Forscher erschaffen Mensch-Affen-Chimären

Mit der Schaffung von Mischwesen aus Menschen und Affen begeben sich derzeit Wissenschaftler aus China, den USA und Spanien in ethische Grenzzonen.

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Affen als Organspender.

Von
  • Antonio Regalado

In China haben der Biologe Juan Carlos Izpisúa Belmonte vom kalifornischen Salk Institute und Forscher der Katholischen Universität von Murcia gemeinsam mit chinesischen Wissenschaftlern menschliche Stammzellen in Affen-Embryonen injiziert. Ihre Hoffnung ist, dass die menschlichen Zellen sich in dem wenige Tage alten Embryo parallel zu den Affenzellen entwickeln, berichtete die spanische Tageszeitung "El País". Das Fernziel: Tiere erzeugen, bei denen einzelne Organe vollständig aus menschlichen Zellen bestehen, damit sie den Spenderorgan-Mangel beheben helfen.

Izpisúa Belmonte hatte bereits in einem früheren Experiment versucht, sogenannte Mensch-Tier-Chimären herzustellen. Er injizierte menschliche iPS-Zellen (induzierte pluripotente Stammzellen, die sich in jedes Gewebe weiterentwickeln können) in mehr als 2000 Schweine-Embryonen, die anschließend bis zu vier Wochen lang von Leihmutter-Schweinen getragen wurden. Nur wenige der menschlichen Zellen überlebten die Verpflanzung, aber auch die entwickelten sich nicht zu einem Organ oder anderen nennenswerten biologischen Strukturen der Tiere.

TR 10/2019

Bei den Affen-Experimenten setzen die Forscher auf die nahe Verwandtschaft zwischen Affen und Menschen. Zudem hoffen sie, den menschlichen Zellen durch einen Trick bessere Entwicklungschancen mitgeben zu können: Sie schwächten die Fähigkeit zur Bildung einzelner Organe in den Affen-Embryonen, indem sie die für das jeweilige Organ entscheidenden Gene abschalteten. Die menschlichen Zellen hingegen behielten ihr Genprogramm. So können sie theoretisch die Lücke füllen.

Bisher wurde keine Mensch-Affe-Chimäre geboren. Aus ethischen Erwägungen dürfen sich die Embryonen nur ein bis zwei Wochen im Labor entwickeln. In dieser Zeit sollen sie untersucht werden, sagte Estrella Núñez, Biologin und Vizekanzlerin für Forschung an der Katholischen Universität von Murcia, gegenüber "El País". Die Hochschule finanziere die Forschung mit. Weiter könne sie die Ergebnisse nicht kommentieren, bis "diese veröffentlicht wurden". Das Salk Institute ließ die Anfrage, ob der Bericht von "El País" korrekt ist, unbeantwortet.

Das Experiment ist sowohl ethisch als auch fachlich umstritten. In den USA dürfen nach einem Memorandum der National Institutes of Health, den Behörden für medizinische Forschung, aus Bundesmitteln keine Mensch-Affen-Mischembryonen hergestellt werden. Wohl weil es in China kein vergleichbares Verbot gibt, findet die Forschung nun dort statt. In Deutschland wären solche Versuche mit iPS-Zellen in Tierembryonen gemäß dem Tierschutzgesetz zwar möglich, eine Bewilligung durch die Ethikkommissionen wäre aber fraglich.

Der ethische Knackpunkt ist der Grad der Vermenschlichung der Tiere und damit verschwimmende Artgrenzen. Die große Frage ist laut Robin Lovell-Badge vom Francis Crick Institute in London zudem, wie man verhindert, dass die humanen Zellen ins Nervensystem einwandern. "Wenn man erlaubt, dass die Tiere sich voll bis zur Geburt entwickeln, und die humanen Zellen auch zum zentralen Nervensystem einen großen Beitrag leisten, dann wäre das offensichtlich ein Grund zur Sorge", sagte Lovell-Badge dem "Guardian".

Pablo Ross, ein Veterinärforscher an der University of California in Davis, hält es auch fachlich nicht für sinnvoll, menschliche Organe in Affen zu züchten. Er hatte zuvor mit den Salk-Forschern an den Schweine-Mensch-Chimären mitgearbeitet. "Ich habe immer gesagt, dass es nicht sinnvoll ist, dafür einen Primaten zu verwenden. Sie sind einfach sehr klein, und es dauert zu lange, bis sie sich fertig entwickelt haben", sagt Ross. Die menschlichen Organe im Affenkörper werden also irgendwann zu groß.

(bsc)