Filme im Faktencheck: Als unsere Gegenwart Science-Fiction war

Im 90er-Jahre-Action-Thriller "Johnny Mnemonic" wird die Gesellschaft im Jahr 2021 beschrieben. Zeit für einen Faktencheck früherer Sci-Fi-Szenarien in Filmen.

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(Bild: Mirexon / Shutterstock.com)

Von
  • Gregor Tholl
  • dpa
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"Die Zukunft war früher auch besser", führte einst Karl Valentin die Verklärung der guten alten Zeit ins Absurde. In vielen alten Science-Fiction-Filmen kommt die Zukunft dagegen düster daher. Im 26 Jahre alten Film "Vernetzt – Johnny Mnemonic" wird unser jetziges Jahr 2021 gezeigt. Der in Kanada gedrehte Cyberpunk-Thriller mit Keanu Reeves, Dolph Lundgren, Ice-T, Udo Kier und Barbara Sukowa ist aus heutiger Sicht an vielen Stellen unfreiwillig komisch, zum Beispiel wenn das Fax noch eine wichtige Rolle im Ablauf spielt.

Immer wieder haben sich Filmemacher getraut, ihre Sci-Fi-Szenarien zu datieren, am berühmtesten wohl Stanley Kubrick mit seinem bis heute beeindruckenden Epos "2001: Odyssee im Weltraum" (1968) sowie Peter Hyams mit "2010: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen" (1984).

Wenn es nicht zu weit in der Zukunft liegt, können datierte Filmwerke schnell peinlich wirken, wenn alle feststellen, dass es doch keine Replikanten, kein Beamen, keine fliegenden Autos, keine Weltraumkolonien und keine Zeitreisen im betreffenden Jahr gibt. Oder die Welt eben doch nicht untergegangen ist wie im Katastrophenfilm "2012 – Das Ende der Welt" (2009) von Roland Emmerich.

Klar ist: Guten Science-Fiction-Filmen geht es gar nicht um die Zukunft und ein bestimmtes Jahr, sondern um Botschaften über die Gegenwart oder Themen wie die Grenzen menschlicher Intelligenz.

Das ist nicht zuletzt auch in den langlebigen Franchise-Reihen "Star Trek" (aktuell ist etwa die dritte Staffel der Serie "Star Trek Discovery"), "Planet der Affen" und der Fantasy-Märchen-Reihe "Star Wars" der Fall ("Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis...").

Noch besseres Beispiel: der bald 50 Jahre alte sowjetische Klassiker "Solaris" (1972) von Andrej Tarkowski. Neuverfilmt wurde das Ganze 2002 in den USA von Steven Soderbergh mit George Clooney und Natascha McElhone. Dem polnischen Romanautor und Philosophen Stanislaw Lem gefiel jedoch keine Verfilmung seines Stoffs.

Ein anderes Beispiel für Filme, die über das Gezeigte hinausweisen, ist "Matrix" von 1999. Das philosophisch angehauchte Werk handelt von einem Maschinenkrieg – der wahrscheinlich im Jahr 2199 seinen Höhepunkt erreicht, aber das wissen die Figuren im Film auch nicht so genau. Es geht um die Befreiung der Menschen aus einer Scheinwelt.