify wird man indes sogar zu anderen Fakes weitergeleitet: Man muss nur auf "Fans mochten auch" klicken, schon gibt es noch mehr Illegales. (bsc)