Fliegen durch den Aktienmarkt

Der Fondsanbieter Fidelity möchte bei neuen Schnittstellen für Börsengeschäfte vorne mitspielen. Jetzt hat er den ersten Prototypen einer Finanz-App für die VR-Brille Oculus Rift vorgestellt.

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  • David Talbot

Der Fondsanbieter Fidelity möchte bei neuen Schnittstellen für Börsengeschäfte ganz vorne mitspielen. Jetzt hat er den ersten Prototypen einer Finanz-App für die VR-Brille Oculus Rift vorgestellt.

Die gefeierte Virtual-Reality-Brille Oculus Rift könnte für weitaus mehr zu benutzen sein als für höchst realistische Computerspiele: Fidelity Investments zum Beispiel hat jetzt einen App-Prototypen vorgestellt, mit dem man durch eine Stadtszene fliegen kann, die den aktuellen Aktienmarkt repräsentiert.

Laut Fidelity handelt es sich bei dieser virtuellen Testumgebung um die erste Finanzdienstleistungsanwendung für Oculus Rift. Aktien werden darin als Bürohochhäuser dargestellt, die zusammen mit anderen aus derselben Branche unterschiedliche "Viertel" bilden. Die Grundfläche der Gebäude richtet sich nach dem Handelsvolumen, die Dächer sind rot oder grün, abhängig davon, wie sich der Kurs entwickelt.

Ein konkretes Anlageproblem soll die VR-App nach Angaben von Fidelity noch nicht lösen. Doch der Fondsanbieter mit 2 Billionen Dollar an Kundenvermögen will beim Einsatz von neuen Schnittstellen vorne mit dabei sein. "Wir haben die Hypothese, dass virtuelle Realität im Konsumentenbereich in den nächsten drei bis fünf Jahren abheben wird, also wollen wir die Technologie verstehen", sagt Hadley Stern, Vice President beim Fidelity-Forschungsarm Fidelity Labs. "Wir wollen wissen, was die Nutzer dazu sagen, und darüber nachdenken, wie aktive Trader und andere Anleger virtuelle Welten nutzen würden, um Daten zu interpretieren."

Die App mit dem Namen StockCity wurde vergangene Woche auf einer Messe für Aktienhändler in Las Vegas vorgestellt.

Mit der VR-Brille Oculus Rift, in diesem Jahr für 2 Milliarden Dollar übernommen von Facebook, können sich Nutzer durch 3D-Welten bewegen. Ihre Kopfbewegungen werden in unterschiedliche Ansichten der Szenen umgesetzt. Laut Stern wäre denkbar, dass eine Oculus-Visualisierung Händlern dabei hilft, Entscheidungen zu treffen oder Chancen in der Kurs- oder Volumenentwicklung zu entdecken.

Im App-Prototypen von Fidelity gibt es noch weitere etwas krude Metaphern. Wenn die Börse geöffnet ist, herrscht in der virtuellen Stadt Tag, wenn der Markt schließt, wird es dunkel. Sonnenschein oder Regen lassen die allgemeine Richtung des Marktes erkennen. Welche Wettergrafik für die jüngste Finanzkrise vorgesehen gewesen wäre, ist nicht bekannt, aber Stern schlägt scherzhaft vor: "Tornados?".

Ein erster Versuch mit der App war nicht sehr aufregend. Ich setzte die schwere Brille auf und fühlte mich etwas desorientiert. Eigentlich wollte ich durch mein eigenes Altersvorsorgedepot fliegen und ein Gefühl dafür bekommen, wie schlecht meine einzelnen Entscheidungen über die Jahre waren.

Bislang aber ermöglicht Fidelity mit der App keinen Zugriff auf echte Depotkonten, weil Sicherheit und Authentifizierung für VR-Brillenträger noch nicht gelöst sind. Ich konnte damit also nichts weiter tun, als eine allgemeine Aktienstadt erkunden, in der die Bewegungen einiger Blue-Chip-Aktien zu sehen waren.

Ähnliche Experimente hat Fidelity auch mit Google Glass und der Smartwatch Pebble vorgenommen. Irgendwann, so Stern, könnte der Verkehr in den virtuellen Straßen die Handelsaktivität erkennen lassen, und blaue Twitter-Vögel um die Gebäude könnten Nachrichten aus sozialen Medien anzeigen. (bsc)