Formel 1: Ein Nachruf auf Sir Frank Williams

Sir Frank Williams, der letzte ikonische One-Man-Teamchef der Formel 1, ist gestorben. Er hat die Königsklasse entscheidend mitgeprägt.

Lesezeit: 5 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht

Frank Williams ist tot. Hier ein Bild von 2011. Er hat die Formel 1 geprägt wie kaum ein anderer. Er starb am 28.11.2021 im Alter von 79 Jahren.

(Bild: LyndseyWF1 - Wikipedia)

Von
  • Christian Lorenz

Von Enzo Ferrari wurde er mit respektvoller Abneigung und ernst nehmender Überheblichkeit als "Garagist" bezeichnet: Frank Williams hat die Formel 1 über viele Jahre mitgeprägt. Sein Team Williams F1 war von 1977 bis 2020 in seinem Eigentum und unter seiner Leitung. Mit 114 Grand-Prix-Siegen, sieben Fahrerweltmeistertiteln und neun Konstrukteurstiteln gehört Williams F1 zu den erfolgreichsten Teams in der Geschichte der Formel 1. Diesen historischen Erfolg hat der seit mehr als 35 Jahren querschnittsgelähmte Frank Williams aus dem Nichts entgegen oft widrigste Umstände herausgekämpft. Er war ein Besessener, wie ihn der Sport wohl nur in vergangenen Zeiten hervorbringen konnte.

Das Leben des Frank Williams und das seines Rennstalls erzählen sich in einem, denn der Rennstall war sein Leben. Genau genommen bereits sein zweites Leben, denn mit seinem ersten Rennstall Frank Williams Racing Cars, den er bereits 1965 gegründet hatte, hatte Frank Williams Mitte der 1970er-Jahre Schiffbruch erlitten bzw. war 1976 von seinem Finanzier und Partner, dem Austro-Kanadier, Großunternehmer und Multimillionär Walter Wolf ausgebootet und entmachtet worden. So empfand zumindest Williams den ganz unemotionalen und die Moral überhaupt nicht tangierenden Vorgang, dass Wolf Frank Williams aus dem Rennstall herauskaufte, um ihn fortan als Walter Wolf Racing ebenso eigenständig wie erfolglos weiterzuführen.

Für Frank Williams war dieses vorläufige, für ihn bittere Ende der Auftakt zu seinen historischen Erfolgen. Es ist typisch für Williams, dass er seine vielleicht bitterste Niederlage zu seinem großen Durchbruch umgemünzt hat. Zusammen mit seinem Partner, Kollegen und Freund, dem genialen Konstrukteur Patrick Head und sechs weiteren Mitarbeitern gründete Williams 1976 den Rennstall Williams Grand Prix Engineering, später Williams F1.

1977 setzte der Rennstall sein erstes Fahrzeug ein, einen gebrauchten March. Schon drei Jahre später konnte Williams mit Alan Jones seinen ersten Doppelerfolg in der Formel 1 mit der Fahrer- und Konstrukteurs-Weltmeisterschaft feiern. Es sollte noch sechs Fahrertitel und acht Konstrukteursmeisterschaften hinzukommen. Letzter Formel-1-Weltmeister auf Williams wurde 1997 der Kanadier Jacques Villeneuve. Das Team konnte einstige Dominanz nie wieder erreichen.

Neben unglaublichen Erfolgen ist der Name Williams auch mit furchtbaren Tragödien verbunden. Der erste, bis dahin schwerste Schlag für Williams war der Renntod seines besten Freundes und überragenden Fahrers Piers Courage beim Grand Prix der Niederlande in Zandvoort im für die Formel 1 so traurigen Jahr 1970, das mit Jochen Rindt den bisher einzigen posthumen Weltmeister küren musste.

24 Jahre später brennt sich eine der vielleicht größten Tragödien des Motorsports für immer in die Erinnerung der Rennsporthistorie ein und bleibt ewig mit dem Namen Williams verbunden: Der Renntod des dreimaligen Weltmeisters, Ausnahmefahrers und charismatischen Sportlers Ayrton Senna mit einem Williams-Renault FW16 beim Großen Preis von San Marino 1994 in Imola.

Frank Williams (11 Bilder)

Piers Courage war wohl der beste Freund von Frank Willilams und als Ausnahmerennfahrer der Grundstein für das Formel-1-Engagement von Frank Williams 1969. Sein Renntod im Jahr 1970 war der bis dahin schwerste Schlag im Leben von Frank Williams.
(Bild: Von Raimund Kommer - submission by Raimund Kommer, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8039633)

Die persönlich wohl schlimmste Tragödie hatte Frank Williams bereits acht Jahre früher in Südfrankreich ereilt. Er verursachte auf dem Weg von Tests auf der Rennstrecke Le Castellet zum Flughafen einen Autounfall, kam mit seinem gemieteten Ford Sierra aufgrund viel zu hoher Geschwindigkeit von der Straße ab. Er überschlug sich. Dabei wurde sein Rückgrat zertrümmert. Frank Williams war jetzt weitreichend gelähmt und konnte sich vom Hals abwärts kaum mehr bewegen. Seine Lähmungserscheinungen reichten weit über eine Querschnittslähmung hinaus, er war auf ständige Hilfe angewiesen.

Für Frank Williams selbst mag möglicherweise der Krebstod seiner geliebten Frau Virginia im Jahr 2013 der schlimmste Schicksalsschlag gewesen sein. Virginia "Ginny" Williams unterstützte und pflegte ihn aufopferungsvoll. Sie führte das "Familienunternehmen" und hielt Frank Williams den Rücken frei. Die beiden waren seit 1974 verheiratet und hatten drei Kinder. Die Tochter Claire, das zweitgeborene Kind mit einem älteren und einem jüngeren Bruder, übernahm seit 2012 an herausgehobener Stelle Leitungsaufgaben im Team. Seit 2013 war sie auch Vorstandsmitglied. Im September 2020 wurde das Team an eine große New Yorker Investmentgesellschaft verkauft. Damit gaben Claire und Frank Williams alle Firmenanteile auf und zogen sich zurück. Das Engagement der Familie Williams im Rennsport endete.

Schon seit 2016 war Frank Williams infolge mehrerer Lungenentzündungen nicht mehr in der Lage gewesen, persönlich zu Rennwochenenden im Team zu erscheinen. Es folgten unregelmäßige Krankenhausaufenthalte, die sich in letzter Zeit häuften. Zuletzt musste Frank Williams erneut ins Krankenhaus eingeliefert werden. Am 28. November 2021 starb er dort im Alter von 79 Jahren. Ein Leben für den Rennsport ging zu Ende.

(chlo)