Forscher untersuchen biologische Hintergründe von Einsamkeit

Die Sehnsucht nach Gesellschaft und Interaktion ähnelt nach ersten Erkenntnissen deutlich dem Hungergefühl und scheint im Gehirn ähnlich gesteuert zu werden.

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Kay Tye erforscht die biologischen Ursachen von Einsamkeit.

(Bild: Jenny Siegwart)

Von
  • Adam Piore

Wie das oft quälende und nicht selten krankmachende Gefühl der Einsamkeit entsteht, war lange nur schwer zu erforschen. Jetzt liefert ein neues Forschungsfeld erste Antworten, schreibt Technology Review in seiner neuen Ausgabe 2/2021 (ab Donnerstag am gut sortierten Kiosk erhältlich oder online bestellbar).

So haben Wissenschaftler nicht nur erste Gehirnareale aufgespürt, die bei dem Gefühl eine Rolle zu spielen scheinen. Die Ergebnisse legen auch nahe, dass die Einsamkeit von Menschen, die sich nach sozialen Interaktionen sehnen, dem Hungergefühl von Menschen ähnelt, die sich Essen wünschen.

TR 2/2021

Dieser Beitrag stammt aus Ausgabe 2/2021 der Technology Review. Das Heft ist ab dem 18.02.2021 im Handel sowie direkt im heise shop erhältlich. Highlights aus dem Heft:

Stimulierten etwa Forscher um Kay Tye und Gillian Matthews am Salk Institute of Biological Sciences im kalifornischen La Jolla bei Mäusen bestimmte Neuronen mit Hilfe der Optogenetik, suchten die Tiere Kontakt zu ihren Artgenossen. Wurden umgekehrt die entsprechenden Neuronen zum Schweigen gebracht, verloren die Tiere den Wunsch nach sozialem Kontakt.

Da die invasive Optogenetik beim Menschen keine Option war, untersuchte Tyes Kollaborationspartnerin Rebecca Saxe am am Massachusetts Institute of Technology mithilfe der funktionalen Magnetresonanztomografie (fMRT), wie sich die Durchblutung im menschlichen Gegenstück des Nager-Gehirnbereichs verändert. Dieses sitzt im Mittelhirn und wird mit dem Gefühl in Verbindung gebracht wird, etwas zu „wollen“ oder zu „verlangen“.

Zuerst verbrachten die Probanden zehn Stunden ohne jeglichen menschlichen Kontakt in einem Raum. Zum Vergleich nahmen dieselben Teilnehmer später an einer zweiten zehnstündigen Sitzung mit viel Interaktion, aber ohne Essen teil. Nach beiden Versuchsteilen sahen sie sich im fMRT-Gerät Bilder von Lebensmitteln sowie Menschen an, die nonverbale Signale wie ein Lächeln zeigten.

Tatsächlich zeigten die Gehirnscans der Probanden nach der Isolation weitaus mehr Aktivität im Mittelhirn, wenn ihnen Bilder mit sozialen Signalen gezeigt wurden. Waren die Probanden aber hungrig und nicht einsam, reagierten sie ähnlich robust auf Nahrungsmittelbilder, nicht aber auf die sozialen Signale.

(vsz)